Schweinegrippe Erster Todesfall in Europa

Die Schweinegrippe hat den ersten Todesfall in Europa gefordert: Nach Angaben der schottischen Regierung ist ein Patient mit Gesundheitsproblemen an dem Virus gestorben. In Deutschland wurden am Wochenende zahlreiche neue Fälle gemeldet.

London/Berlin - Die Schweinegrippe hat das erste Todesopfer außerhalb des amerikanischen Kontinents gefordert: Nach Angaben der schottischen Regierung ist ein Patient in einem Krankenhaus an dem Virus H1N1 gestorben. Er war dort mit neun weiteren Menschen wegen der Schweinegrippe behandelt worden. Das Opfer habe schon vor der Infizierung an weiteren Gesundheitsproblemen gelitten, sagte ein Regierungssprecher. Nähere Informationen wurden bislang nicht bekannt.

Am Sonntag wurde zudem bekannt, dass eine etwa 50-jährige Frau in Kanada an dem Virus gestorben ist. Sie habe vorher an einer chronischen Krankheit gelitten, teilte ein Mitarbeiter des Gesundheitsministeriums von Québec mit. Es ist der sechste Schweinegrippe-Todesfall in Kanada.

Erst am Donnerstag hatte die Weltgesundheitsorganisation WHO die Warnstufe auf 6 angehoben. Damit gilt die Schweinegrippe offiziell als Pandemie. Seit Bekanntwerden der ersten Fälle in Mexiko infizierten sich weltweit fast 30.000 Menschen.

Auch in Deutschland steigt die Zahl der Fälle immer weiter: Am Wochenende wurden über 60 neue Erkrankungen gemeldet - darunter auch der erste Fall in Berlin. Das Robert Koch-Institut (RKI) habe die Infizierung einer 23-Jährigen aus dem Bezirk Treptow-Köpenick bestätigt, teilte die Gesundheitsverwaltung des Senats am Sonntag mit.

In Düsseldorf stieg die Zahl der registrierten Fälle nach Angaben der Stadt auf 82, deutschlandweit liegt die Zahl der bestätigten Erkrankungen damit bei rund 170. Außer dem Saarland und Bremen sind mittlerweile alle Bundesländer von der Krankheit betroffen.

Die 23-jährige Berlinerin war am Dienstag von einem eintägigen Aufenthalt in Düsseldorf zurückgekehrt. Sie weise keine schweren Symptome auf und befinde sich daher nicht in einer Klinik, sondern sei zusammen mit ihrem Lebensgefährten in der gemeinsamen Wohnung unter Quarantäne, heißt es. Die Infektionsschutzbeauftragte Berlins, Marlen Suckau, riet der Bevölkerung zur Anschaffung eines Mundschutzes: "Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, sich einen zu kaufen."

In Düsseldorf sind 65 der Erkrankten Kinder. Alle neu Infizierten seien Klassenkameraden oder Geschwister bisheriger Patienten, hatte ein Sprecher der Stadt am Samstag gesagt. Am Mittwoch war bekannt geworden, dass sich mindestens 30 Kinder der Japanischen Internationalen Schule mit dem H1N1-Virus infiziert hatten.

Die Stadt Düsseldorf teilte mit, dass sich zudem fünf Eltern, zwei Nachhilfelehrer sowie der Busfahrer, der mit den Kindern auf Klassenfahrt war, infiziert hätten. Zwei weitere Personen haben sich offenbar im Ausland angesteckt: Eine 24-Jährige erkrankte nach einem Aufenthalt in New York, ein 29 Jahre alter Mann hat sich wahrscheinlich in Amsterdam mit dem Virus infiziert. Die Behörden in Düsseldorf gehen aber davon aus, dass derzeit keine umfassende Ausbreitung droht.

Auch in anderen Bundesländern wurden neue Fälle der Krankheit gemeldet: In Brandenburg wurde die Erkrankung bei einem 33-Jährigen bestätigt, der von einer USA-Reise zurückgekehrt war. Auch in Niedersachsen wurde ein weiterer Fall registriert: Eine Zehnjährige aus Hannover hatte sich bei ihrer Mutter angesteckt.

Angesichts der neuen Fälle warnte das Robert-Koch-Institut vor einer Unterschätzung des Virus'. Zwar verlaufen die Erkrankungen in der Regel nach wie vor mild. Man könne aber "keineswegs sagen, dass das Virus harmlos ist", sagte der stellvertretende Leiter der RKI-Abteilung Infektionsepidemie, Osama Hamouda, dem "Focus".

Gesundheitsministerin Ulla Schmidt warnte vor überstürzten Aktionen. Mit der WHO-Warnstufe 6 wachse zwar die Sorge vor der neuen Grippe, sagte die SPD-Politikerin der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". "Aber zu übereilten oder panischen Reaktionen besteht kein Anlass", so Schmidt.

Das Schweinegrippe-Virus

hut/dpa/AP/AFP