Reproduktionsmedizin Luftgetrocknete Spermien bleiben fruchtbar

Es geht auch ohne Kryokonservierung in flüssigem Stickstoff: Spermien für die Laborbefruchtung lassen sich, so arabische Forscher, auch per Lufttrocknung haltbar machen - angeblich ohne negative Folgen.


Menschliche Spermien: Aufbewahrung im Kühlschrank?
AFP

Menschliche Spermien: Aufbewahrung im Kühlschrank?

Männer, die Spermien für spätere Reagenzglasbefruchtungen aufbewahren wollen, müssen diese bislang bei minus 196 Grad Celsius in flüssigem Stickstoff einfrieren lassen. Künftig könnten die Samengeber ihre Proben jedoch mit nach Hause nehmen - und dort in einem normalen Kühlschrank oder gar bei Zimmertemperatur archivieren.

Diese unkomplizierte und kostengünstige Aufbewahrung schwebt Reproduktionsmedizinern aus Saudi Arabien vor, die ein alternatives Konservierungsverfahren erprobt haben: die Lufttrocknung von Spermien. Bislang, erklärt Teamleiter Daniel Imoedemhe aus Jeddah, galt die Austrocknung als Todesurteil für die Samenzelle. "Unsere Studie bestätigt jedoch, dass die Spermien-DNS gegen Schäden durch Lufttrocknung resistent ist."

Imoedemhe und seine Kollegen hatten Samenproben zwei bis drei Stunden lang in einem Strom aus gefilterter Luft getrocknet. Die konservierten Spermien können, so die Wissenschaftler, durch Zugabe einer Kulturflüssigkeit reaktiviert werden. Danach lassen sich die Samenzellen im so genannten ICSI-Verfahren verwenden, bei dem ein einzelnes Spermien mit einer winzigen Pipette in eine Eizelle eingeführt wird.

Für ihre nun auf dem Jahrestreffen der European Society for Human Reproduction and Embryology in Madrid präsentierte Studie verglichen die Forscher 24 derart behandelte Eizellen mit 108 anderen, in die per ICSI frische Spermien injiziert worden waren. Von den mit Trockensamen befruchteten Eizellen erreichten 92 Prozent das Vorkernstadium, in dem sich männliches und weibliches Erbgut noch nicht vereinigt haben. 86 Prozent entwickelten sich ins frühe Embryostadium weiter.

Wenngleich das Konservierungsverfahren offenbar keine negative Folgen für die eigentliche Befruchtung zeigte, hatten nach 72 Stunden deutlich mehr der herkömmlich gezeugten Embryos das Achtzellstadium erreicht oder überschritten. Allerdings führt Imoedemhe diesen Effekt auf den Versuchsaufbau zurück - die Forscher mussten für die Versuche mit luftgetrockneten Spermien Eizellen in einem früheren Reifestadium verwenden.

Trotz der erschwerten Bedingungen, so argumentiert Imoedemhe, entwickelten sich zwei Embryonen bis ins fortgeschrittene Blastozystenstadium weiter. Wenn weitere Versuche die Resultate bestätigen, könnte sich die Lufttrocknung als günstige Alternative zur Kryokonservierung erweisen, hoffen die Wissenschaftler. Das würde nicht nur Kosten senken, so das Team, sondern auch Befürchtungen von Patienten ausräumen, ihre Spermien könnten bei der Lagerung im Labor zu Schaden kommen oder gar verwechselt werden.



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