Schnelles Ende "Titanic" zerfällt im Zeitraffer

Der "Titanic" droht zum zweiten Mal ein jähes Ende: Ein Jahrhundert lang konnte das Salzwasser des Atlantiks dem Wrack wenig anhaben, doch nun werden die Überreste des Dampfers überraschend schnell von Rost, Würmern und Kleinstlebewesen zerfressen.


Wrack der "Titanic": Überraschend schneller Zerfall
DPA

Wrack der "Titanic": Überraschend schneller Zerfall

18 Jahre nach Entdeckung der "Titanic" vor der kanadischen Atlantik-Küste reiste ein Forscherteam im Juli erneut an die Stelle, an der die Titanic nach langer Suche in rund vier Kilometer Tiefe gefunden worden war. Nach der Rückkehr von ihrer Expedition zeigten sich die Wissenschaftler vom schlechten Zustand des berühmtesten Wracks der Welt geschockt.

"Ich sehe einen fortgeschrittenen Verfall des Bugs, und das Grundgerüst bricht in sich zusammen", berichtete Teammitglied David Bright. Und sein Kollege Alfred McLaren sagte: "Ich wäre sehr überrascht, wenn da in zwei Jahrzehnten noch viel stehen sollte." Zwar sei die Auflösung des Schiffes zu erwarten gewesen. "Aber nicht so schnell." Nach Angaben der Expertengruppe sind der Mast, das Deck und die Offizierskabinen in nur wenigen Jahren völlig zusammengebrochen.

Die "Titanic", ein riesiger britischer Schnelldampfer, war auf ihrer Jungfernfahrt von Southampton nach New York in einer ruhigen Aprilnacht im Jahr 1912 vor Neufundland mit einem Eisberg kollidiert und gesunken. Bei der Katastrophe kamen 1517 Menschen ums Leben.

Rätselraten um die Ursachen des Zerfalls

Warum sich der Verfall des Wracks in nur kurzer Zeit derart beschleunigt hat, ist noch unklar. Einige Experten mutmaßen, dass zahlreiche Besuche von Schatzjägern und Touristen in der Tiefe den normalen Zerfallsprozess durch Rost, Salzwasser und andere natürliche Faktoren beschleunigt haben könnten.

McLaren macht hingegen eine Überfischung nahe gelegener Gewässer für die schnelle Zerstörung des Wracks verantwortlich. Wegen der geschrumpften Fischbestände habe sich die Konzentration von Mikroorganismen im Gebiet um das Wrack erhöht, die nun verstärkt an der Titanic nagten. Der Präsident der Titanic Historical Society im US-Bundesstaat Massachusetts, Edward Kamuda, sagte, die US-Regierung untersuche derzeit zusammen mit anderen Anrainerstaaten des Nordatlantiks, wie das Wrack erhalten werden könne.

"Titanic wird eins mit dem Meer"

Nach Angaben Brights machen sich auch Meereswürmer an den Überresten der Titanic zu schaffen. "Da unten gibt es Würmer, die das Teakholz des Decks fressen. Es sieht aus wie Teak, aber tatsächlich ist es nur noch der Klebstoff, der das Teak zusammenhielt." Bright selbst tauchte zur Titanic hinab, um den Zustand des Wracks auf Fotos festzuhalten. Sein Fazit: "Wir haben nicht viele Daten, aber nach allen biologischen und photometrischen Informationen läuft der Zerfall mit einem beschleunigten Tempo ab. Es gibt einen Endpunkt, an dem wird die Titanic eins mit dem Meer."



© SPIEGEL ONLINE 2003
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.