Anthropologie Liebe Leserin, lieber Leser,


es ist schlimm, dass es wieder gesagt werden muss, aber unumgänglich, wenn AfD-Obere wie Andreas Kalbitz mit Begriffen wie "Ethnodeutsche" den Rassismus im Land befeuern: Es gibt keine menschlichen Rassen. Oder, um es mit Forschern der Friedrich-Schiller-Universität Jena und der Universität Rostock zu sagen: "Das Konzept der Rasse ist das Ergebnis von Rassismus und nicht dessen Voraussetzung."

Der Satz stammt aus der "Jenaer Erklärung", die Experten jetzt anlässlich des 100. Todestags von Ernst Haeckel veröffentlicht haben. Biologe Haeckel begründete einst in Jena die Stammesgeschichtsforschung, trug jedoch durch seine Klassifizierung von Menschen in einen "Stammbaum" von "Rassen" in fataler Weise zu einem angeblich wissenschaftlich begründeten Rassismus bei.

Die Autoren der "Jenaer Erklärung", Zoologen und Evolutionsforscher, widersprechen dem Gelehrten nun vehement. "Die Verknüpfung von Merkmalen wie der Hautfarbe mit Eigenschaften oder angeblich genetisch fixierten Persönlichkeitsmerkmalen und Verhaltensweisen ist eindeutig widerlegt", schreiben sie. Diese Argumentation heute noch zu verwenden, sei "falsch und niederträchtig".

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Tatsächlich ist jeder von uns mit jedem Afrikaner genetisch mindestens genauso eng verwandt wie mit Frau Müller von nebenan. "Es gibt im menschlichen Genom unter den 3,2 Milliarden Basenpaaren keinen einzigen fixierten Unterschied, der zum Beispiel Afrikaner von Nichtafrikanern trennt", schreiben die Autoren.

Nicht einmal der winzigste Schnipsel im menschlichen Erbgut lasse sich ausmachen, der "rassische" Unterschiede begründen könnte. Die größten genetischen Unterschiede seien beim Menschen "innerhalb einer Population zu finden" und nicht "zwischen den Populationen": "Aus stammesgeschichtlicher Sicht sind alle Menschen Afrikaner." Das Konzept von Rassen sei "rein willkürlich" und ein "Konstrukt des menschlichen Geistes".

Zwar würden Begriffe wie "Rasse" heutzutage vermieden, so heißt es weiter, die Ressentiments aber fürderhin gepflegt mit Vokabeln wie "Selektion", "Reinhaltung" oder "Ethnopluralismus". Bei solchen Begriffen handle es sich "um nichts weiter als um eine Neuformulierung der Ideen der Apartheid".

Die Forscher müssen AfD-Mann Kalbitz und seine rechtsradikalen Mitstreiter nicht explizit erwähnen - ihr Papier lässt sich auch so schon verstehen als Anklageschrift gegen die xenophoben Hassredner. Gut, wenn sich auch Naturwissenschaftler mal, selten genug, politisch zu Wort melden.

Herzlich

Ihr Philip Bethge

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insgesamt 61 Beiträge
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Europa! 14.09.2019
1. Wissenschaft ist immer nur eine Funktion von Erkenntnisinteresse
Alles Leben ist aus Einzellern entstanden, aber seither hat es etwas gegeben, das wir Evolution nennen. Die hat zu beträchtlicher Vielfalt geführt. Warum soll das bei Menschen anders sein als bei Darwins Galapagos-Finken? Weil die aktuelle Gleichheits-Ideologie das so will?
Babsi 14.09.2019
2. Ethnie ist nicht Rasse
Was hat der Begriff "Ethnodeutsche" mit Rassismus zu tun? "Grundlage von Ethnizität können gemeinsame Eigenbezeichnung, Sprache, Abstammung, Wirtschaftsordnung, Geschichte, Kultur, Religion oder Verbindung zu einem bestimmten Gebiet sein." (Definition von Ethnie" auf Wikipedia). Mit Rasse oder Genetik hat das überhaupt nichts zu tun. Und verwerflich ist an diesem Begriff gar nichts.
kochra8 14.09.2019
3. Übermensch?
Dass Teile der Weissen meinen, sie gehörten zu einer auserlesenen Spezie daselbst, ist eine Degeneration sondergleichen! Begänne man endlich auch damit, Christus als orientalen Menschen zu zeichnen. Er hat mehr mit den Flüchtlingen gemein; eine andere Anmassung von Weissen bliebe zum kotzen!
A. Deola 14.09.2019
4. RE: Europa!
Da hat jemand den Artikel wohl nicht aufmerksam gelesen. Oder aber ihn nicht verstanden. Die Antwort auf die Frage, warum dass beim Menschen anders sein soll, wird nämlich im Text beantwortet. Zitat: "Es gibt im menschlichen Genom unter den 3,2 Milliarden Basenpaaren keinen einzigen fixierten Unterschied, der zum Beispiel Afrikaner von Nichtafrikanern trennt." Das haben sich die Forscher nicht ausgedacht und entspringt auch keiner Ideologie, sondern ist seit Jahrzehnten Konses in der seriösen Forschung. Und eben das ist der Unterschied zum Galapagos-Finken oder einer x-beliebigen anderen Tierart. Dort lassen sich fixierte Unterschied im Genom feststellen und sich somit Rassen nicht nur nach Aussehen, sondern eben auch in einem strengeren genetischen Sinne sinnvoll definieren.
RealSim 14.09.2019
5. Vielfalt ist kein Widerspruch
Zitat von Europa!Alles Leben ist aus Einzellern entstanden, aber seither hat es etwas gegeben, das wir Evolution nennen. Die hat zu beträchtlicher Vielfalt geführt. Warum soll das bei Menschen anders sein als bei Darwins Galapagos-Finken? Weil die aktuelle Gleichheits-Ideologie das so will?
Da haben Sie den Artikel wohl nicht verstanden. Nirgends steht, dass es keine Vielfalt gäbe. Das Konzept der Rasse ist nur einfach nicht sinnvoll anwendbar. Menschen bestehen nunmal aus einer Ansammlung von Genen und die sind nicht auf irgend eine bestimmte Gruppe festgeschraubt sondern wandern munter durch die menschliche Population. Sie können schwarze Hautfarbe und blaue Augen haben das schließt sich nirgends aus. Sicher gibt es lokal hier und da Häufungen welche genetischen Eigenschaften bestimmte Populationsgruppen besitzen aber man kann schwer harte Rassengrenzen ziehen. Aber es gilt natürlich auch: Wer Unterschiede sucht, der wird sie auch immer finden.
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