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16. November 2001, 11:40 Uhr

Radioaktiv

Winzige Atombombe zerstört Krebszellen

Mit Nano-Nuklearwaffen wollen Forscher künftig Krebs bekämpfen. Wie ein Trojanisches Pferd wird ein radioaktives Element in Krebszellen geschleust - und entfaltet dort eine verheerende Wirkung.

Lassen sich mit winzigen Atombomben zerstören: Krebszellen unter dem Mikroskop
DPA

Lassen sich mit winzigen Atombomben zerstören: Krebszellen unter dem Mikroskop

Eine Bombe in Molekülgröße soll künftig bösartigen Wucherungen den Garaus machen. Ist die Miniaturwaffe erst in eine Krebszelle geschleust, wird diese von innen mit radioaktiver Strahlung zerstört, berichtet ein US-Team in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins "Science".

Der so genannte Nanogenerator der Forscher um David Scheinberg vom Memorial Sloan-Kettering Cancer Center in New York besteht aus einem Atom des radioaktiven Elements Actinium, das in einem molekularen Käfig gefangen und an einen Antikörper gekoppelt ist.

Der Antikörper sorgt dafür, dass die molekulare Konstruktion nur bestimmte Krebszellen angreift und in sie eindringt. Ins Innere der Zelle gelangt, sendet das radioaktive Element beim Zerfall Alpha-Teilchen aus. Die energiereichen, aber kurzlebigen Geschosse zerstören Erbsubstanz und Proteine der Krebszellen, so dass sie schließlich absterben.

Scheinberg und seine Kollegen testeten die Methode bereits mit Erfolg an verschiedenen menschlichen Tumorzellen aus Laborkulturen. Mit unterschiedlichen Antikörpern ließen sich zum Beispiel Leukämie-, Brustkrebs-, Prostatakrebs- und Eierstockkrebs-Zellen gezielt attackieren. Eine sehr geringe Actinium-Menge reichte den Forschern zufolge aus, um die Zellen zu vernichten.

Wie Wissenschaftler berichten, konnten sie mit dem Verfahren auch Mäuse mit Prostata- und Lymphknotenkrebs behandeln. Eine einzelne Dosis ließ die Tumoren schrumpften, das Leben der Tiere wurde auf diese Weise zum Teil um mehrere Monate verlängert. Bereits im nächsten Jahr könnten erste Tests an Menschen vorgenommen werden, hofft Scheinberg.

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