Regenmacher Künstliche Hitzeinseln schaffen Schauer

Im Sommer haben Regenmacher Saison. Eine neue Idee kommt aus Spanien: Um Wolken zu erzeugen, sollen ganze Landstriche unter Spezialfolie verschwinden. Die Technologie soll bald in der Wüste Israels getestet werden.

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Dürre in Spanien: Hoffnung auf Regenmacher
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Dürre in Spanien: Hoffnung auf Regenmacher

Der Forscher präsentierte seine Vison vom künstlichen Regen an einem passenden Ort: Vor der Tür der Universität von Alicante dürsteten die Olivenbäume wie seit 60 Jahren nicht. Es müsse möglich sein, "Hitzeinseln" zu errichten, die zur Bildung regenschwerer Wolken führen, schlug der Brüsseler Physiker Léon Brenig kürzlich auf einer Tagung an der Costa Blanca vor. Die spanische Mittelmeerküste, derzeit von der schwersten Dürre seit Jahrzehnten heimgesucht, eigne sich besonders gut für die Methode.

Brenigs spektakuläre Idee: Er will Trockenheit mit Hitze bekämpfen. Zusammen mit dem Spanier Jesús Vigo Aguiar von der Universität Salamanca plant der Forscher, ganze Landstriche mit schwarzer Hightech-Folie zu bedecken. Die sorgt dann angeblich dafür, dass der Himmel seine Schleusen öffnet.

"Wir stellen uns bis zu zwei Quadratkilometer große Anlagen in Küstennähe vor, über denen sich die Luft um 30 bis 40 Grad Celsius aufheizt und mit verdunstendem Meerwasser sättigt", erläutert Vigo das simple Prinzip. Steige diese Luft auf und kühle sich in der Höhe ab, bildeten sich Quellwolken: "Dann regnet es."

Schon kooperieren die Wissenschaftler mit der israelischen Hightech-Firma Acktar, die Spezialfolien für Solaranlagen und für die Raumfahrt produziert. Acktar-Chef Zvi Finkelstein hält die Idee für bestechend: "Eine solche Anlage erzeugt Wolken, die den Regen genau dorthin tragen, wo er dringend gebraucht wird."

Regenmacher überflutete Teile San Diegos

Brenig und seine Mitstreiter träumen den alten Traum des Schauers auf Bestellung. Zu allen Zeiten versuchten die Menschen, den Himmel zu beschwören. Als erster Regenmacher der jüngeren Geschichte gilt der Amerikaner Charles Hatfield, der Anfang des 20. Jahrhunderts in Kalifornien Rauch gen Himmel schickte, um die Wolken zu öffnen. Sein Geschäftsmodell scheiterte, als er im Auftrag San Diegos dem Himmel Dampf machte und kurz darauf sintflutartiger Regen Teile der Stadt zerstörte.

Inzwischen hat sich die seriöse Wissenschaft des Problems angenommen. Piloten bringen Trockeneis, Silberjodid oder andere Salze in Wolken über rund 30 Länder der Erde, um den Regen herbei zu rufen. In vielen Provinzen Chinas etwa gibt es eigens eingerichtete "Wettermodifikations"-Büros.

Regenmaschine: Wolke über schwarzer Folie
DER SPIEGEL

Regenmaschine: Wolke über schwarzer Folie

Der thailändische König und Hobby-Meteorologe Bhumibol Adulyadej hält gar ein eigenes Patent für die Erzeugung von Niederschlag per Chemikalienkeule. Und die Russen brüsteten sich vor einiger Zeit damit, Moskaus Smog mit künstlich ausgelöstem Regen aus der Luft gewaschen zu haben. Ein Spezialgerät auf dem Dach des Ministeriums für Katastrophenfälle soll die Schauer ausgelöst haben.

Die Techniken haben eines gemeinsam: Ob sie tatsächlich funktionieren, ist höchst umstritten. Und so eilt den Regenmachern seit jeher der Ruf von Scharlatanen voraus. Auch Brenig und seine Kollegen müssen erst noch beweisen, dass ihre Regenmaschine tatsächlich funktioniert. Rückendeckung gibt ihnen eine Studie der US-Raumfahrtbehörde Nasa. Die US-Forscher wiesen nach, dass der Wärmestau über großen Städten wie Atlanta oder Dallas tatsächlich vermehrten Niederschlag zur Folge haben kann. Im Windschatten der Zentren fiel fast 30 Prozent mehr Regen als sonst in der Gegend.

Folien sorgen für Metropolen-Effekt

Genau dieses Phänomen wollen sich nun Brenig und seine Kollegen zu Nutze machen. "Unser System ahmt den Effekt der Städte nach", erläutert der Forscher. Eine nur zwei Quadratkilometer große, mit schwarzer Spezialfolie bedeckte Fläche könne die gleiche Wirkung haben wie eine ganze Metropole.

Lassen sich Dürren wie jene an der Costa Blanca künftig also mit Folie bekämpfen? Experten wie der Meteorologe Joachim Schug von der Wetterfirma Meteomedia bleiben skeptisch. Zumindest am Mittelmeer werde die Methode nicht funktionieren, weil die Luft dort im Sommer viel zu trocken sei, sagt Schug. Kleine Quellwolken würden in der sehr trockenen Umgebungsluft meist gleich wieder "verpuffen": "Selbst vorhandene Heizflächen wie die Städte Málaga oder Athen vermögen dort keine Schauer auszulösen." Der Forscher kritisiert zudem die Verbauung der Landschaft und mögliche ökologische Folgen. "Starke Aufwinde" und "Staubteufel" befürchtet Schug bei der zu erwartenden Hitzeentwicklung. Sie könnten den ohnehin raren mediterranen Ackerboden fortwehen.

Die Fans der künstlichen Hitzeinseln lässt die Kritik kalt. Die poröse Folie könne Wärmestrahlung speichern und kontrolliert wieder abgeben, preist Acktar-Chef Finkelstein das vorgesehene Hightech-Material. Eine leichte Brise vom Meer werde die notwendige Feuchtigkeit für die Wolkenbildung herantragen. Gleichzeitig funktioniere die Anlage wie eine Art Riesentreibhaus: "Pflanzen können unter der Folie ausgesprochen gut gedeihen." Schon im kommenden Jahr will der Acktar-Chef eine erste Pilotanlage im israelischen Negev errichten lassen. 100 mal 100 Meter soll der Prototyp messen.



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