Schützende Flammen Frühmenschen nutzten Feuer später als gedacht

Frühmenschen konnten Europa nur besiedeln, weil sie mit Flammen umgehen konnten - dachte man bislang. Doch ein Forscherduo zeigt jetzt: Unsere Vorfahren überlebten auch ohne das wärmende Feuer. Sie konnten es offenbar erst viel später gezielt einsetzen als bisher angenommen. 
Neandertaler (Nachbildung im Neanderthal-Museum): Konnten auch mit Feuer umgehen

Neandertaler (Nachbildung im Neanderthal-Museum): Konnten auch mit Feuer umgehen

Foto: A3778 Fredrik von Erichsen/ dpa

Frühmenschen beherrschten das Feuer später als bisher angenommen: Selbst als sie das kalte Europa besiedelten, konnten sie seine wärmende Kraft offenbar noch nicht gezielt einsetzen. Zu dem Ergebnis kommt ein Forscherduo, das Fundstellen früher menschlicher Aktivitäten in Europa analysiert hat.

Neandertaler

Der neuen Auswertung zufolg begannen die Frühmenschen und ihre Verwandten, die , erst vor etwa 400.000 Jahren, Feuer systematisch zu nutzen - alle älteren Funde zeigen keinerlei Hinweise auf gezielt eingesetztes Feuer. Über ihre Untersuchung berichten Paola Villa von der University of Colorado in Boulder und Wil Roebroeks von der Universität im niederländischen Leiden im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences" .

Die Herrschaft über das Feuer gilt als eine Grundlage des Erfolgs des Menschen: Es erzeugt Wärme, Licht, Schutz vor Raubtieren und macht Nahrung leichter verdaulich. Bisher vermuteten viele Experten, dass die Frühmenschen in Afrika schon vor etwa 1,6 Millionen Jahren diesen Effekt nutzten. Vor allem die kurz darauf begonnene Besiedelung Europas und Asiens sei nur mit Hilfe der wärmenden und schützenden Kraft des Feuers möglich gewesen, so die bislang gängige Ansicht. Die Untersuchung von Villa und Roebroeks lässt nun allerdings vermuten, dass die frühen Menschenformen durchaus in der Lage waren, ohne Feuer in Europa zu überleben - und das sogar über Jahrhundertausende hinweg.

Neandertaler nutzte Feuer offenbar, um Werkzeuge zu verfeinern

Die Auswertung der Forscher bezog 141 Fundorte in Europa ein. Alle Spuren, die von Experten auf ein Alter von über 400.000 Jahren geschätzt werden, zeigen den Forschern zufolge keine Hinweise auf den systematischen Gebrauch von Feuer. Erst danach finden sich Feuerspuren an Holz, Knochen oder Steinen. Besondere Eigenschaften dieser Funde lassen dabei den Schluss zu, dass es sich nicht um natürliche Feuer gehandelt haben kann, wie sie etwa bei Blitzschlägen oder Vulkanausbrüchen entstehen.

Die Ergebnisse belegen auch, dass der Neandertaler beim Gebrauch von Feuer seinen Verwandten in nichts nachstand, schreiben die Forscher. Er nutzte das Feuer offenbar bereits als komplexe Technologie: Es gebe Hinweise, dass die Frühmenschen sogar Rinde in bedeckten Erdlöchern schwelen ließen, um eine Art Pech herzustellen, berichten die Wissenschaftler. Damit verfeinerten sie vermutlich ihre Waffen und Werkzeuge. Wahrscheinlich waren sie auch bereits selber in der Lage, Feuer zu entzünden. Dies sei ein weiterer Mosaikstein, der nicht zu dem immer noch gängigen Bild des Neandertalers als keulenschwingendem Urmenschen passe, sagen die Wissenschaftler.

Der Neandertaler hat sich vor etwa 400.000 bis 500.000 Jahren in Europa entwickelt. Vor etwa 30.000 Jahren verschwand er dann, nachdem der moderne Mensch aus Afrika eingewandert war. Was der entscheidende Nachteil gegenüber den Neuankömmlingen war, bleibt weiter eine offene Frage. Die Feuernutzung kann es den aktuellen Ergebnissen entsprechend wohl nicht gewesen sein - hier unterschieden sich die beiden Menschenformen offenbar nicht grundlegend.

fln/dapd
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