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28. April 2000, 11:01 Uhr

Raumfahrt

Frachtschiff Progress beliefert "Mir"

Das Versorgungsraumschiff Progress hat an die bemannte Weltraumstation Mir angedockt. Die zwei Kosmonauten an Bord der 14 Jahre alten Mir haben bereits begonnen, die Lieferfähre zu entladen.

Raumstation Mir
DPA

Raumstation Mir

Moskau - Die am Mittwoch von Baikonur in Kasachstan gestartete Progress M1-2 habe Sauerstoff, Lebensmittel, Treibstoff und wissenschaftliche Geräte an Bord. Sie sei ferngesteuert an die Mir heranmanövriert worden, meldete die Bodenkontrolle. Die Kosmonauten an Bord der Mir, Sergej Saletin und Alexander Kaleri sind erst seit diesem Monat in der Raumstation. Sie war vorher 223 Tage unbemannt.

Die Hauptaufgabe der Kosmonauten besteht darin, ein Leck in der Mir zu schließen, aus dem Sauerstoff entweicht. Die Raumfahrer, die zunächst 45 Tage an Bord der Mir bleiben sollten, würden zehn Tage länger im All bleiben, teilte Präsident Jurij Semjonow, der Präsident und Chefentwickler der Herstellerfirma RKK Energija, im russischen Fernsehen mit. Damit solle es ermöglicht werden, eine weitere Besatzung hochzuschicken. Die Mir werde wohl bis Ende des Jahres bemannt sein.

Wegen Geldmangels war ursprünglich geplant, die altersschwache Raumstation in diesem Frühjahr in den Pazifik stürzen zu lassen. US-Investoren ermöglichten aber den verlängerten Betrieb. Sie gründeten die MirCorp und stellten Gelder zur Verfügung. Die US-Investoren hoffen sogar, aus der Station ein "Weltraum-Hotel" machen zu können.

Die Mir war wegen zahlreicher Pannen und Unfälle in den vergangenen Jahren in die Schlagzeilen geraten. Die russischen Bemühungen, die Betriebsdauer der Raumstation zu verlängern, stoßen in den USA auf Kritik. Die US-Regierung befürchtet, dass Russland dadurch mit seinem Beitrag für die Internationale Raumstation (ISS) weiter in Verzug geraten könnte. Russland hat diese Sorge als unbegründet zurückgewiesen.

Schon jetzt liegt Russland aber mit dem Bau eines Wohnmoduls für die ISS zwei Jahre hinter dem ursprünglichen Zeitplan zurück. An der Entwicklung der ISS sind neben Russland und den USA auch Staaten der Europäischen Union und Japan beteiligt.

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