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Verschwörungstheorien: Aliens, Attentäter, Autismus

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Psychologie Wie Verschwörungstheoretiker ticken

Osama Bin Laden lebt noch. Und ist seit vielen Jahren tot. Wer gern Verschwörungstheorien anhängt, sieht darin keinen Widerspruch. Psychologen wollten herausfinden, wie Menschen ticken, die hinter jedem Geschehen böse Mächte wittern. Jetzt legten sie ihre Studie vor.

Die Regierung belügt uns. Ständig. Große Konzerne beherrschen uns und verschleiern, was tatsächlich in der Welt passiert. Nimmt man diese Vorstellungen als Grundlage, dann erscheinen viele Verschwörungstheorien plausibel.

Genau das könnte der Grund sein, warum manche Menschen nicht nur einer Verschwörungstheorie anhängen, sondern jede weitere freudig begrüßen - und offiziellen Aussagen sofort misstrauen - egal ob es um geheimgehaltene Aliens oder Autismus auslösende Impfstoffe geht.

Eine Studie britischer Psychologen unterstreicht diese Idee: Denn dort zeigte sich, dass Studenten gleichzeitig sich ausschließende Verschwörungstheorien für wahrscheinlich hielten, wie die Forscher im Fachmagazin "Social Psychological & Personality Science"  berichten.

"Zu glauben, dass Osama Bin Laden noch lebt, ist anscheinend kein Hindernis dabei, zu glauben, dass er seit Jahren tot ist", schreiben Michael Wood von der University of Kent und seine Kollegen im Fachmagazin.

Wer Prinzessin Diana angeblich tatsächlich tötete

Die Wissenschaftler hatten zwei Versuche durchgeführt. Im ersten fragten sie 137 Studenten nach ihrer Zustimmung zu verschiedenen Verschwörungstheorien - von der angeblich nie passierten Mondlandung bis zur Idee, dass die US-Regierung hinter dem Terroranschlag auf das World Trade Center stecke. Doch besonderes Augenmerk hatten die Forscher auf eine Reihe von Fragen zum Tod von Prinzessin Diana. Sie war 1997 bei einem Autounfall in Paris gemeinsam mit ihrem Liebhaber Dodi al-Fayed ums Leben gekommen.

Die Studenten bekamen mehrere Aussagen präsentiert, von denen sich einige widersprachen. Etwa die, dass Diana von einer Splitterzelle des britischen Geheimdiensts getötet wurde und die, dass Konkurrenten von Dodi al-Fayeds Vater für den Tod des Paares verantwortlich seien.

Nun ließe sich vermuten, dass die Studenten entweder die eine oder die andere Aussage (oder keine davon) glaubten. Doch tatsächlich war es anders. Wer auf eigene Faust handelnde Geheimagenten als Drahtzieher für wahrscheinlich hielt, glaubte auch eher die These mit den Feinden der Fayeds.

Das deute darauf hin, dass Menschen, die der offiziellen Geschichte über Dianas Tod misstrauen, sich nicht auf eine einzelne Verschwörungstheorie festlegen, sondern gleichzeitig mehrere, sich widersprechende für möglich halten, notieren die Wissenschaftler.

Logisch? Egal!

Ein zweites Experiment, dass die Forscher in den Wochen nach dem Angriff auf Osama Bin Ladens Anwesen in Pakistan durchführten, bestätigte dies. Hier befragten die Forscher 102 Studenten, nachdem diese einen Bericht über Bin Ladens Tod gelesen hatten, aber auch den Hinweis erhalten hatten, dass einige Menschen diese offizielle Version anzweifeln.

Die Studenten wurden daraufhin mit vier Aussagen konfrontiert und sollten angeben, wie stark sie ihnen zustimmten und für wie plausibel sie sie hielten:

  • Osama Bin Laden wurde bei dem Angriff der Amerikaner getötet.
  • Bin Laden lebt noch.
  • Als der Angriff stattfand, war Bin Laden schon tot.
  • Die Handlungen der Obama-Regierung deuten darauf, dass sie eine wichtige oder schädliche Information über den Angriff zurückhält.

Insgesamt hielten viele Studienteilnehmer die offizielle Version für plausibel. Doch es zeigte sich auch: Wer der Meinung war, dass die US-Regierung Informationen zurückhielt, der hielt es auch für wahrscheinlich, dass Bin Laden schon vorher tot gewesen war - oder immer noch am Leben ist.

Aus Sicht der Psychologen zeigt dies, dass Verschwörungstheorien eben auf einer grundlegenden Annahme fußen: in der Regel der, dass Regierungen oder andere mächtige Gruppierungen die Wahrheit verschleiern. Ob sich darauffolgende konkrete Thesen gegenseitig stützen oder widersprechen, scheint egal zu sein - Hauptsache, sie passen zur Grundannahme.

wbr
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