Psychologie Glaube an Schutzengel macht vorsichtig

Sie glauben an Schutzengel? Dann haben Sie wohl besonders viel Angst und handeln vorsichtiger als andere. Eine Studie legt nahe, dass gerade die Draufgänger nichts von mythischen Beschützern halten.
Schutzengel: Wer an Schutzengel glaubt, ist vorsichtiger

Schutzengel: Wer an Schutzengel glaubt, ist vorsichtiger

Foto: Corbis

Es wäre ziemlich praktisch, einen Schutzengel zu haben. Man könnte unbekümmert Dinge tun, die Spaß machen, aber gefährlich sind: Von Ahnungslosen gesammelte Pilze essen, durch dichtbefahrene Straßen rasen oder sich bei Gewitter aufs offene Feld stellen. Doch so einfach ist es nicht, wie eine Untersuchung mit Menschen zeigt, die an Schutzengel glauben. Trotz ihres imaginären Beschützers verhalten sie sich im Alltag vorsichtiger als Vergleichspersonen.

David Etkin von der University of York in Toronto, der eigentlich die Auswirkungen von Naturkatastrophen auf die Gesellschaft untersucht, wollte wissen, welchen Einfluss der Glaube an Schutzengel auf das Risikoverhalten hat. Gemeinsam mit Kollegen fragte er knapp 200 Personen, wie sehr sie an Schutzengel glauben. Außerdem wollten die Forscher wissen, wie gefährlich die Befragten Raserei im Straßenverkehr einschätzen.

Das Ergebnis: Im Schnitt glaubten 45 von 100 Befragten grundsätzlich an Schutzengel. Von diesen 45 waren knapp 31 überzeugt, dass ihr Glaube ihr Verhalten im Alltag beeinflusst. Gleichzeitig stuften die Schutzengelgläubigen zu schnelles Fahren als gefährlicher ein als die anderen Befragten.

Im Experiment sollten die Testpersonen auf einer Skala von eins bis fünf bewerten, wie gefährlich sie eine Tempoüberschreitung von 20 km/h finden. Die Gläubigen bewerteten die Raserei im Schnitt mit drei, die Vergleichsgruppe mit zwei.

Ursache und Wirkung

Eine Erklärung für das Ergebnis haben die Wissenschaftler noch nicht. Sie waren vor der Studie davon ausgegangen, dass Menschen, die sich durch einen Engel beschützt fühlen, mutiger sind. In anderen Bereichen gibt es bereits Hinweise, dass Schutzmaßnahmen Menschen risikofreudiger werden lassen. So legten etwa Statistiken nahe, dass Radfahrer mit Helm riskanter fahren.

Allerdings lasse sich bei solchen Zusammenhängen immer schwer sagen, was Ursache und was Wirkung ist, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin "SAGE Open". Im aktuellen Fall bleibt daher offen, ob die Schutzengelgläubigen vorsichtiger sind, weil sie an Schutzengel glauben, oder, ob sie an Schutzengel glauben, weil sie vorsichtiger und grundsätzlich etwas ängstlicher sind.

Logischer erscheint die zweite Interpretation. Für Menschen, die die Welt als gefährlich wahrnehmen, könnte ein Schutzengel eine zusätzliche Absicherung sein. Überfordern wollen sie ihren schützenden Begleiter dann aber auch nicht - das wäre zu riskant.

jme
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