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15. Mai 2009, 11:55 Uhr

Schweinegrippe

Drei Schulen in New York wegen Infektionsgefahr geschlossen

Aus Sorge um einen Ausbruch der Schweinegrippe sind im New Yorker Stadtteil Queens drei Schulen geschlossen worden. In einem bemerkenswerten Statement schloss die WHO unterdessen aus, dass der neue Grippeerreger künstlich hergestellt wurde.

New York - Ein mit dem H1N1-Virus infizierter Lehrer befinde sich in einem ernsten Zustand, sagte New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg. Außerdem hätten mindestens vier Schüler derselben Schule das Virus. Drei Schulen im Stadtteil Queens mit insgesamt knapp 4500 Schülern würden deswegen sicherheitshalber geschlossen bleiben. Es gebe dort eine "ungewöhnliche Anzahl grippeähnlicher Erkrankungen", sagte Bloomberg.

Geschlossene Schule in Queens (am 4. Mai): "Wir waren darüber sehr besorgt und nehmen das sehr ernst"
AFP

Geschlossene Schule in Queens (am 4. Mai): "Wir waren darüber sehr besorgt und nehmen das sehr ernst"

An einer Schule seien 50 Schüler mit Grippesymptomen nach Hause geschickt worden, an einer weiteren hätten am Donnerstag 241 Schüler im Unterricht gefehlt, an der dritten seien 29 Kinder mit grippeähnlichen Symptomen registriert. Die drei Schulen würden für zunächst mindestens fünf Schultage geschlossen, um eine Ausbreitung des Virus' zu verhindern.

Der erkrankte Lehrer ist der erste schwere Fall von Schweinegrippe in New York. Im April war ebenfalls im Stadtteil Queens eine Schule wegen einer Infektion tagelang geschlossen worden. In den USA wurden bereits 4298 bestätigte oder mutmaßliche Fälle der Grippe registriert. Drei US-Bürger starben bislang an der Krankheit.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat derweil noch keine Entscheidung über die Massenproduktion eines Impfstoffs gegen die Schweinegrippe getroffen. Ein Expertentreffen am Donnerstag habe "keine großen Entscheidungen" erbracht, sagte WHO-Vizegeneraldirektor Keiji Fukuda. Es handele sich um einen "mühsamen und schwierigen" Entscheidungsprozess. Deswegen seinen noch einige weitere Treffen erforderlich.

Im Kern geht es darum, dass die Verantwortlichen entscheiden müssen, ob sie einen Pandemie-Impfstoff oder das Vakzin gegen die saisonale Grippe herstellen lassen wollen. Im ersten Fall könnte sich die Situation ergeben, dass es für die jährlich wiederkehrende Grippe dann keinen ausreichenden Schutz mehr gibt.

"Wir wissen nicht, wo es herkommt"

Der technische Prozess zum Start der Massenproduktion eines Schweinegrippe-Impfstoffs dauere mehrere Wochen, erklärte Fukuda. In einem bemerkenswerten Statement wies der Uno-Gesundheitsschützer die Theorie zurück, das Virus H1N1 stamme aus einem Labor.

Die Vermutung kursiert schon seit Wochen im Internet und war zuletzt von einem australischen Virologen geäußert worden. "Wir waren darüber sehr besorgt und nehmen das sehr ernst", sagte Fukuda. Abklärungen mit Wissenschaftlern in aller Welt hätten aber für diese Theorie bisher keinen Beweis erbracht. "Die Gruppe (der Wissenschaftler) glaubt, dass diese Hypothese nicht zu belegen ist", so Fukuda.

Der WHO-Experte geht allerdings davon aus, dass die Diskussion darüber weitergehen wird, bis man den Ursprung des mutierten Virus, das Elemente vom Menschen, vom Schwein und von Vögeln in sich trägt, herausgefunden habe. "Derzeit müssen wir klar sagen: Wir wissen nicht, wo es herkommt", sagte Fukuda. Allerdings sei es in der heutigen Zeit nicht mehr möglich, etwas zu verbergen. "Es macht zwar viel Arbeit, etwas herauszufinden, man kann sich aber der Sache annehmen."

Laut Angaben der WHO vom Freitagvormittag sind weltweit bislang rund 7500 Menschen in 34 Ländern an der Schweinegrippe erkrankt. Mindestens 65 Menschen starben, davon allein 60 in Mexiko. Erstmals wurden Infektionen auch aus Peru und Malaysia gemeldet. WHO-Chefin Margaret Chan warnte angesichts der Zahlen erneut, es sei noch zu früh für eine Entwarnung. Die Krise könne möglicherweise globale Auswirkungen haben.

chs/AFP/dpa

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