Saurierexperten "Seiner ist fetter, aber kleiner"

Unter Paläontologen gilt Argentinien als Land der Superlative. Nun ist zwischen einheimischen Experten ein skurriler Streit um den größten je gefundenen Dinosaurier entbrannt.


Paradies für Paläontologen: Saurierfriedhof in der argentinischen Provinz Chubut
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Paradies für Paläontologen: Saurierfriedhof in der argentinischen Provinz Chubut

Buenos Aires - Argentinien ist ein Paradies für Paläontologen: Das südamerikanische Land birgt nicht nur Unmengen von Fossilien, sondern auch beeindruckend große. Ein Dinosaurier des urzeitlichen Argentiniens hält - sehr zum Stolz der einheimischen Forscher - sogar einen Weltrekord. Der Argentinosaurus, ein Pflanzen fressender Koloss, gilt mit einem Gewicht von 80 bis 100 Tonnen und einer Länge von bis zu 45 Metern als größter je gefundener Dinosaurier.

Doch nun hängt der Haussegen im Land der Riesensaurier schief. Ein Team um den Paläontologen Jorge Calvo förderte auf einem verlassenen Ölfeld in der patagonischen Provinz Rio Negro acht gigantische Wirbelsäulen zu Tage, die den Argentinosaurus vom Thron stoßen sollen. Der zugehörige Sauropode wog zu Lebzeiten vermutlich 90 bis 100 Tonnen und war 40 Meter lang, schätzt Calvo und behauptet mit Blick auf das womöglich leicht höhere Durchschnittsgewicht: "Man kann mit Sicherheit sagen, dass dieser Saurier der größte ist."

Das will Kollege Carlos Munoz, ebenfalls Entdecker eines Riesensauriers, nicht gelten lassen. "Seiner ist vielleicht fetter, aber er ist kleiner", stichelt der Paläontologe. Sein Team fand im letzten Jahr die Überreste eines noch nicht eindeutig klassifizierten Ungetüms, für das die Forscher ihrerseits den Titel "größter Dinosaurier" einfordern. Ihr Pflanzenfresser kann sich zwar im Gewicht nicht mit dem von Calvo entdeckten Exemplar messen, war dafür aber geschätzte zehn Meter länger.

Neben dem Streit um den größten Saurier gibt es auch die Kontroverse um den bedeutendsten Fund. Den ersten Preis in dieser Disziplin beanspruchte kürzlich eine Gruppe von Paläontologen, die in der Provinz Chubut auf einen Hunderte von Quadratkilometern großen Dinosaurierfriedhof stieß. Bislang gab das Terrain, von den Forschern unbescheiden "Jurassic Park" betitelt, bereits vier neue Dinosaurierarten und ein ebenfalls zuvor unbekanntes urzeitliches Säugetier frei.



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