Lebensmitteluntersuchung Hepatitis-E-Viren in Schweinefleisch nachgewiesen

Forscher haben in bis zu 13 Prozent der von ihnen untersuchten Leberwürste Spuren von Hepatitis-E gefunden. Das zeigt: Die Erreger stecken seit Jahren "relativ unverändert und sehr hoch" in solchen Lebensmitteln.
Konsument beim Schneiden von Leberwurst

Konsument beim Schneiden von Leberwurst

Foto: Federico Gambarini / DPA

Der Konsum von Schweinefleisch ist gerade in letzter Zeit in Verruf geraten. Der Skandal um die Corona-Fälle beim Schlachtbetrieb Tönnies ist vielen Konsumenten noch vor Augen.

Nun haben Forscher bei der Untersuchung von Schweinefleisch und Schweineleber in mehr als zehn Prozent aller Proben Hepatitis-E-Viren nachgewiesen. Bei fünf Prozent der Leberproben und 13 Prozent der Leberwürste wurde der Erreger gefunden, wie das Universitätsklinikum Tübingen mitteilte. Nicht untersucht wurde, wie infektiös das Virus noch war. Nachgewiesene Viren können durch Erhitzung bei der Lebensmittelherstellung bereits inaktiv sein.

In Zusammenarbeit mit dem Robert Koch-Institut, dem Bundesinstitut für Risikobewertung und der Medizinischen Hochschule Hannover testeten Tübinger Wissenschaftler rund 130 Proben aus Supermärkten und Metzgereien in Tübingen, Reutlingen, Stuttgart und Dortmund. Darunter waren 41 Proben von Schweinelebern, 40 von streichfähigen Leberwürsten, 40 von Leberpasteten und zehn von Rohwürsten ohne Leber wie Mettwurst.

Das Hepatitis-E-Virus (HEV) kann bei bestimmten Patientengruppen Leberversagen auslösen. Übertragen wird der Erreger über rohes Fleisch und verunreinigtes Wasser. In den Entwicklungsländern, in denen geringe Hygienestandards gelten, ist HEV für etwa 20 Millionen Infektionen und 70.000 Todesfälle pro Jahr verantwortlich.

Die Krankheit verläuft ähnlich wie eine Hepatitis-A-Infektion. Maximal 15 Tage nach der Ansteckung zeigen sich meist Symptome wie Fieber, Müdigkeit und Appetitlosigkeit. Auch Verläufe ohne Beschwerden sind bekannt. Normalerweise heilt die akute Krankheit ohne Folgeschäden. Bei immungeschwächten Menschen kann sie jedoch tödlich verlaufen - das passiert aber selten.

Hepatitis-E-Vorkommen "relativ unverändert und sehr hoch"

Auch in Deutschland stieg die Zahl der gemeldeten HEV-Fälle in den vergangenen zehn Jahren stark - vermutlich wird die Krankheit inzwischen häufiger erkannt.

Im Jahr 2011 wurden 238 Erkrankte gemeldet, 2019 waren es mit 3727 fast 16 Mal so viele. Im August 2020 lag die Zahl für das laufende Jahr bereits bei 2280 registrierten Fällen.

Laut der Forscher zeigte sich, dass in Deutschland das Vorkommen von Hepatitis-E-Viren in Lebensmitteln mit Schweineleber seit zehn Jahren "relativ unverändert und sehr hoch ist", hieß es.

joe/AFP
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