Schlaftherapie Spritze stellt Schnarcher ruhig

Von einem schnarchenden Partner genervte Menschen können möglicherweise aufatmen: Eine kleine Injektion in den hinteren Rachenraum soll künftig für Ruhe im Schlafzimmer sorgen.


Lautloser Schlaf: Eine kleine Injektion soll Schnarchern helfen

Lautloser Schlaf: Eine kleine Injektion soll Schnarchern helfen

Zugegeben, das Vorgehen klingt nicht gerade einladend: Ausgerechnet eine Chemikalie sollen sich Schnarcher spritzen lassen, noch dazu in den hinteren, weichen Teil des Gaumens. Und das soll dann ein für alle mal nervige Töne während des Schlafes verhindern?

Ja, sagen zumindest US-amerikanische Mediziner. Wie das britische Wissenschaftsmagazin "New Scientist" berichtet, will Scott Brietzke ein entsprechendes Wundermittel entwickelt haben. "Es ist einfach, effektiv, relativ schmerzlos und kostet pro Patient im Schnitt nur 35 Dollar", so der Forscher vor einer Versammlung amerikanischer Kopfchirurgen.

Normalerweise schnarchen Menschen, wenn beim Aus- und Einatmen das lockere Gewebe des Gaumens flattert oder gegeneinander schlägt. Das kann laut "New Scientist" im Extremfall so weit gehen, dass den Patienten während des Schlafes buchstäblich die Luft weg bleibt und sie plötzlich aufwachen. Bislang wurden derartige Beschwerden durch operative Entfernung eines Teils des Gewebes beseitigt.

Ein ähnlicher Weg wird auch mit der Sulfattherapie beschritten: Allerdings wird hierbei das Gewebe nicht entfernt, sondern durch die Injektion weniger flexibel gemacht. Das Flattern in der Atemluft verringert sich.

Die Technik, am Walter Reed Army Medical Center in Bethesda (US-Bundesstaat Maryland) entwickelt, reduziert angeblich die Lautstärke der Schnarcher von elf auf zwei Dezibel. Von den bislang 27 behandelten Patienten gab rund ein Viertel nach einem Jahr wieder Schnarchgeräusche von sich, da das Gaumengewebe weicher geworden war. Eine erneute Behandlung war allerdings in der Regel erfolgreich, so Brietzke.

Schlafexperten zeigen sich dennoch skeptisch. Neil Douglas, Chef der britischen Sleep Foundation, sagte gegenüber "BBC News Online", bereits in der Vergangenheit seien ähnlich Durchbrüche vermeldet worden, die allesamt nur kurzzeitige Erfolge hatten. Außerdem sei beim Schnarchen meist mehr Gewebe beteiligt als nur der spezielle Teil des Gaumens. Douglas gibt daher natürlichen Methoden wie Gewichtsreduktion oder Verzicht auf Alkohol den Vorzug.



© SPIEGEL ONLINE 2001
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.