Zweiter Weltkrieg im Pazifik Tiefseeforscher finden Wrack aus der Schlacht von Midway

Es sollte ein Überraschungsangriff auf die US-Flotte werden, doch er endete für Japan im Desaster. Vor der Insel Midway wurde das Wrack eines japanischen Flugzeugträgers aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt.

Vulcan Inc/AP

Tiefseeforscher und Historiker sind auf dem Grund des Pazifiks nordwestlich von Hawaii auf Wracks der berühmten Seeschlacht von Midway im Zweiten Weltkrieg gestoßen. Mithilfe von Sonaraufnahmen konnten die Wissenschaftler die Überreste genau vermessen. Nun sind sie sich sicher: Eines der Wracks muss der japanische Flugzeugträger "Akagi" sein.

Die Seeschlacht gilt als Wendepunkt im Zweiten Weltkrieg. Im Juni 1942 griff die japanische Seestreitmacht die winzigen Midway-Inseln im nördlichen Pazifik an, die zu den Vereinigten Staaten gehören. Die Inseln liegen auf halber Strecke zwischen Kalifornien und Japan, daher auch der Name.

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Japanischer Flugzeugträger: Das rote Schloss

Die Japaner wollten die Kriegsflotte der USA mit dem Überraschungsangriff aus der Reserve locken und möglichst versenken. Doch US-Abwehrspezialisten hatten das japanische Codesystem geknackt. Die Japaner liefen in eine Falle.

Das Wrack des Flugzeugträgers "Akagi", was übersetzt so viel wie "rotes Schloss" bedeutet, liegt in gut 5490 Meter Tiefe, etwa 2000 Kilometer nordwestlich von Pearl Harbor im Meeresschutzgebiet Papahanaumokuakea. Das Schiff war von US-Flugzeugen schwer getroffen worden. Als klar wurde, dass es nicht mehr zu retten ist, wurde es evakuiert und durch einen japanischen Zerstörer versenkt.

"Das Wrack liegt aufrecht"

Die Forscher setzten ein autonom fahrendes unbemanntes Unterwasserfahrzeug ein, das das Wrack mithilfe von Sonar untersuchte. Samstagnacht hatte das Fahrzeug Messungen durchgeführt, die am Sonntag zusammen das Bild eines Kriegsschiffs ergaben.

Weil die ersten Scans mit einer geringen Auflösung gemacht worden waren, schickten die Forscher das Vehikel erneut in die Tiefe, um noch bessere Aufnahmen zu machen. Danach bestand für die Wissenschaftler kein Zweifel mehr. "Ich bin sicher, bei allem, was wir sehen und was wir aus dem Bild ableiten können: Es kann nichts anderes sein als die 'Akagi'", sagte Rob Kraft vom Unternehmen Vulcan Inc., das auch Tiefseeforschung betreibt.

Das Schiff liegt inmitten eines Trümmerhaufens. Der Meeresboden wurde durch den Aufprall deutlich aufgewühlt. "Das Wrack liegt aufrecht", sagt Kraft. Der Bug und das Heck sind deutlich zu erkennen. Ein Teil des Flugdecks ist zerrissen.

Die Besatzung des Forschungsschiffs "Petrel" hatte jahrelang mit der US-Marine und anderen Behörden auf der ganzen Welt zusammengearbeitet, um gesunkene Schiffe aufzuspüren. In der vergangenen Woche hatten die Forscher ein weiteres Wrack der Schlacht von Midway identifiziert. Es handelte sich ebenfalls um einen japanischen Flugzeugträger namens "Kaga".

"Wir haben von der Schlacht gelesen, wir wissen, was passiert ist", sagt Historiker Frank Thompson vom Naval History and Heritage Command, das die Geschichte der U.S. Navy bewahren soll. "Aber wenn man diese Wracks auf dem Grund des Ozeans sieht, bekommt man ein Gefühl dafür, wie hoch der wahre Preis von Krieg ist", sagt Thompson weiter. Mehr als 3300 Menschen kamen bei der Schlacht ums Leben. Die Forscher hoffen nun, alle Wracks aufzuspüren.

Der Milliardär und Mitbegründer von Microsoft, Paul Allen, hatte die Suche nach den Wracks initiiert. Er starb im vergangenen Jahr.

koe/AP



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vulcan 21.10.2019
1.
Von einer 'Falle' kann nicht so recht die Rede sein - die US Navy schickte ihre Flugzeugträger in das Seegebiet um Midway, als (fast) klar war, dass die Inseln das Ziel dieses japanischen Angriffs sein würden. So kam es halt zur Schlacht um Midway, bei der die Japaner auch ziemliches Pech hatten, das alle vier Flugzeugträger versenkt wurden.
tbc71 21.10.2019
2. Vielleicht hätte man ...
... die Fotostrecke noch mit einigen "Japan"- und "USA"-Symbolbildern auffüllen können, (Kimonos und Burger?), damit auch dem letzten SPON-Kunden klar geworden wäre, dass man zwar nur ein einziges relevantes Bild für die Geschichte hatte, aber für die Werbekunden dringend irgendwie mehr klicks generieren musste. Wer warum was bezahlt, um den exakten Ort des Wracks zu bestimmen, dessen grobe Position sowieso überliefert war, halte ich außerdem für deutlich weniger interessant als etwa genauere Informationen zum Schlachtverlauf, der Bewaffnung und Kampfkraftanalyse der in dieser Schlacht beteiligten Militärfahrzeuge.
Southwest69 21.10.2019
3.
Was denn sonst als eine Falle ? Ab Minute 12.30 kommt das in dieser Doku zur Sprache. Generäle auf dem Schlachtfeld E02 Die Schlacht um Midway https://www.youtube.com/watch?v=FtaQ3jZE9OI Der Verfasser dieses Artikels liegt richtig. Information ist alles im Leben und Flexibilität. Das haben die Amerikaner gut hinbekommen.
mori1982 21.10.2019
4. Meine These
Der Angriff am 7. Dez 41 war schon die Falle. Ein paar 1. WK Schlachtschiffe geopfert und dafür einen Krieg bekommen. Zum Kriegsbeginn hatte die USA über 100 Flugzeugträger und Hilfsflugzeugträger im Bau gegen über 10 Flugzeugträger auf japanischer Seite. Von dem restliche Kräftverhältnis ganz zu schweigen. Man kann viel lernen aus dem Pazifikkrieg, buw die politische Entwicklung dahin. Ist heute 1 zu 1 immer noch so in der amerikanischen Außenpolitik.
mwroer 21.10.2019
5.
Zitat von tbc71... die Fotostrecke noch mit einigen "Japan"- und "USA"-Symbolbildern auffüllen können, (Kimonos und Burger?), damit auch dem letzten SPON-Kunden klar geworden wäre, dass man zwar nur ein einziges relevantes Bild für die Geschichte hatte, aber für die Werbekunden dringend irgendwie mehr klicks generieren musste. Wer warum was bezahlt, um den exakten Ort des Wracks zu bestimmen, dessen grobe Position sowieso überliefert war, halte ich außerdem für deutlich weniger interessant als etwa genauere Informationen zum Schlachtverlauf, der Bewaffnung und Kampfkraftanalyse der in dieser Schlacht beteiligten Militärfahrzeuge.
Das was Sie wollen gibt es im Internet bis zum erbrechen - seit 40 Jahren - runtergebrochen bis zur Länge der Paddel auf den Rettungsbooten der leichten Gefechtskreuzer der kaiserlichen japanischen Marine. Wenn Sie das auch noch hier lesen wollen ... echt nicht. Da es um die Entdeckung geht finde ich die Information wer das finanziert und warum schon spannender :) Ihrem ersten Absatz stimme ich allerdings absolut zu.
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