Frachtsegler aus dem 18. Jahrhundert Sturm vor Rügen legt Schiffswrack frei

Unerwartete Attraktion für Spaziergänger: Auf Rügen liegt plötzlich ein altes Wrack am Strand. Ein Januarsturm hatte Kiel und Planken freigelegt. Archäologen haben bereits seine Herkunft bestimmt.

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Das stürmische Wetter der vergangenen Tage hatte für Archäologen eine Überraschung parat. Auf Ostsee-Insel Rügen wurde ein altes Wrack freigelegt. Mecklenburg-Vorpommerns Landesamt für Kultur und Denkmalpflege teilte mit, es handele sich bei dem nahe Glowe gestrandeten Wrack um ein Handelsschiff aus dem 18. Jahrhundert. Es wurde vermutlich in den Niederlanden gebaut. Darauf deuteten die Konstruktionsmerkmale des Schiffes hin, sagte Landesarchäologe Detlef Jantzen.

Experten des Landesamtes hatten am Sonntag das Wrack untersucht und zur genauen Altersbestimmung Holzproben genommen sowie eine Vermessung durchgeführt. "Die gefundenen Teile zeigen, dass es sich bei dem Schiff um ein großes, flachbodiges Handelsfahrzeug handelt", sagte Jantzen. Freigespült wurden große Teile der Bodenschale sowie ein Stück des Kiels. Entdeckt hatten es Archäologen aber schon Ende der Neunzigerjahre, bisher lag es aber überwiegend unter Sand auf dem Meeresboden.

Was das Schiff einst transportiert haben könnte und warum es unterwegs war, ist noch nicht bekannt. Laut den Chroniken von Glowe sei auch nichts über ein Schiffsunglück vor der Küste in historischer Zeit bekannt, berichtet der NDR. Doch vor Rügen verliefen einst stark befahrene Handelsrouten. Nach Schätzungen liegen dort rund 200 Wracks.

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Münzen von Harald Blauzahn: Sie haben einen Schatz gefunden

Stürme im Januar hatten an der Küste Rügens kräftig gewütet. Der Strand vor Glowe im Norden der Insel habe bis zu einem Meter an Höhe verloren, sagte der Vorsitzende des örtlichen Tourismusvereins, Dieter Thomas. Dabei sei auch das Wrack freigespült worden, das nun von Wanderern als Attraktion angesteuert werde.

Das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege warnte davor, Wrackteile als Souvenirs mitzunehmen. Es sei nicht erlaubt, die an den Strand gespülten Teile des Wracks zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören, sagte Jantzen. Das regele das Denkmalschutzgesetz. Gesichert ist das Wrack bislang aber nicht.

Unklar ist, welche Behörde für den Fund überhaupt zuständig ist. Die Zuständigkeit des Kreises reiche nur bis zur Mittelwasserlinie, sagte der Denkmalpfleger des Kreises, Markus Sommer-Scheffler.

Erst im April war auf Rügen auf einem Acker ein Schatz geborgen worden, der für Aufsehen gesorgt hatte. Ein 13-jähriger Schüler und ein Dachdecker, die zu einer Gruppe ehrenamtlicher Denkmalpfleger gehörten, hatten bei einem Metalldetektor-Suchgang Silberstücke gefunden. Ein Teil der gefundenen Münzen war auf den legendären Dänenkönig Harald Blauzahn (910-987) zurückzuführen.

joe/dpa

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