Rund um den Nobelpreis Zehn Fragen, zehn Antworten

100 Jahre Nobelpreis und mindestens ebenso viele Fragen. Angesichts des Jubiläums versucht SPIEGEL ONLINE, ein paar Geheimnisse des bedeutendsten Wissenschaftspreises der Welt zu ergründen.



Wann im Lauf des Jahres werden die Nobelpreise verkündet/verliehen?

Für die Bekanntgabe der Nobelpreise gibt es kein festes Datum. In der Regel werden die Preisträger Anfang Oktober in der Reihenfolge Medizin, Physik, Chemie, Wirtschaft und Frieden verkündet, lediglich der Literaturnobelpreis wird zu einem kurzfristig gewählten Termin bekannt gegeben - meist an einem Donnerstag. Für die Verleihung der Preise gibt es dagegen ein unwiderrufliches Datum: den 10. Dezember, den Todestag Alfred Nobels.

top
Wurden die Preise denn ausnahmslos an Nobels Todestag verliehen? Nein, es gab Ausnahmen. Zum Beispiel wurde der erste Friedennobelpreis nach dem Ersten Weltkrieg im Juni 1920 überreicht. Statt des eher deprimierenden skandinavischen Winters mit Kälte und Matsch sollte ein neuer, luftiger (Sommer-)Wind durch die Zeremonie wehen. Doch die königliche Familie blieb - nach dem Tod der Kronprinzessin - der Veranstaltung fern. Und auch der Wettergott zeigte sich ob der Missachtung des Todestages Alfred Nobels offensichtlich beleidigt: Der Tag war grau und regnerisch.
top
Kann der Nobelpreis einem Menschen auch postum zugesprochen werden? Bedingt: Bis ins Jahr 1974 war es möglich, den Nobelpreis auch an verstorbene Persönlichkeiten zu verleihen - so lange diese vor dem 1. Februar des jeweiligen Jahres nominiert worden waren. Dies war beispielsweise bei Dag Hammarskjöld, Uno-Generalsekretär und Friedensnobelpreisträger im Jahr 1961, der Fall. Mittlerweile wurden einer posthumen Verleihung noch engere Grenzen gezogen. Nur Forscher, Literaten und Staatsmänner, die zwischen der Bekanntgabe (normalerweise im Oktober) und der offiziellen Verleihung (am 10. Dezember) sterben, erhalten den Preis auch nach ihrem Tod.
top
Muss der Nobelpreis überhaupt verliehen werden? Es gab auch Jahre, in denen gar kein Preis oder nur Auszeichnungen für einzelne Disziplinen vergeben wurden. Besonders während der beiden Weltkriege, aber auch in den zwanziger und dreißiger Jahren wurden oftmals keine Preisträger bestimmt, das Preisgeld floss stattdessen in das Vermögen der Nobelstiftung. In den vergangenen Jahrzehnten hatten die Komitees allerdings keine Probleme, geeignete Preisträger zu finden.
top
Wie läuft die Auswahl ab? Der Stichtag ist klar: Bis zum 1. Februar eines jeden Jahres müssen die Nominierungen für den Nobelpreis bei den zuständigen Instituten eingehen - beim Karolinska Institut (Medizin), bei der Königlich Schwedischen Akademie der Wissenschaften (Physik, Chemie, Wirtschaftswissenschaften), beim Norwegischen Nobel-Komitee (Frieden) und bei der Schwedischen Akademie (Literatur). Die Hunderte von Vorschlägen werden anschließend gesichtet, Gutachten werden in Auftrag gegeben, Gegengutachten erstellt, ja ganze Dossiers angesammelt. Kurz vor der Bekanntgabe der Preisträger im Oktober erfolgt dann die endgültige Auswahl der Preisträger durch die jeweilige Institution.
top
Über was können sich Nobelpreisträger denn genau freuen? Die Auskunft der Nobelstiftung ist gewohnt knapp und bescheiden: "Der Preis besteht aus einer Medaille, einer persönlichen Urkunde und einem Geldbetrag." Natürlich ist die Urkunde einzigartig und von einem Künstler entworfen, natürlich bestehen die 200 Gramm schweren Medaillen aus 18-karätigem Gold (mit einer 24 Karat Goldbeschichtung). Und natürlich handelt es sich nicht um irgend einen Geldbetrag: Im Jubiläumsjahr gibt es in jeder Disziplin zehn Millionen Kronen (mehr als zwei Millionen Mark), die sich im schlimmsten Fall drei Gewinner teilen müssen. Als Zugabe gibt es noch einen Händedruck durch den König und ein warmes Essen beim obligatorischen Bankett.
top
Bankett, klingt gut! Wie läuft das ab? Zumindest quantitativ erinnert das noble Dinner an eine Massenspeisung: Mehr als 1300 Menschen kommen dem Anlass entsprechend im Festsaal des Stockholmer Rathauses zusammen, um gemeinsam bei erlesenen Speisen die Preise zu feiern. In Norwegen, wo zeitgleich der Friedensnobelpreis verliehen wird, fällt der Rahmen etwas bescheidener aus: Ins Grand Hotel von Oslo werden in der Regel 250 Menschen eingeladen. Wer eine der begehrten Einladungen ergattern konnte, darf unter anderem von extra entworfenem Nobel-Porzellan speisen und seinen Kaffee mit goldenen Nobel-Löffeln umrühren. Besonders die Löffel, so ist zu hören, werden von den Gästen gerne als Souvenir eingesteckt.
top
Muss das Preisgeld eigentlich versteuert werden? Zumindest in Deutschland ist der Finanzminister großzügig, eine Steuer auf den Nobelpreis gibt es (noch) nicht. Im Ausland sieht es dagegen anders aus: Wie das Magazin "Bild der Wissenschaft" berichtet, gehört in den USA das Preisgeld nach einer Gesetzesänderung im Jahr 1986 mittlerweile zum normalen Einkommen der Forscher. Japan ging früher noch einen Schritt weiter: Angeblich musste der Literaturnobelpreis versteuert werden, während die naturwissenschaftlichen Preise legal am Fiskus vorbei transferiert werden konnten.
top
Warum heißt der Preis für Wirtschaft denn nicht Wirtschaftsnobelpreis? Immer diese Spitzfindigkeiten... Die Auszeichnung heißt offiziell "Preis der schwedischen Reichsbank für Wirtschaftswissenschaften im Gedenken an Alfred Nobel". Letzterer hatte Wirtschaftswissenschaftler in seinem Testament nicht berücksichtigt, ein eigener Nobelpreis war zunächst nicht vorgesehen. Die Schwedische Reichsbank spendete der Nobelstiftung im Jahre 1968 anlässlich ihres 300. Geburtstages allerdings einen stattlichen Betrag. Ein Jahr später wurde der erste Preis für Wirtschaftswissenschaftler verliehen - an den Norweger Ragnar Frisch und den Niederländer Jan Tinbergen.
top
Und warum gibt es keinen Nobelpreis für Mathematik? Weil Mathematik nur ein Werkzeug für die echten Wissenschaften ist, würden jetzt Physiker oder Chemiker augenzwinkernd sagen. Ob Alfred Nobel ein ähnliches Verständnis der Zahlenkunde hatte, ist nicht genau überliefert. Auch die Geschichte, die immer als Antwort auf diese Frage angeführt wird, ist kaum mehr als eine Legende - aber eine gute: Demnach soll der seinerzeit führende schwedische Mathematiker, Gösta Mittag-Leffler, Alfred Nobel die Geliebte ausgespannt haben. Die Chancen auf einen Mathematik-Nobelpreis waren dahin.
top
Zusammengestellt von Alexander Stirn



© SPIEGEL ONLINE 2001
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.