Rätselhaftes Lächeln Mutterglück soll Lisas Gesicht formen
Das Geheimnis des berühmten Mona-Lisa-Lächelns beschäftigt Wissenschaftler schon lange: Was bringt Tausende Menschen dazu, fasziniert vor dem Gemälde Leonardo da Vincis im Pariser Louvre zu verweilen? Was macht diese Frau so besonders?
Der französische Historiker Jules Michelet erblickte vor mehr als hundert Jahren im Gesicht der Schönheit so etwas wie hypnotisierende Bosheit. Vergangenes Jahr hatten niederländische Forscher mit Hilfe einer speziellen Software analysiert: Die Dame guckt zu 83 Prozent glücklich, zu neun Prozent angewidert, zu sechs Prozent ängstlich und zu zwei Prozent zornig . Kunstexperten glauben, dass die spezielle Maltechnik da Vincis, genannt Sfumato, zu widersprüchlichen Interpretationen des Lächelns führt. Der Meister verwandte häufig durchsichtige Farben, mit denen er bestimmte Stellen mehrfach übermalte. Dadurch verschwimmen diese, was der Figur eine geheimnisvolle Aura verleiht. Vermutungen und Theorien gibt es viele zu Leonardo berühmten Gemälde.
Vor einigen Jahren stellte Sherwin Nuland von der Yale University schließlich die These auf, Mona Lisa lächle so besonders, weil sie schwanger sei. Geschwollene Finger und die Art, wie sie die Hände über dem Bauch falte, seien typisch für Schwangere.
Eine aufwendige Analyse des Gemäldes aus dem 16. Jahrhundert hat nun neue Indizien für eine Mutterschaft Mona Lisas geliefert. Kunstwissenschaftler glauben, dass die junge Frau deshalb so mysteriös und zweideutig lächelt, weil sie kurz vor dem Posieren ihr zweites Kind auf die Welt gebracht haben soll.
"Wir können nun sagen, dass das Gemälde von Leonardo da Vinci zum Anlass der Geburt des zweiten Sohnes von Mona Lisa gefertigt wurde", sagte Kunsthistoriker Bruno Mottin vom französischen Zentrum für Forschung und Restauration am gestrigen Dienstag auf einer Pressekonferenz im kanadischen Ottawa. Dank der neuen Erkenntnis könne das Kunstwerk nun auch besser datiert werden und zwar auf etwa 1503.
Die Entdeckung wurde von einer Gruppe kanadischer Wissenschaftler gemacht, die mit Hilfe spezieller Infrarot- und 3D-Technologien die Farbschichten des Meisterwerks durchleuchtet hatten. Dabei fiel den Forschern plötzlich auf, dass das Kleid der Mona Lisa von einem dünnen, transparenten Schleier umhüllt ist, was mit bloßem Augen nicht zu erkennen ist.
"Diese Art von Schleiergewand war typisch für die Art, wie sie jene Frauen im frühen 16. Jahrhundert in Italien getragen haben, die schwanger waren oder gerade erst ein Kind zur Welt gebracht hatten", erklärte Mottin.
Hinter dem Abbild der geheimnisvoll lächelnden Mona Lisa verbirgt sich die Italienerin Lisa Gherardini, die Ehefrau des Florentiner Händlers Francesco de Giocondo. Sie hatte insgesamt fünf Kinder. Das Bild gehört heute zu den bekanntesten Kunstwerken der Menschheit und hängt im Pariser Louvre.
Über die aufwendige Untersuchung des Meisterwerks ist auch ein Bildband ("Im Herzen der Mona Lisa") erschienen. Sorgen um das Gemälde muss sich die Welt keine machen. "Wir haben keinerlei Hinweise dafür gefunden, dass sich die Farbe ablöst", sagte John Taylor, der an der Analyse beteiligt war. Dies sei für ein 500 Jahre altes Werk eine sehr gute Nachricht. Wenn man das Gemälde gut aufbewahre, dann werde es noch für lange Zeit so bleiben, wie es sei.
hda/Reuters