Ruinenstadt in Mexiko Archäologen wollen 1800 Jahre alte Kammer öffnen

Seit fast 100 Jahren untersuchen Wissenschaftler die riesige Ruinenstadt Teotihuacán in Mexiko. Jetzt könnten sie erstmals einen Hinweis auf die mysteriösen Herrscher des Ortes gefunden haben - in einem jahrhundertelang unzugänglichen Tunnel.

DPA

Mexiko-Stadt - Wer regierte einst in der geheimnisvollen Ruinenstadt Teotihuacán in Mexiko? Archäologen wissen auf diese Frage bis heute keine Antwort. Genau genommen wissen sie nicht einmal, wie die Siedlung eigentlich hieß, die kurz nach der Zeitenwende zu den größten Städten der Welt gehörte. Ihren jetzigen Namen bekam sie von den Azteken, die sie um das Jahr 1500 vollkommen verlassen vorgefunden hatten. Die Riesensiedlung war von ihren Bewohnern bereits rund 600 Jahre vorher aufgegeben worden.

Manche Experten spekulieren darüber, wer über die Stadt geherrscht haben könnte - denn die prächtigen künstlerischen Darstellungen vor Ort zeigen keine höhergestellten Persönlichkeiten. Jetzt aber gibt es eine spektakuläre Entdeckung: Forscher haben unter den Ruinen einen Tunnel freigelegt, an dessen Ende sie eine oder mehrere seit 1800 Jahren verschlossene Grabkammern vermuten - und damit vielleicht auch Antworten auf die Frage nach den Herrschern der geheimnisvollen Anlage.

Rund 200 Tonnen Erde mussten die Wissenschaftler bewegen, um den Tunnel zu erreichen. Der Gang soll aus der Zeit zwischen 200 und 250 nach Christus stammen. Er ist rund hundert Meter lang, vier Meter breit und führt in 12 bis 15 Metern Tiefe unter dem heiligsten Bauwerk der Stadt entlang, dem Tempel der Gefiederten Schlange ("Quetzalcoatl"). "Ich glaube, der Tunnel war der zentrale Bestandteil, das Hauptelement, um das herum der Rest der Kultstätte gebaut wurde", sagte Ausgrabungsleiter Sergio Gómez Chávez.

Bislang konnten die Archäologen den unterirdischen Raum nur mit einer Kamera erkunden. Am Tunneleingang haben die Wissenschaftler Fresken und Gegenstände entdeckt, die nach ihrer Ansicht auf eine Herrscher-Grabkammer schließen lassen. Rund 60.000 Opfergegenstände aus Jade, Stein, Muscheln und Ton habe man bereits gefunden, sagte Gómez Chávez.

"Schlüssel zum Verständnis der präkolumbischen Kulturen Mittelamerikas"

An den Seiten und am Ende des unterirdischen Gangs haben die Forscher insgesamt drei Kammern ausgemacht, die offenbar mit tonnenschweren Steinen verschlossen wurden. "Die Wahrscheinlichkeit, in der zentralen Kammer die Überreste der Herrscher von Teotihuacán zu finden, ist sehr hoch", sagt Gómez Chávez. Die Entdeckung sei mit denen der Pharaonengräber in Ägypten vergleichbar. "Der Fund könnte der Schlüssel zum Verständnis der präkolumbischen Kulturen Mittelamerikas sein."

Nach wie vor wissen die Fachleute nur wenig über die Menschen, die Teotihuacán erbaut haben. Das wichtigste Bauwerk der Stadt, die etwa so groß war wie das antike Rom, ist die um das Jahr 100 errichtete Sonnenpyramide. Sie hat eine Grundfläche von circa 220 mal 220 Metern und eine Höhe von etwa 65 Metern. Damit gilt sie als drittgrößte Pyramide der Welt.

In der Zeit von 100 bis 600 nach Christus bildete Teotihuacán das kulturelle und wirtschaftliche Zentrum Mittelamerikas. Nach einem Großbrand im 7. oder 8. Jahrhundert, möglicherweise im Zuge einer Revolte, wurde die Stadt aufgegeben. Die Azteken entdeckten Teotihuacán um das Jahr 1500 - kurz bevor die spanischen Eroberer die Region erreichten. Die Ureinwohner hielten die Stadt für heilig und nannten sie den Ort, an dem Menschen zu Göttern wurden.

Bis die Forscher selbst in den Tunnel unter dem Quetzalcoatl-Tempel steigen können, dürfte allerdings noch einige Zeit vergehen. Nach Auskunft der Fachleute vor Ort werden die Vorbereitungen noch mindestens zwei Monate dauern.

chs/dpa/apn

insgesamt 212 Beiträge
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Seite 1
Baracke Osama, 04.08.2010
1. --
Zitat von sysopSeit fast 100 Jahren untersuchen Wissenschaftler die riesige Ruinenstadt Teotihuacán in Mexiko. Jetzt könnten sie erstmals einen Hinweis auf die mysteriösen Herrscher des Ortes gefunden haben - in einem jahrhundertelang unzugänglichen Tunnel. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,710115,00.html
Ich bin gespannt, welche "Brücken" nach Ägypten (Gizeh) geschlagen werden. Die Flächen der Pyramiden sind gleich und auch die zugrundeliegende Zeitrechnung der unterschiedlichen "verlorenen" Zivilisationen besitzt seltsamerweise große Ähnlichkeiten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Pyramiden von Menschen, welche damals die Gegend bewohnt haben, mit der damaligen Technik, erbaut wurden. Wer war es dann?
heinrichp 04.08.2010
2. an dem Menschen zu Göttern wurden
Zitat von sysopSeit fast 100 Jahren untersuchen Wissenschaftler die riesige Ruinenstadt Teotihuacán in Mexiko. Jetzt könnten sie erstmals einen Hinweis auf die mysteriösen Herrscher des Ortes gefunden haben - in einem jahrhundertelang unzugänglichen Tunnel. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,710115,00.html
@Die Ureinwohner hielten die Stadt für heilig und nannten sie den Ort, an dem Menschen zu Göttern wurden. Wir Recht sie hatten, all dieses Wissen ist uns heute abhandengekommen: http://die-welt-der-reichen.over-blog.de/article-dunkle-materie-blo-ein-phantom-52010399.html
daoinsidhe 04.08.2010
3. Erich von Däniken...
...hätte seine helle Freude an diesem Forum. Warum sollten die Menschen damals diese Pyramiden nicht hätten bauen können? Gerade die Stufenpyramiden Südamerikas sind vom Bau her relativ simpel. Alles, was es dafür braucht, sind Menschen und genug Zeit. Es ist davon auszugehen, dass beides vorhanden war, ebenso wie auch in Ägypten, auch wenn da der Pyramidenbau technisch durchaus fortgeschrittener war - aber nichtsdestotrotz durchführbar. Man hat teilweise das Gefühl, dass wir uns heute so sehr an Computer gewöhnt, dass wir völlig unterschätzen, was ohne sie alles möglich ist.
Baracke Osama, 04.08.2010
4. --
Zitat von daoinsidhe...hätte seine helle Freude an diesem Forum. Warum sollten die Menschen damals diese Pyramiden nicht hätten bauen können? Gerade die Stufenpyramiden Südamerikas sind vom Bau her relativ simpel. Alles, was es dafür braucht, sind Menschen und genug Zeit. Es ist davon auszugehen, dass beides vorhanden war, ebenso wie auch in Ägypten, auch wenn da der Pyramidenbau technisch durchaus fortgeschrittener war - aber nichtsdestotrotz durchführbar. Man hat teilweise das Gefühl, dass wir uns heute so sehr an Computer gewöhnt, dass wir völlig unterschätzen, was ohne sie alles möglich ist.
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the_flying_horse, 04.08.2010
5. Erich von Däniken
Zitat von Baracke OsamaIch bin gespannt, welche "Brücken" nach Ägypten (Gizeh) geschlagen werden. Die Flächen der Pyramiden sind gleich und auch die zugrundeliegende Zeitrechnung der unterschiedlichen "verlorenen" Zivilisationen besitzt seltsamerweise große Ähnlichkeiten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Pyramiden von Menschen, welche damals die Gegend bewohnt haben, mit der damaligen Technik, erbaut wurden. Wer war es dann?
Erich von Däniken in seinem 3. Leben...
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