Schwedische Studie Selbstmordrisiko von Geburt an vorherbestimmt

Faktoren aus frühester Kindheit beeinflussen das Risiko, dass sich ein Mensch im Laufe seines Lebens umbringt. Schwedische Wissenschaftler haben herausgefunden, dass ein niedriges Geburtsgewicht oder eine Mutter im Teenager-Alter die Suizidrate deutlich erhöhen.


Selbstmord: Geburtsgewicht unter zwei Kilogramm erhöht Risiko

Selbstmord: Geburtsgewicht unter zwei Kilogramm erhöht Risiko

Das Forscherteam aus Stockholm hatte die Daten von insgesamt 700.000 Personen ausgewertet und dabei festgestellt, dass es schon im Babyalter Risikofaktoren für einen späteren Selbstmord gibt. Beispielsweise ein niedriges Geburtsgewicht von weniger als zwei Kilogramm: Dies verdoppele die Suizidrate.

Auch wenn die Mutter zum Zeitpunkt der Geburt noch Teenagerin ist, ist das Selbstmordrisiko zweimal größer als im Durchschnitt, fanden die Wissenschaftler um Danuta Wasserman vom National Centre for Suicide Research and Prevention in Stockholm heraus. Ein höheres Alter bei Müttern ab 29 Jahren senkt hingegen die Gefahr, dass sich Kinder oder Erwachsene später umbringen, schreiben die Forscher im Fachblatt "The Lancet".

Weitere Faktoren, die die Suizidrate erhöhen, sind laut Wasserman eine Geburtsgröße von weniger als 47 Zentimetern, ein geringes Bildungsniveau der Mutter sowie mindestens drei, zum Zeitpunkt der Geburt bereits lebende Geschwister.

"Diese Studie gibt keine definitive Antwort auf die Frage, warum Menschen Selbstmord begehen", sagte Wasserman gegenüber BBC Online. "Aber sie unterstreicht die wichtige Rolle, die vorgeburtliche und von der Mutter abhängige Faktoren spielen."

Es sei klar, dass Mütter während der Schwangerschaft mehr Unterstützung bekommen müssten. "Das ist die allerwichtigste Botschaft", betonte die Wissenschaftlerin. Denn Geburtsgewicht und -größe seien vom Verhalten der Mutter während der Schwangerschaft abhängig. Ungesunde Ernährung, Alkohol und Drogen schadeten der Entwicklung des Fötus.

Schon in einer Studie aus dem Jahr 1998 hatten schwedische Forscher festgestellt, dass Komplikationen während der Geburt eine erhöhte Suizidwahrscheinlichkeit zur Folge haben. Auch bei Einzelkindern besteht ein erhöhtes Selbstmordrisiko. Dies hatte eine schwedisch-britische Untersuchung im vergangenen Jahr ergeben.



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