Rückruf Kontaktlinsen-Reiniger wegen Pilzinfektionen vom Markt genommen

Ein Kontaktlinsenreiniger ist in den Verdacht geraten, Hornhautentzündungen zu begünstigen. Der Hersteller Bausch und Lomb hat "ReNu MoistureLoc" nun vom Markt genommen. Unter bestimmten Umständen könne die Flüssigkeit eine Pilzinfektion begünstigen. Auch in Europa werden Fälle untersucht.


Wegen einer Häufung ungewöhnlicher Augen-Infektionen hat der Hersteller Bausch and Lomb die Reinigungsflüssigkeit für weiche Kontaktlinsen "ReNu MoistureLoc" weltweit vom Markt genommen. Deutsche Kunden sollten bereits gekaufte Produkte zum Optiker zurückbringen, um einen Ersatz zu erhalten. Das teilte die Firma auf einer eigens dafür eingerichteten Internetseite mit.

"ReNu MoistureLoc": Hersteller Bausch und Lomb sieht den Rückruf als "reine Vorsichts-Maßnahme"

"ReNu MoistureLoc": Hersteller Bausch und Lomb sieht den Rückruf als "reine Vorsichts-Maßnahme"

Auch in Europa wurde in sieben Fällen ein Zusammenhang zwischen Infektionen und dem Gebrauch der Reinigungsflüssigkeit untersucht. "Wir wissen in Deutschland von keinem einzigen Fall eines Zusammenhangs, auch von keinem Verdacht", sagte der deutsche Geschäftsführer von Bausch und Lomb, Christoph Keßler, zu SPIEGEL ONLINE.

Er wies darauf hin, dass es sich hierbei um eine "relative Aussage" handele. In Deutschland würden solche Fälle nicht immer an die Firma gemeldet, "manchmal ja, aber nicht immer." Keßler verwies aber darauf, dass Infektionen mit dem Pilz Fusarium in anderen Teilen der Welt außerordentlich selten seien und im Bereich von 0,0001 Prozent lägen. In Deutschland verkaufe Bausch und Lomb 1,2 Millionen Flaschen der Kontaktlinsen-Flüssigkeit pro Jahr. Der Inhalt einer Flasche reiche für rund vier Wochen.

Die Gesundheitsbehörden in Hongkong, Singapur und den USA hätten berichtet, dass MoistureLoc von vielen jener Patienten benutzt worden sei, die wegen einer seltenen Pilzinfektion am Auge behandelt würden, teilte der Hersteller in einer Pressemitteilung mit.

Keratitis ist der medizinische Begriff für eine Hornhautentzündung. Der Zusatz Fusarium weist auf eine Pilzfinfektion als Auslöser der Entzündung hin. Fusarium keratitis kann im Extremfall zur Erblindung führen. Der Pilz Fusarium ist besonders in tropischen Gegenden häufig im Ausgüssen und Abflüssen heimisch.

Falsche Anwendung könnte Infektion begünstigen

Ronald L. Zarella, Vorstandvorsitzender von Bausch und Lomb, sagte: "Einige Bestandteile der MoistureLoc-Formel könnten unter ungewöhnlichen Umständen das relative Risiko einer Fusarium-Infektion erhöhen." Der Rückruf sei eine Sicherheitsmaßnahme bis zur endgültigen Klärung des Verdachts, sagte Zarella. Es gebe keinen Nachweis "für eine Produktkontamination, Verfälschung irgendwelcher Art oder für mangelnde Sterilität".

Die weltweite Rückrufaktion ist vor allem für den europäischen Markt bedeutsam, da der Hersteller nach Infektionsfällen in Hongkong im Dezember und Singapur im Februar dort bereits früher das Produkt vom Markt genommen hatte. Auch in den USA hatte Bausch und Lomb ReNu MoistureLoc bereits im April zurückgezogen. Nachdem Ärzte dort im März ungewöhnlich viele der seltenen Pilzinfektionen gemeldet hatten, untersuchte die Zulassungsbehörde Federal Drug Administration (FDA) die Vorfälle. Die US-Gesundheitsbehörde Centers for Disease Control (CDC) in Atlanta hat bislang keine Informationen über den Krankheitsverlauf veröffentlicht.

Der Hersteller hatte erklärt: Häufige, wenngleich falsche Gewohnheiten in der Pflege von Kontaktlinsen hätten möglicherweise dazu führen können, dass Linsen nicht von Fusarium gereinigt worden seien. Wenn Benutzer, anstatt die Flüssigkeit auszutauschen, neue mit alter gemischt hätten, sei es denkbar, dass sich ein Film auf der Linse bildet, der den Pilz vor dem sterilisierenden Wirkstoff in dem Produkt schütze.

Eine Hornhautentzündung infolge Fusarium-Infektion wird mit Augentropfen behandelt, die in der Regel stündlich genommen werden müssen. Es kann eine Erneuerung der Hornhaut notwendig sein. Da bei Nichtbehandlung die Erblindung droht, sollten Patienten mit Hornhautentzündungen umgehend ihren Augenarzt aufsuchen.

stx/AFP/rtr



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