Umweltaktivist Roger Hallam Mitgründer von "Extinction Rebellion" in London festgenommen

Der Mitgründer der Klimaschutzgruppe "Extinction Rebellion" ist direkt nach einem SPIEGEL-Interview festgenommen worden. Die Festnahme steht mutmaßlich im Zusammenhang mit einer geplanten Blockade des Londoner Flughafens Heathrow.

SOPA Images/ LightRocket/ Getty Images

Aus London berichtet


Der Mitbegründer der Klimabewegung "Extinction Rebellion" wurde am Donnerstagnachmittag vor einem Café in London festgenommen. Kurz nach einem Interview mit dem SPIEGEL sprangen mehrere Polizeibeamte in Zivil aus ihren Autos und legten Hallam sowie einem Mitarbeiter Handschellen an, bevor er abgeführt wurde.

Gegenüber dem SPIEGEL sagte Hallam noch während die Polizeiaktion lief, dass seine Festnahme im Zusammenhang mit der geplanten Aktion "Heathrow Pause" stehe und er mutmaßlich vorsorglich festgenommen werde. Hallam und weitere Aktivisten haben angekündigt, ab Freitagmorgen um drei Uhr Ortszeit den Londoner Flughafen Heathrow für mehrere Tage lahmzulegen.

Zu diesem Zweck planen sie, rund um den Flughafen Spielzeugdrohnen steigen zu lassen. Die Aktion ist lange angekündigt und die Aktivisten sagen, es bestünde keine Gefahr, weil die Drohnen nur auf Kopfhöhe fliegen sollen, bevor die Aktivisten selbst die Polizei rufen.

Der Flughafen Heathrow ist einer der größten CO2-Emittenten des Landes, eine geplante dritte Laufbahn würde den Ausstoß weiter erhöhen 1200 Flüge passieren ihn täglich. Die "Heathrow Pause"-Aktivisten kritisieren, dass die britische Regierung am 1. Mai 2019 den Klimanotstand ausgerufen habe, gleichzeitig den Flughafenausbau unterstütze.

Die zentrale Forderung ist es, den weltweiten CO2-Ausstoß bis 2025 auf Nettonull zu reduzieren. Nur so lasse sich der Klimakollaps vermeiden. Trotz der Verhaftung Hallams wollen die Aktivisten an der geplanten Blockade des Flughafens Heathrow festhalten, diese werde wie geplant durchgeführt, sagte ein Sprecher von "Heathrow Pause" gegenüber dem SPIEGEL.

Hallam hat angekündigt, auch selbst am Samstag eine Drohne steigen zu lassen. Im Interview mit dem SPIEGEL sagte er: "Ich bin bereit, ins Gefängnis zu gehen. Wir stehen vor der größten Katastrophe in der Menschheitsgeschichte. Andere Protestformen haben es in den vergangenen 30 Jahren nicht vermocht, das aufzuhalten. Deswegen brauchen wir massenhaften zivilen Ungehorsam."

"Heathrow Pause" ist eine Abspaltung von Extinction Rebellion. Gegründet vor einem Jahr gilt Extinction Rebellion als größte Bewegung zivilen Ungehorsams in der britischen Geschichte.

Anders als bei anderen Bewegungen stehen Aktivisten mit Klarnamen für ihre Aktionen ein und rufen nicht selten selbst die Polizei. Hallam sagt, dass Bürgerbewegungen in der Vergangenheit nur erfolgreich gewesen seien, wenn es zu massenhaften Verhaftungen kam.

Der 53-jährige Hallam hat in den vergangenen Jahren am Londoner King's College einen PhD erworben. Seine Forschung beschäftigte sich mit der Frage, wie Protestbewegungen erfolgreich sein können.

Er machte drei Elemente aus, die zentral seien: Nur durch massive Störungen des öffentlichen Lebens sei es möglich Aufmerksamkeit zu bekommen. Nur durch persönlichen Einsatz - also die Bereitschaft verhaftet zu werden - würden andere die eigene Botschaft ernst nehmen. Nur durch einen respektvollen Umgang mit einander, der Öffentlichkeit und der Polizei, sei es möglich, Fortschritte zu machen.

Basierend auf diesen Prinzipien blockierten Tausende Demonstranten im April 2019 mehrere Brücken in London und legten Teile der Stadt lahm. Es kam zu mehr als 1400 Verhaftungen.

Ab dem 7. Oktober 2019 planen die Aktivisten eine "Rebellionswoche" in vielen Ländern, auch in Deutschland gibt es bereits 52 Ableger.



insgesamt 68 Beiträge
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ingen79 12.09.2019
1. Gut so
recht und Ordnung ist Sache der Gerichte und nicht von selbst ernannter Aktivisten
dasmagazin2017 12.09.2019
2. Kriminelle Pläne
Eine solche vorsätzliche Gefährdung des Flugverkehrs ist durch nichts zu rechtfertigen. Natürlich stellen auch auf Kopfhöhe fliegende Drohnen eine Gefahr dar! Wenn der Mann ins Gefängnis gehen muss, dann ist er in keiner Weise ein Held oder Märtyrer!
chrizna 12.09.2019
3. Drohnen an Flughäfen aufsteigen zu lassen ist keine gute Idee-
Bei allem Respekt für die Umweltschützer und ihre grundsätzlich gute Absicht, denn es wird möglicherweise Fanatiker dazu animieren dem auf eigene Faust gleich zutun. Mit Drohnen drohen; wenn -auch nur ein bisschen- die in der Luftfahrt zu lebensbedrohlichen Waffen werden können und missbraucht hunderte Menschen das Leben kosten können ist geschmacklos und nicht witzig.
dierochade 12.09.2019
4. Warum so unentspannt?
#1 u #2? Der Mann hat doch in der Sache nicht unrecht und allein über die Ankündigung und die Reaktion +Medien etwas erreicht. Vielleicht ist es an der Zeit statt nur "kriminell" zu rufen einzusehen dass jeder etwas änder muss und raus aus der Komfortzone. Zb. Keine Fernreisen. Carsharing statt Auto. Keine statt Trockner. Flextarier. Und zwar alles und nicht nur eins davon was man sowieso macht...
lockederboss31 12.09.2019
5. Ich wüsste...
nicht, wie auf Kopfhöhe fliegende drohnen, eine gefahr für den flugverkehr darstellen sollen. davon ab haben die meisten immer noch nicht verstanden um was es wirklich geht. und recht hat er auch mit der aussage, das protestaktionen der vergangenen 30jahre nichts gebracht haben. da ist es logisch und richtig anders an die sache ran zu gehen.
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