Börsengang von Saudi Aramco Der wertvollste Klimasünder der Welt

Ein einziges Unternehmen ist für fast fünf Prozent aller von Menschen ausgestoßenen Treibhausgase verantwortlich: Saudi Aramco. Bald soll ein Teil des Konzerns an der Börse gehandelt werden.

An der saudi-arabischen Börse Tadawul sollen Aktien von Saudi Aramco schon bald gehandelt werden
Fayez Nureldine / AFP

An der saudi-arabischen Börse Tadawul sollen Aktien von Saudi Aramco schon bald gehandelt werden

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Im vergangenen Jahr waren es gute 111 Milliarden Dollar Gewinn, in den ersten neun Monaten von 2019 kamen trotz der Raketen- und Drohnenangriffe auf die Ölfabrik Abkaik und das Ölfeld Khurais noch einmal mehr als 68 Milliarden dazu - das Öl- und Gasunternehmen Saudi Aramco macht gute Geschäfte. Genau genommen handelt es sich um die profitabelste Firma der Welt, noch vor bekannten IT-Cashcows wie Apple, Microsoft oder der Google-Mutter Alphabet.

Bisher floss das reichlich sprudelnde Geld von Saudi Aramco in den saudi-arabischen Haushalt. Etwa 60 Prozent der Staatseinnahmen entfallen auf den Verkauf von Öl und Gas. In Zukunft sollen sich nun auch internationale Investoren an dem Unternehmen beteiligen können. Ein kleiner Teil der Aktien soll an der an der saudi-arabischen Wertpapierbörse Tadawul gehandelt werden. Die zuständige Finanzmarktbehörde CMA hat am Sonntag die entsprechende Erlaubnis erteilt. Später sollen die Aktien auch an internationalen Handelsplätzen angeboten werden.

Es dürfte der größte Börsengang aller Zeiten werden. Bisher hält den Rekord das chinesische Unternehmen Alibaba, das vor fünf Jahren auf Einnahmen von 25 Milliarden Dollar kam. Ob Saudi Aramco diese Marke überschreitet, ist zwar noch nicht sicher. Denn wie groß der Anteil der Firma ist, der zum Verkauf angeboten wird, steht noch nicht fest. Im Gespräch sind beispielsweise zwei Prozent. Ebenso wenig ist bisher klar, wie viel Geld die saudi-arabische Regierung mit dem Deal einnehmen wird. Aber es wird um einen zweistelligen Milliardenbetrag gehen, das ist sicher. Der Gesamtwertwert von Saudi Aramco läge damit jenseits von einer Billion Dollar. Es könnten auch mehr als zwei Billionen sein.

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Viele Konzerne verdienen noch immer gutes Geld mit der Förderung und dem Verkauf fossiler Brennstoffe. ExxonMobil, Shell, BP, Chevron und Total zum Beispiel. Doch Saudi Aramco nimmt eine besondere Rolle in der Industrie ein. In den vergangenen Jahren habe sein Unternehmen jedes achte Barrel des weltweit produzierten Rohöls gefördert, hat Firmenchef Amin H. Nasser gerade erklärt. Die nachgewiesenen Vorkommen im Besitz des Unternehmens seien Ende 2018 fünfmal größer gewesen als die der größten internationalen Ölkonzerne, so der Manager.

Geld kann ein Unternehmen wie Saudi Aramco nur verdienen, wenn es auf lange Sicht weiter in großen Mengen fossile Brennstoffe fördert und exportiert. Dabei hat der Weltklimarat vorgerechnet, was zu tun ist, wenn die Menschheit die Erderwärmung auf 1,5 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit begrenzen will: Bis zum Jahr 2050 müssen erneuerbare Energien - also Biomasse, Wasserkraft, Wind und Solar - 70 bis 85 Prozent des weltweiten Stromverbrauchs decken. Auf Gas dürften weitere acht Prozent entfallen - aber nur, wenn die nicht unumstrittene CCS-Technik angewendet wird, also die Abtrennung und spätere Speicherung des CO2 im Boden.

Für fossile Brennstoffe ist wegen ihrer Klimawirkung in einem verantwortungsvollen Wirtschaftssystem also eher früher als später kein Platz mehr. Doch Konzerne wie Saudi Aramco sind darauf angewiesen, dass sie ihre Produkte noch viele Jahrzehnte verkaufen - und damit auch weiter die Atmosphäre belasten.

Die britische Zeitung "Guardian" hat unlängst unter Berufung auf Zahlen des Climate Accountability Institute berichtet, dass Saudi Aramco das Einzelunternehmen mit dem weltweit höchsten Anteil an den menschgemachten Emissionen an klimawirksamen Gasen, allen voran Kohlendioxid, ist. Für die Zeit zwischen 1965 und 2017 kamen demnach etwa 60 Gigatonnen an Treibhausgas-Ausstoß zusammen. Das entspricht knapp 4,4 Prozent aller nicht-natürlichen Emissionen.

Wer kauft nun also solche Aktien? Zum Beispiel Institutionen, die zumindest kurzfristig auf gute Gewinne hoffen. Das könnten zum Beispiel Pensionsfonds sein. Nicht alle, aber einige. (Lesen Sie hier, warum Norwegens Staatsfonds Milliarden aus fossilen Industrien abzieht und in grüne Technologien investiert.) Oder die bei vielen Anlagern beliebten Indexfonds, wenn Saudi Aramco international gehandelt wird und damit Teil eines wichtigen Börsenindexes wird. Dann könnten auch wohlmeinende Kleinanleger ihre Renditen mit dem Verschmutzen der Atmosphäre verdienen.

75 Milliarden Dollar für die Aktionäre

Saudi Aramco hat in Aussicht gestellt, im kommenden Jahr eine Dividende von 75 Milliarden Euro an die Aktionäre ausschütten zu wollen. Zur Einordnung: Für diesen Betrag könnte man nach aktueller Marktkapitalisierung die Firmen Continental und Bayer komplett kaufen. Also beide zusammen. In einem Börsenprospekt aus dem Frühjahr musste Saudi Aramco allerdings auch eingestehen, dass die Folgen des Klimawandels und die Diskussionen darüber ein Risiko für die eigene Profitabilität darstellen.

Kaum jemand möchte heute öffentlich als Klimasünder dastehen. Saudi Aramco gehört daher mit einem Dutzend anderen großen Firmen der Branche zur Oil and Gas Climate Initiative (OGCI). Die Mitglieder machen sich nach eigenem Bekunden unter anderem dafür stark, dass die Nutzung der CCS-Technik ausgebaut wird. Genaugenommen sprechen sie von der CCUS-Technik, weil der bei Verbrennung von fossilen Energieträgern anfallende Kohlenstoff nicht nur im Boden weggesperrt werden, sondern am besten in der Industrie genutzt werden soll. Daher das "U" vom englischen Wort "use", also "benutzen".

Die OGCI unterstützt nach eigenen Worten die Ziele des Klimaabkommens von Paris und erklärt, das Ziel von global gesehen null Netto-Emissionen an Treibhausgasen anzustreben. Etwas verkürzt ausgedrückt heißt das: Die Verbrennung fossiler Energieträger ist schon ok, wenn das entstehende CO2 nur abgetrennt und im Boden gespeichert wird.

Bremser bei den Klimaverhandlungen

Dass der saudi-arabischen Regierung der internationale Klimaschutz nicht besonders am Herzen liegt, hat sich freilich immer wieder auf den internationalen Klimakonferenzen gezeigt. Hier trat das Land oft als Bremser auf und konnte sich dabei lange Zeit als Interessenvertreter der Entwicklungs- und Schwellenländer inszenieren.

National hat Saudi-Arabien freilich durchaus Interesse an der Förderung umweltfreundlicher Energien, etwa der großflächigen Stromerzeugung mit Solarmodulen. Zwar sind öffentlichkeitswirksam angekündigte Ausbauziele für die Photovoltaik teils auch wieder kassiert worden, aber die Regierung hat klargemacht, dass sie an das Potenzial der Technik unter anderem für den Betrieb von Meerwasserentsalzungsanlagen glaubt.

Kritiker wiederum erwidern, das habe vor allem einen Grund: Wenn weniger Öl als bisher für die Herstellung von trinkbarem Wasser im eigenen Land verbraucht wird, kann mehr exportiert werden.

insgesamt 37 Beiträge
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Seite 1
richey_edwards 04.11.2019
1. Mir wurscht als Klimasünder dazustehen
Diese Öko-Mode geht wie Peak-Oil, Überbevölkerung, Waldsterben usw, auch wieder vorbei. Die Firma wird's dann mit weiterhin guten Profiten immer noch geben.
pluuto 04.11.2019
2. Wieder typische Spiegel- Polemik:
"Doch Konzerne wie Saudi Aramco sind darauf angewiesen, dass sie ihre Produkte noch viele Jahrzehnte verkaufen - und damit auch weiter die Atmosphäre belasten." Ich würde sagen: Die Kunden sind auf das Öl angewiesen und belasten die Umwelt.
exHotelmanager 04.11.2019
3. Verantwortung
trägt jeder Mensch selbst. Die Behauptung, dass ein Unternehmen wie ARAMCO die Verantwortung dafür trage, dass Menschen Verbrennungsmotoren und Ölheizungen einsetzen, ist völlig abwegig.
j.oder 04.11.2019
4. Versteh ich jetzt nicht
DER SPIEGEL, vom Namen, Geschichte und "Kriegen" her, kann sich doch mehr erlauben, als eine solche "mafiöse", historische Gemeinschaft nur als "Der wertvollste Klimasünder der Welt" zu benennen. Der Titel machts, den Rest weiss jeder oder liesst es in den Kommentaren, "links" inkl.. 30 Jahre für manche, befreit Euch auch !
grandma_moses 04.11.2019
5. Interessante Einschätzungen!
Meine Vorkommentatoren meinen, dass das Unternehmen nicht dafür verantwortlich ist, einen vorhandenen Bedarf einzelner Menschen zu stillen. Über diese Einschätzung empfehle ich nochmals nachzudenken - weitergedacht erlaubt diese Meinung die Komplettlegalisierung aller Drogen und Substanzen, das Töten aller Tiere, um zB Hörner oder Flossen zu gewinnen oder auch das Abholzen des kompletten Regenwaldes. 'Sobald irgendeine Form des Bedarfs besteht, ist es legitim, diesen zu stillen' ist eine der kurzfristigsten und am wenigsten durchdachten Meinungen, die man als Mensch haben kann. Einen schönen Abend noch!
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