Sansibar Neue Therapie senkt Zahl der Malaria-Toten drastisch

Mediziner melden einen Erfolg im Kampf gegen Malaria. Der flächendeckende Einsatz einer neuen Medikamenten-Kombination auf der Insel Sansibar hat die Zahl der Kinder, die dort an Malaria sterben, enorm gesenkt.


Nairobi/San Francisco - Der Kampf gegen Malaria läuft auf Hochtouren: Gleich zwei Dutzend ernstzunehmende Impfstoffe gegen die Krankheit, die weltweit pro Jahr mindestens eine Million Todesopfer fordert, befinden sich derzeit in der Erprobung. Auch die Behandlung bereits infizierter Menschen macht Fortschritte: Mediziner melden einen beeindruckenden Erfolg gegen Malaria auf Sansibar.

Anophelesmücke: Forscher melden Erfolg im Kampf gegen Malaria
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Anophelesmücke: Forscher melden Erfolg im Kampf gegen Malaria

Auf der Insel vor der Ostküste Afrikas haben die Ärzte ein neues Medikament flächendeckend angewandt - und konnten so die Malaria-Todesfälle unter Kindern binnen drei Jahren um drei Viertel senken, heißt es im Online-Fachblatt "PLoS Medicine" . Die Gesamt-Sterblichkeit bei den unter Fünfjährigen habe sich dadurch glatt halbiert, schreibt das Team um Achuyt Bhattarai vom schwedischen Karolinska-Institut.

Seit Anfang 2003 haben Malariapatienten auf Sansibar freien Zugang zu einer neuen Kombinationstherapie aus dem pflanzlichen Wirkstoff Artemisinin und anderen Wirkstoffen. Diese neue Behandlungsstrategie, die von der Weltgesundheitsorganisation empfohlen wird, habe bis 2005 den Anteil der Fünfjährigen, in deren Blut Malariaparasiten gefunden worden sei, halbiert. Nachdem seit Anfang 2006 auch noch kostenlose, mit Insektengift imprägnierte Moskitonetze an Kinder und Schwangere verteilt würden, seien darüber hinaus zehnmal weniger Kinder infiziert worden als noch 2005, berichten die Forscher.

Malaria
Die Krankheit
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Malaria zählt zu den tödlichsten Infektionskrankheiten der Welt: Statistisch gesehen stirbt allein in Afrika etwa alle 30 Sekunden ein Kind an der Krankheit. Pro Jahr fallen ihr insgesamt mindestens eine Million Menschen zum Opfer, die meisten davon Kinder unter fünf Jahren. Der Erreger der Malaria tropica, der einzellige Parasit Plasmodium falciparum, wird durch den Stich weiblicher Stechmücken der Gattung Anopheles von bereits infizierten Menschen auf gesunde übertragen.
Schutzmaßnahmen
Einen Impfstoff gegen Malaria gibt es derzeit nicht. Deshalb gilt es, eine Ansteckung von vornherein zu vermeiden, indem man sich in moskitosicheren Räumen aufhält, mit Insektiziden imprägnierte Moskitonetze benutzt und langärmlige Kleidung trägt.
Chemische Vorbeugung
Prophylaxe-Medikamente bieten keinen absoluten Schutz vor einer Malaria, erhöhen aber die Sicherheit. Über die Art der Malaria-Prophylaxe muss individuell der Arzt entscheiden, anhand des Reisezieles, der Reisezeit, der Reisedauer und des Reisestils. Dabei müssen Vorerkrankungen und Unverträglichkeiten sowie Besonderheiten bei der Medikamenteneinnahme beachtet werden. Bei Reisen in Gebiete mit hohem Malaria-Risiko ist eine Chemoprophylaxe empfehlenswert. Wenn in Gebieten mit niedrigem oder mittlerem Malaria-Risiko keine regelmäßige Chemoprophylaxe durchgeführt wird, sollte ein Reservemedikament mitgeführt werden. Es sollte nur bei verdächtigen Symptomen, fehlender ärztlicher Versorgung und nur im Notfall eingenommen werden ("Standby").

Die Wissenschaftler hatten 2003, 2005 und 2006 Blutproben von unter 14-Jährigen aus allen Gesundheitszentren eines Inselbezirks auf Malariaparasiten untersucht. Darüber hinaus registrierten sie die allgemeine Sterblichkeit sowie malariabedingte Krankenhauseinweisungen, Bluttransfusionen und Todesfälle bei kleinen Kindern. Das Klima sei während des gesamten Untersuchungszeitraums gleich günstig für Malariainfektionen geblieben, betonen die Forscher.

Die Ergebnisse beträfen zwar erst eine vergleichsweise kurze Zeit seit Einführung der beiden Antimalariastrategien und bedürften einer Bestätigung durch längere Untersuchungen. Sie legten jedoch nahe, dass die neue Kombinationstherapie ACT zusammen mit dem weit verbreiteten Gebrauch imprägnierter Moskitonetze helfen könnten, Malaria als Volksleiden im südlichen Afrika stark zurückzudrängen, meinen die Autoren.

Erst im Oktober haben Mediziner Fortschritte bei der Entwicklung des Malaria-Impfstoffs RTS,S gemeldet. Im Mai kündigte John McNeil von der PATH Malaria Vaccine Initiative im Interview mit SPIEGEL ONLINE an, dass innerhalb der nächsten fünf Jahre ein wirksamer Impfstoff gegen Malaria entwickelt werde.

mbe/dpa



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