Landwirtschaft Die ersten chinesischen Reisbauern

Schuppen an alten Reispflanzen brachten Forscher auf die Spur: In China haben sie die Überreste einer frühen Reisplantage entdeckt - sie ist 9400 Jahre alt.

Chinesischer Reisarbeiter
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Chinesischer Reisarbeiter


Reis ist schon vor mindestens 9400 Jahren in China gezüchtet worden. Chinesische Wissenschaftler entdeckten am Unterlauf des Flusses Jangtsekiang in der Nähe von Schanghai Überreste von Reis (Oryza sativa), die sie mit Hilfe von radioaktivem Kohlenstoff auf dieses Alter datierten.

Die konservierten Reiszellen wiesen bereits Merkmale von Zucht auf, wie das Team um Houyuan Lu von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in Peking in der Wissenschaftszeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences" ("PNAS") berichtet.

"Wann die Domestizierung von Reis in seinem Herkunftsland China begann, ist ein andauerndes und wichtiges Diskussionsthema für Forscher aus vielen verschiedenen Disziplinen", schreiben die Autoren. Zwar seien schon Spuren von Reis mit einem Alter von bis zu 12.000 Jahren gefunden worden, aber an diesen Ausgrabungsstätten fehlten Werkzeuge wie Mahlsteine, die auf eine regelmäßige Verarbeitung von Reiskörnern hinweisen.

Stattdessen deuteten die Werkzeuge eher auf den Gebrauch durch Jäger und Sammler hin, betonen die Forscher. Demnach könnten die Reste von aufgelesenem wildem Reis stammen.

Lu und Kollegen konzentrierten sich deshalb auf die Untersuchung von Phytolithen: Das sind Bestandteile einiger Pflanzengewebe, die aus Siliziumdioxid (Quarzsand) aufgebaut sind. Die mikroskopisch kleinen Phytolithe bleiben meist bestehen, wenn der Rest der Pflanze verrottet. Dabei verwendeten die Wissenschaftler nur Phytolithe von Gelenkzellen - sie kommen in der äußeren Zellschicht von Gräsern vor und ermöglichen das Einrollen oder Einfalten des Blattes.

Ausgrabungsstätte in China (mit Phytolithen - B, vergrößerte Ansicht)
DPA

Ausgrabungsstätte in China (mit Phytolithen - B, vergrößerte Ansicht)

Die Gelenkzellen von Wildreis und Zuchtreis unterscheiden sich in der Fischschuppen-artigen Bedeckung an der Seite: Domestizierter Reis besitzt mehr als neun "Fischschuppen", während es bei Wildreis weniger sind. Die an drei Ausgrabungsstätten am unteren Jangtsekiang nordwestlich von Schanghai gefundenen Phytolithe von Gelenkzellen wiesen den Untersuchungen zufolge mehr als neun "Fischschuppen" auf.

Durch Kohlenstoff, der in die Phytolithe eingeschlossen war, bestimmten die Forscher die Reiszellen am Grabungsort Shangshan auf ein Alter von 9400 Jahren. Eine Art Kohlenstoff, das sogenannte C14, zerfällt in berechenbarer Weise in Kohlenstoff-12. Der Vergleich der Häufigkeit beider Substanzen ergibt das Alter einer Substanz.

Das ermittelte Alter passe zum ermittelten Alter von Kohlestückchen, die in derselben Ausgrabungsschicht gefunden worden seien, schreiben die Forscher.

Für das Team um Lu fügt sich dieser Befund gut in die Entdeckungen an anderen Orten auf der Welt ein: Demnach begann die Domestizierung von Getreide im Nahen Osten vor mehr als 10.000 Jahren, der Anbau von Mais in Mexiko etwas später.

Es sei kein Zufall, dass dies alles nach dem Ende des letzten Eiszeitalters begonnen habe, betonen die Forscher: "Die klimatische Besserung während dieses Übergangszeitraums bietet sich somit als entscheidender Faktor für den Prozess der Reisdomestizierung an."

Von Stefan Parsch, dpa/boj



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