Psychologie Helikopter-Eltern sind glücklicher

Helikopter-Eltern behüten ihre Kinder beinahe fanatisch. Sie versuchen, alle Probleme von ihnen fernzuhalten und ihre Zukunft in die richtige Bahn zu lenken - und stellen dafür ihre eigenen Bedürfnisse zurück. Doch eine Studie legt jetzt nahe: Gerade deshalb sind sie glücklich.
Hilfe in allen Lebenslagen: Wer sich um das Wohl eines anderen sorgt, wird selbst glücklich

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Foto: Corbis

Eltern, die ihr Kind übermäßig umsorgen, gelten gemeinhin nicht als besonders glücklich. Denn immerhin ordnen sie nahezu alle eigenen Bedürfnisse denen des Nachwuchses unter. Doch eine Studie hat jetzt das genaue Gegenteil ergeben: Sogenannte Helikopter-Eltern seien besonders glücklich, da sie sich besonders intensiv um ihre Kinder kümmern.

Die Forscher aus den Niederlanden und Kanada führten zwei psychologische Experimente mit 322 Elternteilen durch, die im Durchschnitt 34 Jahre alt waren und die Kinder mit einem Durchschnittsalter von fünfeinhalb Jahren hatten. Voraussetzung für die Teilnahme war, dass noch mindestens ein Kind unter 18 Jahren bei den Eltern wohnte.

Im ersten Versuch ordneten sich die Eltern in eine Skala ein, die den Grad ihrer Kindzentrierung bestimmte. Dazu bewerteten sie Aussagen wie "Meine Kinder sind mein Lebensmittelpunkt", oder "Meine Kinder sind mein häufigstes Gesprächsthema". In einem Fragebogen gaben sie Auskunft über ihre Zufriedenheit und die Bedeutung, die ihr Leben erfahren hat, seitdem sie Eltern sind.

Je wichtiger das Kind, desto glücklicher die Eltern

Wie die Forscher um Claire Ashton-James im Fachmagazin "Social Psychological and Personality Science"  schreiben, ergab sich ein klares Bild: Je engagierter die Eltern ihr Kind behüten, desto eher leiten sie ihre Zufriedenheit und den Sinn des Lebens von der Tatsache ab, Kinder zu haben. Damit sei ein genereller Zusammenhang zwischen Kindzentrierung und Zufriedenheit im Leben bewiesen.

Zudem ordneten die Forscher die überengagierten Eltern nach Verhaltensmustern. Zwei Gruppen waren demnach besonders glücklich: "Helikopter-Eltern", die versuchen, ihre Kinder vor Misserfolgen zu schützen und deren Probleme zu lösen, und "Eltern kleiner Kaiser", die alle tatsächlichen und vermeintlichen materiellen Bedürfnisse ihrer Kinder befriedigen. Eltern, die ihre Kinder zu besonderen Leistungen zu treiben versuchen, waren demnach weit weniger zufrieden.

In der zweiten Studie maßen die Forscher die tatsächliche tägliche Zufriedenheit der Eltern anhand eines Tagesprotokolls. Hier war besonders interessant, wie sich die Eltern zum Beispiel fühlten, nachdem sie ihr Kind zum Fußballtraining gefahren hatten - um herauszufinden, welche Emotionen die Fürsorge für das Kind auslöst.

Die Auswertung der Protokolle entsprach den Annahmen der Forscher: Die Helikopter-Eltern notierten gute Stimmung, wenn sie sich um ihre Kleinen kümmerten. Bessere Stimmung kam bei den restlichen Aktivitäten nicht auf. Dieses Stimmungsbild war unabhängig von Geschlecht, Beziehungs- und Gesellschaftsstatus sowie Alter der Kinder.

In Deutschland ist der Erziehungsstil der Helikopter-Eltern umstritten. Befürworter wie der Bildungsjournalist Christian Füller sagen, das Vertrauen der Eltern in andere Erziehungsinstanzen wie Kindergarten und Schule sei zerstört. Gegner wie der Präsident des Deutschen Lehrerverbands Josef Kraus hingegen sprechen von "Förderwahn und Verwöhnung".

kbl
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