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Archäologie: Römer in Thüringen

Foto: Michael Reichel/ dpa

Antikes Lager Erstmals Römer-Spuren in Mitteldeutschland entdeckt

Am Kyffhäuser in Thüringen haben Archäologen die Spuren eines Römerlagers gefunden. Es soll aus der Zeit zwischen dem 1. und 3. Jahrhundert stammen. Damit wäre es der erste Nachweis für römische Truppen in der Region.

Immer wieder stoßen Archäologen in Deutschland auf Spuren römischer Präsenz vor rund 2000 Jahren - allerdings vor allem im Süden und Westen des Landes. Jetzt aber sind Wissenschaftler an ungewöhnlicher Stelle fündig geworden: In Thüringen wollen sie den ersten archäologischen Nachweis für den Aufenthalt römischer Truppen in Mitteldeutschland gefunden haben. Er zeugt von einer Dienstreise ins finstere Germanien.

Bei dem Dorf Hachelbich im Kyffhäuserkreis habe man ein römisches Marschlager aus der Zeit zwischen dem 1. und 3. Jahrhundert nach Christus entdeckt, teilte das Thüringer Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie mit. Die Anlage weise alle Merkmale auf, die im antiken Schrifttum und in bisherigen Beschreibungen von Archäologen vorkommen. Funde wie Buntmetallgegenstände und eiserne Schuhnägel wiesen ebenfalls auf römische Soldaten hin.

Neben für die Römerlager typischen Spitzgräben im Süden und Osten der Anlage konnten die Archäologen auch acht Backöfen mit Arbeitsgruben freilegen. Im Nordosten befindet sich den Angaben zufolge eine Eingangskonstruktion. Sollte sich die Anlage im Norden und Westen in ähnlicher Weise fortsetzen, liege ein unregelmäßiges Viereck mit einem umschlossenen Raum von etwa 18 Hektar vor.

Nach der Varusschlacht nur noch einzelne Feldzüge

Feldlager dieser Art seien innerhalb weniger Stunden errichtet worden und hätten den Truppen auf Feldzügen zur Unterbringung gedient, bisweilen seien sie nur für eine Nacht angelegt worden.

Roms Herrschaft in Teilen des heutigen Deutschland begann unter Julius Cäsar. In der Zeit zwischen 58 bis 51 vor Christus eroberten seine Legionen Gallien einschließlich der Gebiete westlich des Rheins, wo die Römer befreundete germanische Stämme ansiedelten. Der Südwesten des heutigen Deutschlands gehörte daraufhin fast 500 Jahre lang zum römischen Reich.

Das bisher älteste Römerlager auf deutschem Boden wurde 2012 bei Hermeskeil in Rheinland-Pfalz gefunden. Es soll am Ende des Gallischen Krieges - 53 oder 51 vor Christus - von den Truppen Julius Cäsars errichtet worden sein. Die 26 bis 30 Hektar große Anlage mit Befestigungswall soll damals Platz für 5000 bis 10.000 Soldaten geboten haben. Experten gehen davon aus, dass die Militärs gegen Kelten am nahe gelegenen Hunnenring vorgehen sollten.

Unter Kaiser Augustus (63 vor Christus - 14 nach Christus) unterwarfen die Römer in mehreren Feldzügen die Germanenstämme bis zur Elbe. Die Gebiete ließen sich jedoch nicht lange halten. In der Varusschlacht im Jahre 9 nach Christus lockten germanische Kämpfer drei römische Legionen mit 25.000 Soldaten wahrscheinlich bei Kalkriese nahe Osnabrück in einen Hinterhalt.

Rom begnügte sich fortan mit den linksrheinischen Gebieten und dem heutigen Süddeutschland - und drang nur noch für einzelne Feldzüge in die Stammesgebiete ein, ohne sie dauerhaft zu besetzen. Aus dieser Zeit dürften auch die nun präsentierten Spuren in Thüringen stammen. Da der genaue Zeitraum der Errichtung des Lagers bei Hachelbich noch nicht klar sei, so die Archäologen, könne das Lager bisher noch keinem bekannten Feldzug zugeordnet werden.

chs/dpa
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