Menschenrechts-Skandal Deutschland stoppt Zahlungen für umstrittenes WWF-Projekt im Kongo

Über Jahre hinweg soll der WWF bei seiner Arbeit in Afrika und Asien Menschenrechte verletzt haben. Nun hat der Skandal auch finanzielle Konsequenzen.

WWF: Vorwürfe schwerster Menschenrechtsverletzungen, darunter Folter und Kollaboration mit Paramilitärs
Jens Kalaene/ DPA

WWF: Vorwürfe schwerster Menschenrechtsverletzungen, darunter Folter und Kollaboration mit Paramilitärs

Von


Nach Bekanntwerden des Menschenrechts-Skandals beim WWF hat die deutsche Bundesregierung Zahlungen an die Organisation teilweise eingestellt. Die staatliche Förderbank KfW habe in Absprache mit dem Entwicklungshilfeministerium (BMZ) entschieden, die Zahlungen auszusetzen, bestätigte das Ministerium auf Anfrage des SPIEGEL. Zunächst hatte das Onlinemagazin "BuzzFeed" berichtet.

Betroffen von den Maßnahmen sind laut BMZ Schutzgebiete in der Demokratischen Republik Kongo. Konkret geht es um den Salonga-Nationalpark. Dazu, wie hoch die nun zurückgehaltene Summe ist, wollten BMZ und KfW keine Auskunft geben.

Hintergrund der Entscheidung ist eine große Recherche von "BuzzfeedNews UK" vom März 2019. Demnach hat der WWF in den Jahren 2002 und 2005 in Nationalparks in Ländern Asiens und Afrikas mit Paramilitärs kollaboriert. Er soll Wildhüter unterstützt haben, die brutal gegen Zivilisten vorgegangen sind. Mehrere Menschen seien gestorben, gefoltert oder sexuell missbraucht worden (detaillierte Informationen zu den Vorwürfen lesen Sie hier).

Kooperationen mit dem WWF auf dem Prüfstand

WWF International hat angekündigt, die Vorwürfe aufarbeiten zu wollen, auch das Landesbüro Deutschland hat Untersuchungen eingeleitet. Ein erster Untersuchungsbericht bescheinigt dem WWF Mängel bei der Sorgfaltspflicht in Bezug auf Menschenrechte (mehr dazu lesen Sie hier). Auch die Regierung in Großbritannien und das US-Repräsentantenhaus prüfen die Vorwürfe in den jeweiligen Landesbüros.

Man wolle darauf hinwirken, dass die Vorwürfe zufriedenstellend geklärt würden, hieß es nun von Seiten des BMZ. Dabei gehe es in erster Linie darum, dass die Vorgaben aus dem deutschen Untersuchungsbericht umgesetzt würden. Wann und ob die Zahlungen wieder aufgenommen werden, würde im Einzelfall geprüft. Man nehme die Vorwürfe sehr ernst. Der WWF habe sich zugleich in einer Vielzahl anderer Projekte als zuverlässiger Partner erwiesen.

Laut "BuzzFeed" zahlt auch die staatliche "Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit" (GIZ) Fördergelder für das fragliche WWF-Projekt derzeit nur unter Vorbehalt. Gegenüber dem SPIEGEL wollte die GIZ den Bericht nicht kommentieren, bestätigte aber, dass sie ihre Kooperationen mit dem WWF überprüft.

KfW schloss neuen Fördervertrag ab

Der WWF verweist darauf, dass sich das Projekt im Salonga-Nationalparkt derzeit zwischen zwei Projektphasen befinde. Gemeinsam mit der KfW erarbeite man derzeit ein Konzept, wie die nächste Projektphase umgesetzt werden könne.

Wie viel Geld KfW und GIZ bislang an die von den Vorwürfen betroffenen Projekte gezahlt haben, ist nicht bekannt. Auch zur Frage, unter welchen Voraussetzungen Zahlungen zurückgefordert werden könnten, wollten KfW und GIZ laut "BuzzFeed" keine Angaben machen, da die vertragliche Vertraulichkeitspflicht gelte.

Im September 2018 hat die KfW einen neuen Finanzierungsvertrag mit der kongolesischen Naturschutzbehörde unterzeichnet, obwohl sie damals bereits von möglichen Menschenrechtsverletzungen wusste. Eine im Januar 2019 unterzeichnete Zusatzvereinbarung verpflichte die Partner der KfW dazu, Sozial- und Umweltstandards einzuhalten, so das BMZ.

Die Mittel sollen für insgesamt sechs Schutzgebiete in der DR Kongo verwendet werden. Laut "BuzzFeed" sollen über drei Jahre hinweg von insgesamt 20 Millionen Euro Fördergeld 1,3 Millionen Euro in den Salonga-Nationalpark fließen.

insgesamt 15 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Anna-Lena19 24.07.2019
1.
Wer sich ein wenig mit den Gegebenheiten in Nationalparks im Kongo (und nicht nur dort, sondern auch in anderen Ländern) auskennt, weiß, dass die Wilderer meist aus den angrenzenden Dörfern kommen und viele der Zivilisten in diesen Dörfern von der Wilderei leben. Es ist ein schwieriges Thema, aber der Schutz der Nationalparks ist leider ohne Gewalt (aus oben genanntem Grund auch gegen die sogenannte Zivilbevölkerung) nur schwer möglich.
weltverbesserer75 24.07.2019
2.
Der Kongo ist ein arg gebeuteltes Land, die Menschen leben teilweise in größter Armut. Für viele Dörfer in der Nähe von Nationalparks ist die Wilderei daher die größte Einnahmequelle. Dies ist ein extrem spannungsgeladenes Umfeld. Tierschutz und die (wirtschaftlichen) Interessen der Menschen lassen sich häufig nur schwer miteinander vereinbaren. Ich bleibe dem WWF als Spender treu. Der Artenschutz ist wichtig. Ich hoffe, dass sich die Konflikte zwischen dem Naturschutz und den Menschen dort künftig reduzieren lassen. Ganz vermeiden lassen sie sich jedoch wohl leider nicht.
fisch4567 24.07.2019
3. Dann heiligt der Zweck die Mittel?
Zitat von Anna-Lena19Wer sich ein wenig mit den Gegebenheiten in Nationalparks im Kongo (und nicht nur dort, sondern auch in anderen Ländern) auskennt, weiß, dass die Wilderer meist aus den angrenzenden Dörfern kommen und viele der Zivilisten in diesen Dörfern von der Wilderei leben. Es ist ein schwieriges Thema, aber der Schutz der Nationalparks ist leider ohne Gewalt (aus oben genanntem Grund auch gegen die sogenannte Zivilbevölkerung) nur schwer möglich.
Bei allem Verständnis für die Situation in Schwarzafrika finde ich die Einstellung, dass es zum Schutz von Nationalparks und den dort lebenden Tieren legitim sein soll, Menschenrechte zu verletzen (Mord, Vergewaltigung, ...) äußerst grenzwertig.
andreas.spohr 24.07.2019
4. Menschenrechte müssen beachtrt werden!
Aber es ist auch nachzuvollziehen wie schwierig das in einem Land wie der DR Kongo ist. Hier stoßen zu viele unterschiedliche Interessen aufeinander. Der WWF leistet wichtige Arbeit, er braucht die staatlichen Hilfe. Wenn diese zurückgehalten wird, wird alles noch schlimmer. Ich überlege, ob ich ihm eine Extra-Spende zukommen lasse. Vielleicht tun das andere auch.
juanth 24.07.2019
5. Wilderer sind schwer bewaffnet,
die kann man nicht mit Worten überzeugen. Wer Afrika auch nur ein bisschen kennt, weiss dass dort Wilderei ein Riesengeschäft ist, und die besser ausgerüstet sind als die Bundeswehr. In diesen Ländern hilft nun mal nur die handfeste Durchsetzung, oder aber Good Bye Natur.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.