Fotostrecke

Riesending-Schachthöhle: Hoffnung für Eingeschlossenen

Foto: Wolfgang Zillig/ picture alliance / dpa

Riesending-Einsatz Rettung aus Deutschlands tiefster Höhle

Die Riesending-Schachthöhle in den Berchtesgadener Alpen gilt als die tiefste und längste Höhle, die jemals in Deutschland entdeckt wurde. Die Bergung des verletzten Höhlenforschers Johann Westhauser aus ihrer Tiefe ist eine hochkomplexe Aktion.

Seit Sonntag liegt der 52-jähriger Physiker Johann Westhauser verletzt in der Riesending-Schachthöhle in den Berchtesgadener Alpen. Er wurde von einem herabfallenden Stein getroffen und war kurzzeitig bewusstlos. Die Kopfverletzung ist so schwer, dass er den Aufstieg aus eigener Kraft nicht schaffen kann.

Lesen Sie hier die wichtigsten Fragen zur Höhle und zur Bergung:

In welcher Tiefe liegt der Höhlenforscher?

Physiker Johann Westhauser liegt in etwa tausend Metern Tiefe. Erschwerend für die Bergung ist jedoch nicht die Tiefe, sondern es sind die unwegsamen Stellen, die bei der Bergung überwunden werden müssen. Sie verlangsamen das Vorwärtskommen. Allein um zu dem Verletzten vorzudringen, benötigen die Retter mehr als zwölf Stunden.

Welche Hindernisse stehen bei der Bergung im Weg?

Bereits im Einstiegsbereich stürzt das Gelände über frei hängende und steinschlaggefährdete Abseilpassagen rund 350 Meter senkrecht in die Tiefe. Die Stollen setzen sich dann kilometerweit durch Schächte, unterirdische Bäche, Engstellen und Siphons fort. Einige der Stellen sind so eng, dass man sich nur hindurchzwängen kann, wenn man mit entsprechender Atemtechnik arbeitet, durch andere gelangt man nur tauchend. An der engsten Stelle beträgt der Durchmesser nicht einmal 30 Zentimeter - einen Menschen mit Trage bekommt man da nicht ohne Weiteres durch.

Wie konnte es zu dem Unfall kommen?

Die Riesending-Höhle ist eine Karsthöhle, deren Wände aus stark zerfurchtem Karbonatgestein bestehen. Bei Erschütterungen oder Wassereinbrüchen können sich leicht weitere Teile der Wände oder Decken lösen. Steht ein Mensch dann an einer engen Stelle ohne Ausweichmöglichkeit, hat er keine Chance, dem Steinschlag zu entgehen. Westhauser hat keinen Fehler begangen. Er gilt als einer der erfahrensten Höhlenforscher der Region. Außerdem kannte er die Höhle sehr gut: Er gehörte zu dem Team, das 1995 die Höhle entdeckt hatte.

Wie sieht die medizinische Versorgung aus?

Der erste Arzt, der den Einstieg zu Johann Westhauser versuchte, musste aus unbekannten Gründen wieder umkehren. Derzeit ist ein sechsköpfiges Rettungsteam aus der Schweiz, Österreich und Deutschland am Unfallort bei dem Patienten. Der Forscher ist bei Bewusstsein und kann mithilfe der Retter auch gehen. Ein weiteres Team bereitet sich auf den Einstieg in die Riesending-Schachthöhle vor. Darunter ist auch ein höhlenerfahrener Arzt aus Österreich.

Welche Möglichkeiten der Bergung gibt es?

Sobald der Zustand des Patienten stabil ist, könnten die Retter versuchen, ihn zum nächstgelegenen Biwak zu bringen. Dort ist mehr Platz und es bestehen keine unmittelbaren Gefahren durch Steinschlag oder Überflutung. So könnten sie sich mit dem Patienten von Biwak zu Biwak vorarbeiten. Eine weitere Option wäre die Einrichtung eines "Höhlenhospitals", in dem der Forscher so lange gepflegt wird, bis er den Ausstieg mehr oder weniger aus eigener Kraft angehen kann.

Wie funktioniert die Kommunikation zwischen den Rettungsteams an der Unglücksstelle und den Rettern am Höhleneingang?

Mittlerweile haben die Bergungsteams das Höhlen-Kommunikationssystem "Cavelink" legen können. Cavelink ist eine auf Langwellen basierende Funktechnik, die Textnachrichten zwischen Höhleneingang und dem Unfallort ermöglicht. Dabei tippen die Teilnehmer ihre Nachrichten auf einer Art Schreibmaschine. Die Übermittlung dauert mehrere Minuten.

Was könnte die Bergung jetzt noch gefährden?

Gefährlich wird es, wenn das Wetter umschlägt. Insbesondere starke Regengüsse können unter der Erde gefährlich werden. Dann können schmale Rinnsale plötzlich zu reißenden Flüssen anschwellen und alles in ihrem Weg mit sich reißen. Sollte es regnen, müssen sich die Retter an einen sicheren Ort zurückziehen.