Rückzug vom Lehrstuhl Hawking geht 2009 in Ruhestand

Stephen Hawking zieht sich von der Lehre an der Universität Cambridge zurück. Der schwerbehinderte Astrophysiker wird den renommierten Lucasischen Lehrstuhl für Mathematik 2009 aufgeben. Hawking gehört zu den weltweit bekanntesten Kosmologen, seine Bücher wurden millionenfach verkauft.


London - Der Lucasische Lehrstuhl für Mathematik an der University of Cambridge ist einer der renommiertesten der Welt, ihn hatte schon Isaac Newton inne. Seit fast 30 Jahren wird er von dem Astrophysiker Stephen Hawking bekleidet. Doch der will 2009 in den Ruhestand gehen und den Lehrstuhl aufgeben, wie die Universität in der Nacht zum Freitag mitteilte.

Hawking, der im Januar 67 Jahre alt wird und damit die Altersgrenze auf dem Lehrstuhl erreicht, werde zwar weiter an der Universität arbeiten. Jedoch werde ein neuer Inhaber des Lehrstuhls ernannt. Der Lucasische Lehrstuhl wurde 1663 von Henry Lucas gestiftet, der seine 4000 Bücher und sein Land der Universität zur Verfügung stellte, um aus den Einnahmen den Lehrstuhl zu finanzieren.

Hawking leidet seit langem an der Muskelschwäche ALS und ist an den Rollstuhl gebunden. Die Krankheit wurde bereits 1963 während seines Studiums diagnostiziert. Ärzte gaben ihm damals noch drei Jahre zu leben - für Hawking der entscheidende Wendepunkt: "Plötzlich begriff ich, dass es eine Reihe wertvoller Dinge gab, die ich tun könnte, wenn mir ein Aufschub gewährt würde", sagte er später.

Anfangs konnte ihn noch seine erste Frau Jane Wilde versorgen, ab 1985 musste ein Team von Pflegerinnen seine Betreuung rund um die Uhr übernehmen. Der Forscher war an den Rollstuhl gefesselt. Seit einer Luftröhrenoperation 1986 konnte er nicht mehr sprechen und kommunizierte über einen am Rollstuhl befestigten Sprachsynthesizer, den er anfangs noch über einen Handtaster, später über Augenbewegungen und Infrarotsensor bediente.

Trotz seiner Behinderung konnte er sich intensiv mit der Astrophysik beschäftigen, er gehört zu den weltweit bekanntesten Kosmologen. Er hielt immer wieder Vorlesungen und Vorträgen auf der ganzen Welt, die Tausende von Menschen anzogen. Hawking war und ist der unangefochtene Popstar der Astrophysik.

Sein Lebensziel war ambitioniert: "Ich möchte herausfinden, woher das Universum kommt. Wie und warum es begonnen hat." Die wohl wichtigste Erkenntnis von Hawking stammt aus den siebziger Jahren. Seine Berechnungen ergaben, dass Schwarze Löcher keineswegs unveränderliche Grabmäler sind, sondern irgendwann verdampfen (Hawking-Strahlung).

Sein Vorhaben, ein neues Weltmodell zu erschaffen, gilt hingegen als gescheitert. Zwar gelang es Hawking, das Modell eines Universums auszutüfteln, "das vollkommen in sich geschlossen und ohne Anfang und Ende ist". Jüngste Beobachtungen der Astronomen passen jedoch kaum zu Hawkings Theorie.

Seine große Bekanntheit verdankt Hawking seinen populärwissenschaftlichen Büchern, die zu Bestsellern wurden. Dazu gehören "Das Universum in der Nussschale" (2002), "Eine kurze Geschichte des Universums" (2003) und das rund zehn Millionen Mal gedruckte Werk "Eine kurze Geschichte der Zeit" (1988).

hda/dpa



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