Psychologie Alkohol ist sozialer Schmierstoff für Männer

Ein Lachen wirkt ansteckend - und Alkohol verstärkt diesen Effekt. Allerdings nur bei Männern, die unter sich sind.
Einer geht noch: Gemeinsames Trinken verstärkt offenbar Männerkumpanei

Einer geht noch: Gemeinsames Trinken verstärkt offenbar Männerkumpanei

Foto: Corbis

Der Mensch ist ein soziales Wesen. Er trifft sich gern mit Freunden, freut sich mit anderen und leidet mit ihnen. Mitunter lockert ein Bier oder auch ein Glas Wein die Zunge und bringt Menschen schneller einander näher.

Psychologen der University of Pittsburgh haben die Wirkung von Drinks auf die soziale Interaktion nun in einer Studie mit 720 Probanden untersucht. Ihre Beobachtungen klingen zunächst wenig überraschend: Wer Alkohol trinkt, auf den wirkt das Lächeln anderer Menschen ansteckender.

Allerdings gab es diesen Effekt kurioserweise nur in Männergruppen, berichten Catharine Fairbairn und ihre Kollegen im Fachblatt "Clinical Psychological Science" . Sobald eine Frau mit am Tisch saß, verstärkte Alkohol die ansteckende Wirkung eines Lächelns kaum.

"Wir wollten die Idee untersuchen, ob Alkohol bei Männern als eine Art sozialer Schmierstoff funktioniert", erklärt Fairbairn. Die Studie liefere einen klaren Beweis dafür, dass Trinken bei Männern in dieser Hinsicht stärker wirke als bei Frauen. Dies sei auch wichtig, um Alkoholprobleme besser zu verstehen. Männer hätten ein um 50 Prozent höheres Risiko, exzessiv zu trinken. Und diese Trinkgelage fänden in der Regel nicht allein, sondern in der Gruppe statt.

In der Studie wurden die 720 Probanden im Alter von 21 bis 28 Jahren in Gruppen zu je drei Personen an einen Tisch gesetzt und dabei gefilmt. Sie bekamen entweder einen Drink (Wodka-Cranberry), ein nichtalkoholisches Getränk oder ein angeblich alkoholisches Getränk, das jedoch alkoholfrei war. Die Teilnehmer wurden einander vorgestellt und gebeten, die Getränke zu bewerten. Ansonsten gab es keinerlei Instruktionen der Forscher.

Aus den Videoaufnahmen ermittelten die Psychologen, wie empfänglich Probanden für das Lächeln ihrer Tischpartner waren. Alkohol verstärkte diese Ansteckung ausschließlich in reinen Männerrunden, berichten sie. Offenbar fungiere die Droge unter Männern als eine Art sozialer Mutmacher, der Hemmungen beseitige.

Die Psychologen empfehlen, das Trinken in Gesellschaft viel kritischer zu sehen als bislang üblich. "Viele glauben, ein sozialer Trinker stellt kein Problem dar", sagt Fairbairn. Dabei würden sowohl Gelegenheits- als auch Vieltrinker meist gemeinsam mit anderen zum Glas greifen. Die beobachtete Ansteckung des Lächelns verstärke womöglich den Alkoholkonsum. Soziale Motive könnten daher eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Alkoholproblemen spielen.

hda