Psychologie Wie wichtig Blinzeln für die Kommunikation ist

Der Lidschlag gehört zu den Reflexen, die wir Tausende Male am Tag unbewusst vornehmen. Und offenbar hat das Blinzeln sogar Einfluss auf unser Gesprächsverhalten.

Bundeskanzlerin Merkel im Gespräch mit US-Präsident Trump
DPA

Bundeskanzlerin Merkel im Gespräch mit US-Präsident Trump


Ungefähr 10.000 Mal am Tag blinzeln wir. Solche Lidschläge dienen unter anderem dazu, die Augäpfel zu benetzen, damit sie nicht austrocknen. Außerdem wischen wir so auch feine Partikel auf dem Auge weg, die dann über die Tränenflüssigkeit abtransportiert werden. Doch das Blinzeln hat offenbar auch Einfluss auf unser Redeverhalten.

Darauf weisen Ergebnisse vom Max-Planck-Institut für Psycholinguistik in Nijmegen hin. Das Team um Paul Hömke konnte zeigen, dass Probanden kürzere Antworten auf Fragen gaben, wenn die einzelnen Lidschläge ihres Gegenübers länger dauerten. Langsameres Blinzeln signalisiere möglicherweise dem Gesprächspartner, dass man dessen Antwort verstanden habe, schreiben die Forscher im Fachblatt "PLOS One".

Um das herauszufinden, ließen Hömke und sein Team 35 Probanden mit computergenerierten Gesprächspartnern, sogenannten Avataren, reden. Die Avatare stellten dabei Fragen wie: "Wie war dein Wochenende, was hast du gemacht?" Anschließend antworteten die Probanden - ohne zu wissen, um was es bei dem Experiment eigentlich ging.

Während mancher Antworten der Probanden reagierten die Avatare, indem sie immer mal wieder nickten und dabei jeweils kurz (208 Millisekunden) blinzelten. Bei manchen Antworten waren Blinzler, die das Nicken begleiteten, aber auch länger (607 Millisekunden).

Bei der Auswertung der Daten stellte Hömke fest, dass Antworten, bei denen der Avatar lange Wimpernschläge zeigte, im Schnitt mehrere Sekunden kürzer ausfielen. Dass der Avatar während der Antworten unterschiedlich lange geblinzelt hatte, war allerdings keinem der Probanden bewusst aufgefallen.

Die Forscher glauben, dass ein langsamerer Wimpernschlag dem Sprecher eher das Gefühl vermitteln könnte, verstanden worden zu sein. Es sei aber auch nicht auszuschließen, dass Nicken in Kombination mit langen Blinzlern schlicht das Signal aussendet, mit dem Sprechen aufzuhören.

joe/dpa

Mehr zum Thema


insgesamt 8 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
ulfsoltau 14.12.2018
1. Liedschluss bei Lügnern
Interessant für die Wissenschaft könnte vielleicht auch die Untersuchung der Länge des Liedschlusses bei Lügnern sein. Ich erinnere an das legendäre Barschel-Ehrenwort und an die Zurückweisung der Plagiatsvorwürfe durch K.-T. zu Guttenberg. Beide fielen während ihrer Lügen durch übergebührend langen Liedschluss auf.
bmvjr 15.12.2018
2. Abgelenkt
Beim Betrachten des Avatars und seines auffaellig langsamen oder langen Lidschlages wuerde ich vermutlich von der zu beantwortenden Frage abgelenkt und in Folge dessen fiele meine Antwort entsprechend kuerzer aus. In solcher Studie mit Avataren tiefer schuerfen zu wollen und ein vermeintliches Gefuehl des "verstanden worden seins" abzuleiten ist mehr Wunschdenken als zulaessige Interpretation.
alternativlos 15.12.2018
3. ;)
Jede Liebe zur Wahrheit beginnt mit dem Augenblick, der erst durch ein Blinzeln zum Lachen oder Weinen gebracht wird.
noalk 15.12.2018
4. Meine ganz andere Erklärung
Langer Lidschluss signalisiert Müdigkeit des Blinzelnden. Der Redende rechnet damit, dass sein Gegenüber gleich einschläft, wegen seines Geredes, und fasst sich kurz, weil er die Aufnahmefähigkeit des Hörenden als gering einschätzt.
Ronald Dae 15.12.2018
5. Artikelfoto
Witziges Bild von Merkel und Trump. Merkel, von der wir wissen, dass sie intelligent ist und Trump, von dem wir wissen, das er es nicht ist, scheint zu denken: "Mensch, der Typ redet nur Stuss, was soll ich darauf bloß gleich sagen? Oder soll ich ihm besser vor´s Schienenbein treten?".
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.