Schädelfund Der Titanosaurier bekommt ein Gesicht

An Titanosaurier-Funden herrscht kein Mangel, doch fast immer fehlt der Schädel. Ein in Madagaskar entdecktes, fast komplettes Skelett verleiht den urzeitlichen Riesen nun ein Aussehen.


Nach einem bösen Riesen benannt: Rapetosaurus krausei
SUNY

Nach einem bösen Riesen benannt: Rapetosaurus krausei

Titanosaurier waren Kosmopoliten: Bis kurz vor dem Massensterben vor rund 65 Millionen Jahren hatte sich die letzte überlebende Untergruppe der Sauropoden fast über den gesamten Globus verbreitet. Doch während sich Paläontologen von früheren Riesen wie etwa dem Brachiosaurus ein recht gutes Bild machen konnten, blieb das Aussehen ihrer Nachfolger aus der späten Kreidezeit ein Rätsel. Von den mehr als 30 bekannten Titanosaurier-Arten ist kein kompletter Schädel erhalten.

Mit einem Fund in Madagaskar hat sich das nun geändert. In einem Steinbruch nahe der Hafenstadt Mahajanga stießen Forscher auf eine beeindruckende Knochen-Kollektion, die sie jetzt im Fachmagazin "Nature" vorstellen. Zu den Stücken zählen der Schädel eines erwachsenen Sauriers sowie die Überreste eines Jungtiers - nach Angaben der Wissenschaftler das vollständigste bislang entdeckte Skelett eines Titanosauriers.

Die neue Titanosaurier-Art, die vor etwa 70 Millionen Jahren lebte, wurde nach einem bösen Riesen aus einer madegassischen Legende auf den Namen Rapetosaurus krausei getauft. Ein erwachsenes Tier erreichte eine Länge von rund 17 Metern und war damit klein im Vergleich zum gigantischen Argentinosaurier, der ebenfalls zu den Titanosauriern gehört und es vermutlich auf mehr als 40 Meter brachte.

Doch in diesem Fall spielt die Größe eine weniger wichtige Rolle. "Für Paläontologen war besonders frustrierend, dass wir bislang keine Vorstellung hatten, wie ein Titanosaurier-Schädel aussieht", erklärt die Co-Autorin Kristina Curry Rogers vom Science Museum of Minnesota. "Rapetosaurus ermöglicht uns den ersten Blick auf einen Titanosaurier vom Kopf bis zur Schwanzspitze."

Die Analyse des Rapetosaurier-Schädels zeigte unter anderem, dass die Nüstern des Pflanzenfressers nicht, wie etwa beim Pferd, an der Spitze der Schnauze lagen, sondern auf ihrer Oberseite. Solche Details liefern den Paläontologen wichtige Aufschlüsse über die verwandtschaftlichen Beziehungen der Saurier. So konnten die in der Mongolei gefundenen Arten Nemegtosaurus und Quaesitosaurus, bei denen ähnliche physiognomische Merkmale bislang Verwirrung stifteten, nun sicher den Titanosauriern zugeordnet werden.

Auch der Rest des Rapetosaurier-Körpers erlaubt das Knüpfen neuer Familienbande. Der Fund sei "besonders aufregend, weil er eine enge Beziehung zwischen den Titanosauriern und den Brachiosauriern bestätigt", sagt Rich Lane von der National Science Foundation. "Das konnte man vorher nur vermuten."

Martin Paetsch



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