Rückenschmerzen Gen für Bandscheibenleiden entdeckt

Forscher aus den USA und Japan haben herausgefunden, dass ein einzelnes, verändertes Gen für bestimmte Rückenprobleme verantwortlich ist. Es erhöht die Produktion eines Proteins und schwächt so die Stabilität der Bandscheiben.

Rückenschmerzen kommen die Wirtschaft teuer zu stehen. Jeder dritte Deutsche klagt darüber, 10 bis 15 Prozent aller Arbeitsausfälle gehen darauf zurück. Als Hauptursachen gelten das dauerhafte Arbeiten im Sitzen und mangelndes Training der Rückenmuskulatur.

Der Schmerz im Kreuz kann jedoch auch genetische Ursachen haben, wie Forscher aus Japan und den USA jetzt festgestellt haben. Shoji Seki vom SNP Research Center in Tokio und ihre Kollegen haben ein Gen entdeckt, das maßgeblich für Bandscheibenleiden verantwortlich ist. Das Gen enthalte den Bauplan für das Protein CILP, das die Stabilität der Bandscheiben und damit die Empfänglichkeit für Bandscheibenleiden bestimme, berichten die Forscher in der Fachzeitschrift "Nature Genetics" (Online-Vorabveröffentlichung).

Das Leiden, das durch die Degeneration der Bandscheibe in der Lendenwirbelsäule entsteht, gehört zu den häufigsten Gründen für Schmerzen im unteren Rückenbereich. Die Bandscheibe besteht aus zwei Bereichen: dem äußeren Faserring und dem sogenannten Nucleus pulposus, dem Bandscheibenkern. Dieser ist ein knorpelartiges Gewebe, das eine sogenannte extrazelluläre Matrix enthält, die aus verschiedenen Proteinen besteht. Diese Proteine spielen für die Funktion der Bandscheibe eine wichtige Rolle.

Bereits aus früheren Studien wissen Forscher, dass Bandscheibenleiden zumindest teilweise genetisch bedingt sind. Daher verglich das Team von Seki Gene von Patienten mit Bandscheibenleiden und von gesunden Menschen. Dabei stellten die Wissenschaftler fest, dass das Gen mit dem Bauplan für das Protein CILP bei den Patienten mit Bandscheibenproblemen an einer bestimmten Stelle verändert ist.

Das Protein CILP kommt im Bandscheibengewebe in hohen Konzentrationen vor. Durch die übermäßige Produktion von CILP werde die Wirkung eines anderen Schlüsselproteins blockiert, das bereits früher mit Beeinträchtigungen des Bindegewebes in Verbindung gebracht worden sei, berichten die Forscher. Die Folge: Die Knorpelmatrix in der Lendenwirbelsäule werde nicht korrekt aufgebaut. Dies mache die Bandscheiben instabiler.

Die Forscher stellten zudem fest, dass bei Patienten mit Bandscheibenleiden im Verlauf der Bandscheibendegeneration mehr CILP hergestellt wird. Wirkstoffe, welche die CILP-Wirkung kontrollieren und verändern, seien deshalb vielversprechend für neue Behandlungsstrategien von Patienten mit Bandscheibenleiden.

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