Riechforschung Gestank fördert Safer Sex

Fäkaliengeruch mahnt Menschen zur Vorsicht beim Sex. Gestank erinnere daran, Krankheitskeime zu vermeiden, erklären Wissenschaftler ihren neuen Befund - den sie auf ein ungewöhnliches Experiment zurückführen.
Aufforderung zur Vorsicht: Eine Aids-Aktivistin plädiert für Kondome

Aufforderung zur Vorsicht: Eine Aids-Aktivistin plädiert für Kondome

Foto: epa efe Mario Guzman/ picture-alliance/ dpa

Ithaca - Wer einen üblen Geruch in die Nase bekommt, neigt eher zu Vorsicht beim Sex. Auf diesen Zusammenhang stieß ein Forscherteam, als es eine Gruppe von Freiwilligen einem fauligen Geruch aussetzte, der an Fäkalien oder mit Keimen verseuchtes Wasser erinnerte. Wurden die Teilnehmer dann nach ihren sexuellen Gewohnheiten gefragt, gaben sie sehr viel häufiger an, in Zukunft nur noch Geschlechtsverkehr mit Kondom praktizieren zu wollen, als ohne den Einfluss des Gestanks.

Das zeige, dass Menschen einen natürlichen Drang dazu hätten, krankheitserregende Bakterien zu vermeiden, sagen die Forscher. Ein entsprechender Geruch aktiviere offenbar ein Alarmsystem, das dann für vorbeugende Maßnahmen sorgt, schreiben die Wissenschaftler um Joshua Tybur von der University of New Mexiko im Fachjournal "Psychological Science" .

Psychologie

Für ihre Studie rekrutierten die Wissenschaftler insgesamt 99 -Studenten, 66 von ihnen waren Frauen. 74 Prozent aller Probanden gaben an, im letzten Jahr mit mindestens einem Partner Geschlechtsverkehr gehabt zu haben. Zu Beginn der Studie warnten die Forscher die Teilnehmer, dass es möglicherweise vorübergehend unangenehm riechen könnte, da im Gebäude Klempner mit Reparaturarbeiten beschäftigt seien.

Wände besprüht

Die Wissenschaftler forderten dann die Studenten dazu auf, den Raum zu verlassen, um etwas Wasser zu trinken, damit sie später eine Speichelprobe abgeben könnten. Dann füllten die Probanden einen Fragebogen aus: Sie sollten unter anderem darlegen, wie oft sie Kondome beim Sex benutzen und für wie sicher sie die Präservative halten. Anschließend gaben sie eine Speichelprobe ab und wurden erneut dazu aufgefordert, den Raum zu verlassen.

Für den nächsten Teil teilten die Forscher die Studenten in zwei Gruppen ein: Während sie die eine Gruppe in einen Raum schickten, dessen Wände zuvor mit einem Spray besprüht worden war, das nach Fäkalien roch, diente die zweite als Kontrollgruppe - sie wurde keinem speziellen Geruch ausgesetzt. Dann befragten die Forscher alle Teilnehmer zu ihren Absichten, in Zukunft Kondome zu kaufen, die Präservative zu benutzen und mit ihrem Partner über den Gebrauch dieses Verhütungsmittels zu sprechen. Ergebnis des Tests: Diejenigen, die dem üblen Geruch ausgesetzt waren, wollten künftig häufiger Kondome beim Sex verwenden als die Probanden der Kontrollgruppe.

Offenbar löste allein der übelriechende Gestank über den Geruchssinn bei den Probanden den Wunsch aus, Safer Sex zu praktizieren. Das Ergebnis dieser Studie bestätigte damit die Vermutung der Forscher, dass die Motivation, krankheitsverursachende Keime zu vermeiden, das Verhalten prägt. Schon frühere Studien hätten gezeigt, dass Anzeichen für potentielle Krankheitserreger in der Umwelt beim Menschen ein Verhalten auslösten, das darauf abziele, den Bakterien aus dem Weg zu gehen, schreiben die Forscher.

boj/dapd
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