Rio de Janeiro Die Invasion der Pinguine

Unter Brasiliens Biologen macht sich Ratlosigkeit breit: Immer mehr Pinguine landen an den Stränden des südamerikanischen Landes - zumeist verletzt oder tot.


Rio de Janeiro - Ein Massensterben von Pinguinen und Seehunden im Süden Brasiliens gibt Rätsel auf. Rund 200 der aus der Antarktis stammenden Tiere wurden am Mittwoch an einem etwa 20 Kilometer langen Strandstreifen zwischen den Gemeinden Pinhal und Cedreira im Bundesland Rio Grande do Sul tot aufgefunden. "Wir können noch nicht sagen, woran die Tiere gestorben sind. Das Ganze ist ein Rätsel, dem wir aber auf den Grund gehen wollen", meinten Biologen der Universität von Rio Grande do Sul zum TV-Sender Globo.

Auf ihrem Weg von der Antarktis nach Norden landen immer wieder Pinguine an Brasiliens Stränden
AP

Auf ihrem Weg von der Antarktis nach Norden landen immer wieder Pinguine an Brasiliens Stränden

Ein Massensterben von Pinguinen hatte sich in Rio Grande do Sul erst vor zwei Jahren ereignet. Damals war aber eine Ölpest im Atlantischen Ozean die Ursache. Diesmal seien dagegen keine Indizien einer Verschmutzung entdeckt worden. Die Forscher gehen deshalb eher davon aus, dass die Tiere keine Nahrung gefunden haben oder Opfer eines starken Unwetters auf ihrem Weg nach Brasilien geworden sind.

Eine ungewöhnliche Pinguin-Invasion ist in Brasilien während des Winters auf der südlichen Halbkugel in Rio de Janeiro registriert worden. Bislang verirrten sich rund 120 Schwimmvögel aus der Antarktis in die etwa 5000 Kilometer entfernte, zumeist warme Stadt. Ein neuer Rekord. Im ganzen Winter 1999 waren nur 53 Pinguine gezählt worden.

"Trotz des relativ kalten Winters in Rio ist es bei uns für die Pinguine und andere Tiere aus Patagonien zu warm", erklärte die Biologin der Stiftung "Rio Zoo" Denise Monsares. "Die Tiere kommen auch nicht freiwillig", fügt sie hinzu. Sie seien von den ungewöhnlich häufigen kalten Strömungen der vergangenen Wochen und den starken Winden nach Rio getrieben worden.

Die meisten Tiere seien erschöpft und verletzt eingetroffen Sie würden in den Anlagen des Zoos von Rio gepflegt. Monsares: "Wir sind mit unseren Kapazitäten am Ende."



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