Psychologie Beobachtete ändern ihr Verhalten

Psychologen kennen das Phänomen als Hawthorne-Effekt: Das Wissen, Proband in einer wissenschaftlichen Studie zu sein, ändert das Verhalten. Forscher konnten das Phänomen nun auch beim Stromsparen nachweisen.
Beobachterin: Menschen verhalten sich unter Aufsicht anders

Beobachterin: Menschen verhalten sich unter Aufsicht anders

Foto: Corbis

Wer sich beobachtet fühlt, handelt anders. Dieses Phänomen kennen Psychologen schon länger. In den zwanziger Jahren untersuchten Wissenschaftler, ob eine bessere Beleuchtung in einer Fabrik die Arbeitsleistung der darin arbeitenden Menschen steigert. Alle Probanden waren über die Studie informiert. Ein Teil arbeitete mit der üblichen Beleuchtung, ein Teil mit besserem Licht.

Das Experiment in der Hawthorne-Fabrik der Western Electric Company in Chicago brachte ein überraschendes Ergebnis: Beide Probandengruppen steigerten ihre Arbeitsleistung. Allein das Bewusstsein, unter Beobachtung zu stehen, führe zu Verhaltensänderungen, folgerten die Forscher. Seitdem heißt das Phänomen Hawthorne-Effekt.

Nun haben Wissenschaftler der Carnegie Mellon University Pittsburgh den Hawthorne-Effekt auch beim Stromverbrauch privater Haushalte nachgewiesen. Daniel Schwartz und seine Kollegen wählten 5600 US-Haushalte zufällig aus, deren monatlichen Stromverbrauch sie mit Hilfe des zuständigen Stromlieferanten messen konnten.

Die Hälfte der Haushalte wurde vorab per Postkarte darüber informiert, dass in wenigen Tagen eine Untersuchung über den Stromverbrauch ihres Haushaltes beginnt. Die Studie erfordere keine aktive Mithilfe der Teilnehmer, hieß es, es werde nur der Verbrauch erfasst. In dem Untersuchungsmonat bekamen die Haushalte zudem wöchentlich eine weitere Postkarte, die sie an die laufende Studie erinnerte. Die andere Hälfte der Probanden wurde nicht über die laufende Untersuchung informiert.

Wie änderte sich der Stromverbrauch? Bei den nicht informierten Haushalten wie zu erwarten gar nicht. Doch bei jenen, die regelmäßig Postkarten bekamen, sank der Verbrauch im Untersuchungsmonat um durchschnittlich 2,7 Prozent. Dieser Effekt verschwand in den Folgemonaten wieder - für die Forscher ein eindeutiger Beleg dafür, dass die Information über die Studie das Verhalten der Betroffenen verändert hat. Die Menschen hätten bewusster auf ihren Energieverbrauch geachtet, schreiben Schwartz und seine Kollegen im Fachblatt "Proceedings of the National Academy of Sciences" .

Wie sehr das Design von Studien deren Ergebnisse beeinflussen kann, haben auch nachträgliche Untersuchungen der Hawthorne-Experimente aus den zwanziger Jahren gezeigt. Wie Forscher inzwischen wissen, genügte das damalige Experiment heutigen strengen Anforderungen nicht - unter anderem wurden Probanden während des Experiments ausgetauscht und unter Druck gesetzt. Trotzdem gibt es heute keine Zweifel mehr, dass es den Hawthorne-Effekt tatsächlich gibt.

hda
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