Musik-Psychologie So klingen gute Ideen

Kreativität gilt als wichtige Eigenschaft des Menschen - nicht nur im Beruf. Forscher haben nun Hinweise entdeckt, wie man sie ankurbeln könnte: mit fröhlicher Musik.

Vielleicht sollten wir alle öfter "Happy" von Pharrell Williams bei der Arbeit hören - auch wenn der Song dem ein oder anderen schon etwas abgenutzt erscheinen mag. Möglicherweise wirkt sich auch "Get Lucky" von Daft Punk günstig aus. Denn fröhliche Musik wie diese könnte uns auf originelle Ideen bringen - und die sind ja bei der Lösung von so manchen Aufgaben im Arbeitsleben gefragt.

Wissenschaftler aus Australien und den Niederlanden berichten in einer Studie, dass fröhliche Musik die Entwicklung kreativer Ideen und ungewöhnlicher Lösungsvorschläge erleichtere. Die Forscher setzen auf die praktische Bedeutung ihrer Ergebnisse: Musik lasse sich leicht in den Alltag integrieren - auch wenn sie ihre Tests mit klassischer Musik machten. Das ermögliche eine effiziente Steigerung von kreativem Denken in Bereichen, in denen das gefragt sei, schreiben sie im Fachmagazin "PLOS One".  Fachkollegen beurteilen die Studie als interessant, wenn auch nicht gänzlich überzeugend.

Kernkompetenz der Gegenwart

Kreativität sei die treibende Kraft hinter wissenschaftlichen, technologischen und kulturellen Innovationen und werde als eine der Kernkompetenzen im 21. Jahrhundert betrachtet, erläutern Simone Ritter von der Radbout University in Nimwegen und Sam Ferguson von der University of Technology in Sydney. Wie sich Kreativität beeinflussen lasse, hätten zwar zahlreiche wissenschaftliche Studien untersucht, der Einfluss von Musik sei aber weitgehend unerforscht.

Um das zu ändern, spielten die Wissenschaftler vier Gruppen Auszüge verschiedener klassischer Musikstücke vor - und zwar entweder fröhliche oder traurige Musik, solche die aufkratzend wirkte oder eher beruhigend. Eine fünfte Gruppe hörte keine Musik.

Alle Teilnehmer - insgesamt 155 - mussten dabei verschiedene Aufgaben lösen, die ihre Kreativität testeten. Untersucht wurde zum einen, inwieweit die Probanden originelle, neue Lösungen und Gedanken entwickelten. Sie sollten dazu etwa angeben, welche Verwendungsmöglichkeiten ihnen für einen Backstein einfallen. Diesen Aspekt der Kreativität nennen Fachleute divergentes Denken. Ferner testeten die Forscher, wie gut die Probanden darin waren, die bestmögliche Lösung für ein bestehendes Problem zu finden - dieser Prozess wird als konvergentes Denken bezeichnet.

Es zeigte sich, dass jene Probanden, die fröhliche Musik gehört hatten, deutlich besser darin waren, originelle und ungewöhnliche Ideen zu entwickeln als diejenigen, die keine Musik gehört hatten. Das konvergente Denken wurde durch die Musik hingegen nicht beeinflusst. Welche Auswirkungen das Hören trauriger oder ruhiger Musik hatte, schreiben die Forscher nicht.

Auf welchem Weg fröhliche Musik sich positiv auf die Kreativität auswirke, sei noch unklar. Auch seien zahlreiche weitere Fragen offen, etwa wie sich unterschiedliche Musikrichtungen auswirkten, wie lange der Effekt anhalte oder ob Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen gleich reagierten, schreiben die Forscher.

"Die Ergebnisse wären noch stärker, wenn es einen Unterschied zwischen den unterschiedlichen Musikvarianten gegeben hätte", kommentiert Stefan Koelsch, Professor für Biologische Psychologie und Musikpsychologie an der Universität Bergen (Norwegen). "So bleibt etwas unklar, ob es nun wirklich speziell fröhliche Musik ist oder einfach irgendeine Musik." Dennoch sei die Studie sehr originell und interessant. "Möglicherweise sind die Effekte ja im wirklichen Leben stärker, wenn es Musik ist, bei der Personen selber meinen, dass sie ihnen beim Denken hilft."

Von "netten, aber nicht überzeugenden Befunden" spricht Lutz Jäncke vom Institut für Psychologie der Universität Zürich. Es sei nicht klar, welchen Einfluss die anderen Musikbedingungen haben. Grundsätzlich sei bekannt, dass emotionale Erregtheit, wie sie auch durch Musik hervorgerufen werde, das Gehirn beeinflusse und den Menschen insgesamt aufmerksamer und wacher mache. In diesem Sinne sei durchaus denkbar, dass Musik Kreativität fördere. Aber: "Diese Arbeit müsste dringend repliziert werden, damit die hier vermittelte Aussage überhaupt substanziell ist.

Schon häufiger war Musik und seine Wirkung auf die menschliche Psyche der Gegenstand der Forschung. Erst im vergangenen Jahr hatten Forscher in einer Studie untersucht, warum wir auch traurige Songs mögen.

Von Anja Garms, dpa/joe
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