Schädel Knochenschwund macht Gesicht alt

Das typische Gesicht älterer Menschen wird nicht allein von Falten und erschlaffendem Gewebe geformt. Auch schrumpfende Knochen sind für die Veränderungen verantwortlich.


Jung und alt: Gesichtsknochen bisher übersehen

Jung und alt: Gesichtsknochen bisher übersehen

Was tun Menschen nicht alles, um zu kaschieren, dass sie längst jenseits der 50 sind: Da wird geliftet, eigenes Fett injiziert, Botox gespritzt. US-Forscher glauben, dass man zusätzlich auch an den Gesichtsknochen Hand anlegen müsste, um die Illusion ewiger Jugend zu wahren.

Knochen im mittleren Gesichtsbereich tragen nach Erkenntnissen der Stanford-Mediziner Robert Shaw und David Kahn sehr viel mehr zum Altern bei als bislang angenommen. Um ein Gesicht effektiv zu verjüngen, müsse daher auch das fehlende Knochenvolumen ersetzt werden, sagten sie auf dem Jahrestreffen der American Society of Plastic Surgeons in Chicago.

Die Chirurgen von der Stanford University hatten festgestellt, dass sich Form und Größe einiger Gesichtsknochen mit dem Alter unerwartet stark verändern und dadurch Position und Erscheinung der Weichteile wie Nase, Wangen und Stirn entscheidend beeinflussen. Diese Veränderungen betreffen zwar Frauen und Männer gleichermaßen, treten jedoch bei Frauen deutlich früher auf.

Im Lauf der Jahre erschlaffen die Gesichtszüge eines Menschen: Wangen und Hals sinken herab, es bilden sich Krähenfüße und Falten, und die Haut scheint zu groß für das Gesicht zu werden. Bislang haben Mediziner dafür hauptsächlich Gewebeveränderungen verantwortlich gemacht. So verliert beispielsweise die Haut durch den Abbau von Kollagen ihre Elastizität, und schmelzende Fettpolster, die Schwerkraft und die ständige Beanspruchung durch die Muskelbewegungen vermindern die Festigkeit des Gewebes.

Offenbar wurden jedoch die Gesichtsknochen als entscheidender Faktor bislang übersehen, meinen Shaw und Kahn nun. Die Chirurgen hatten aus Aufnahmen der Schädelknochen von 30 Männern und 30 Frauen, die mittels Computer-Tomographie angefertigt wurden, dreidimensionale Rekonstruktionen der Gesichter angefertigt und die Winkel zwischen verschiedenen Knochen in verschiedenen Altersgruppen verglichen. Das Ergebnis: Stirnbein, Oberkieferknochen und die Knochenteile, die die Nasenöffnung umgeben, verlieren im Alter deutlich an Volumen. Bei Frauen beginnt dieser Prozess bereits zwischen 25 und 45 Jahren, bei Männern eher zwischen 45 und 65, zeigte die Auswertung.

Diese Veränderungen hätten deutliche Auswirkungen auf das Aussehen des Gesichts, berichten die Forscher: Wenn sich beispielsweise der Stirnknochen zurückzieht, senkt sich auch die Stirn, und die Augenbrauen sinken unter den Rand der Augenhöhle. Dadurch wirke die Haut des oberen Augelids, als sei Luft herausgelassen worden. Die Veränderung des Oberkieferknochens führt außerdem dazu, dass die Fettpolster der Wangen nach unten und vorne rutschen und die Falten zwischen Nase und Mundwinkeln prominenter erscheinen lassen. Schließlich verlängert die Vergrößerung der Nasenöffnung die Nase und lässt sie nach unten sinken.



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