Psychologie Menschen ordnen Autos Persönlichkeiten zu

Ein grimmig dreinblickender SUV, ein freundlicher Kleinwagen - Menschen assoziieren Autos mit bestimmten Charakterzügen. Forscher haben das Phänomen jetzt systematisch untersucht und interpretieren es als typisches Erbe der Evolution.


Im Animationsfilm "Cars" können Autos sprechen, traurig sein und und jubeln. Die Phantasie der Filmemacher hat durchaus Bezüge zur Realität, wie eine Studie von Forschern aus Österreich und den USA ergeben hat. Denn Menschen ordnen Autos durchaus eine eigene Persönlichkeit zu. Im Aussehen der Frontpartie erkannten 40 Probanden menschliche Gesichtszüge und assoziierten diese mit bestimmten Eigenschaften, berichten Dennis Slice von der University of Florida und seine Kollegen im Fachblatt "Human Nature".

Die Studie bestätige, was viele Menschen ohnehin fühlten, wie Slice einräumt. Das Phänomen ist nach Aussage des Wissenschaftlers nun jedoch erstmals systematisch untersucht worden.

Die Forscher zeigten den 40 Studienteilnehmern 3D-Computergrafiken von 38 Automodellen 26 verschiedener Hersteller aus den Jahren 2004 bis 2006. In erster Linie ging es um die Frontpartien der Wagen. 32 Prozent der Probanden assoziierten mindestens 90 Prozent aller Autos mit einem menschlichen Gesicht oder dem eines Tiers. Im Allgemeinen wurden die Vorderlichter als Augen interpretiert, Kühlergrill oder Firmenzeichen als Nase und zusätzliche Lufteinlässe als Mund.

In ihrer Beurteilung waren sich die Studienteilnehmer weitgehend einig. 96 Prozent seien zu der gleichen Einschätzung gekommen, erklärte Slice, etwa ob ein Auto aggressiv oder unterwürfig wirke. Autos, denen dominante Züge zugeordnet wurden, waren tiefer gelegt, hatten horizontal verlängerte Motorhauben und eher eckige Frontleuchten, die den Eindruck eines runzelnden Gesichts vermittelten. Autos vom anderen Ende der Skala, die als kindlich, weiblich oder freundlich eingestuft wurden, besaßen Lampen, die relativ eng beieinander standen. Die seitlichen Kanten waren zudem nach oben geschwungen. "Diese Autos bringen uns zum Lächeln", erklärt Slice.

Die Studie vermittle einen Blick in die menschliche Psyche längst vergangener Zeiten, sagt der Forscher. Das menschliche Gehirn sei darauf spezialisiert, allein aus dem Angesicht schnell möglichst viel über eine andere Person zu erfahren, seien es Alter, Geschlecht, Emotionen und Charaktereigenschaften. Nur so hätten Menschen schnell zwischen eigener Sippe und Feind unterscheiden können.

Ein Ergebnis dieser Fähigkeit sei, dass Menschen dazu tendierten, überall Gesichter zu sehen, egal ob in Wolken, Steinen oder eben Autos. "Zu viele Gesichter in Bergen oder auf Toastbrotscheiben zu erkennen, hat keinen oder nur einen geringen Nachteil", erklärt Slice, "aber das Antlitz eines Angreifers zu übersehen oder falsch zu interpretieren, kann fatal sein".

hda



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