Putin zu Greenpeace "Absolut offensichtlich" keine Piraterie

Rechtsbruch ja, aber keine Piraterie: Russlands Präsident Putin hat Greenpeace gegen den schwerwiegendsten Vorwurf in Schutz genommen. Alle 30 Umweltaktivisten der "Arctic Sunrise" sitzen im Untersuchungsgefängnis.

Greenpeace

Russlands Präsident Putin hat sich erstmals zum Fall der Greenpeace-Aktivisten der "Arctic Sunrise" geäußert. Bei einem Arktisforum in der sibirischen Stadt Salechard sagte er, die Umweltschützer hätten internationales Recht gebrochen beim Versuch, eine Offshore-Ölplattform zu übernehmen. Gleichzeitig sei "absolut offensichtlich", dass es sich nicht um einen Fall von Piraterie handele.

Greenpeace-Chef Kumi Naidoo hatte sich zuvor im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE direkt an den russischen Staatschef gewandt: "Wir fordern Präsident Putin auf, unsere Aktivisten sofort freizulassen." Nach vier Tagen ohne Kontakt zur "Arctic Sunrise" sei er "tief besorgt", so Naidoo.

Der Straftatbestand der Piraterie ist einer der Vorwürfe, welche die russischen Ermittler derzeit prüfen. Bei Verurteilung würde den Betroffenen bis zu 15 Jahre Haft drohen. Aktuell befinden sich die 30 Aktivisten in Untersuchungshaft. Nach Angaben von Greenpeace wurden zunächst fünf von ihnen, zwei Niederländer und drei Russen, in Gegenwart eines Anwalts befragt. Ob die anderen ebenfalls befragt wurden, in diesem Fall ohne juristischen Beistand, ist noch nicht klar.

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"Arctic Sunrise": 30 Aktivisten, ein Vorwurf
Die im Nordpolarmeer festgenommenen Aktivisten hätten die russische Hoheitsgewalt verletzt und die Umweltsicherheit in der Region gefährdet, teilte die Ermittlungsbehörde in Moskau am Dienstag mit. Die Aktivisten hatten gegen geplante Ölbohrungen in der Arktis protestiert. Russische Sicherheitskräfte hatten am Donnerstag die Proteste unterbunden, die "Arctic Sunrise" geentert - und anschließend in die Nähe des Hafens von Murmansk gebracht. Die Umweltorganisation weist die Anschuldigungen strikt zurück und fordert die Freilassung der Aktivisten.

In Berlin demonstrierte Greenpeace vor der Zentrale von Gazprom Germania, der deutschen Tochter des russischen Staatskonzerns Gazprom, für die Freilassung der Aktivisten und gegen Ölbohrungen in der Arktis. Der russische Menschenrechtsbeauftragte Wladimir Lukin plädierte für eine äußerst milde Strafe für die Umweltschützer. Er hoffe, dass die Führung verstehe, dass die Ziele der Aktivisten "erhaben, richtig und edel waren", so Lukin gegenüber Interfax.

"Arctic Sunrise": Greenpeace-Schiff im Hafen nahe Murmansk
Quelle: Greenpeace; Stand: 24.09.2013

chs/dpa/Reuters

insgesamt 19 Beiträge
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Senf-Dazugeberin 25.09.2013
1. Mut oder Wahnsinn?
Ich weiss nicht, ob ich die Aktivisten mutig oder wahnsinnig finden soll. War ihnen nicht klar, dass sie eine x-jährige Haftstrafe riskieren? Auf jeden Fall haben sie meinen tiefen Respekt dafür, dass sie für ihre Überzeugungen so weit gehen und ich drücke alle Daumen, dass sie ohne lange Haftstrafen wieder raus kommen.
sample-d 25.09.2013
2. ||||||
Zitat von sysopGreenpeaceRechtsbruch ja, aber keine Piraterie: Russlands Präsident Putin hat Greenpeace gegen den schwerwiegendsten Vorwurf in Schutz genommen. Alle 30 Umweltaktivisten der "Arctic Sunrise" sitzen im Untersuchungsgefängnis. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/putin-zu-greenpeace-absolut-offensichtlich-keine-piraterie-a-924414.html
interessant, dass Putin offenbar liberaler eingestellt ist als 75% der Foristen hier im letzten Thread zu dem Thema...
LDaniel 25.09.2013
3. 2 Fliegen
Mal gespannt, ob Putin da gleich 2 Fliegen mit einer Klappe schlägt: Erst zeigt er ein großes Herz und dass die Greenpeacler keine Piraten sind. Dann beweist er die Unabhängigkeit der Gerichte, indem sie eben doch wegen Piraterie verurteil werden
felisconcolor 25.09.2013
4. Putin auf Schmusekurs?
Hat ihm Greenpeace ne Runde Whalewatching versprochen? Mir fehlen die Worte.
brille000 25.09.2013
5. Abwarten
Ich gebe mal vor, dass ich höchste Achtung vor den Leuten habe, die sich derartigen Gefahren aussetzen, es ist aber sicher auch zu erwarten, dass sich derart "angegriffene" Regime zur Wehr setzen. Das ist bei den Russen so, das ist bei den Japanern so und auch in diesem Land durchaus üblich. Ich erinnere an den Angriff auf ein Schlauchboot von Globalisierungsgegnern beim letzten Treffen der Bush-Untertanen an der Ostseeküste. Ich denke, man wird sie bald freilassen. Fragt doch mal diesen hannoveranischen Wallach, den Schröder, der hat doch bei Gazprom 'nen guten Posten.
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