Schwule Schafe Bock auf Böcke

Homosexualität ist unter Schafen recht verbreitet: Etwa acht Prozent aller domestizierten Hammel ziehen gleichgeschlechtliche Partner vor. Forscher aus Oregon, USA haben jetzt Hinweise auf anatomische und hormonelle Ursachen für die Vorliebe gefunden.


Schafe: Vorliebe für Geschlechtsgenossen
AFP

Schafe: Vorliebe für Geschlechtsgenossen

"Gleichgeschlechtliche Anziehungskräfte sind in vielen Spezies weit verbreitet", so Charles Roselli, Erstautor einer Studie über das Sexualverhalten von Schafen. "Schafe sind eine der wenigen Arten, zu denen in diesem Bereich systematische Forschungsergebnisse vorliegen", erklärt er, "deshalb können wir mit ihnen sehr gründliche und kontrollierte Experimente durchführen."

Die Wissenschaftler untersuchten insgesamt 27 vierjährige Schafe aus verschiedenen Zuchtlinien. Acht Böcke bevorzugten weibliche Schafe als Geschlechtspartner, neun wandten sich bei freier Auswahl lieber dem eigenen Geschlecht zu. Dazu kamen zehn Mutterschafe oder Zippen.

Eine Untersuchung der Schafshirne ergab, dass ein bestimmter Teil im Hypothalamus der Tiere unterschiedlich aussieht - je nachdem ob die Böcke das eigene oder das andere Geschlecht vorziehen. Die Hirnregion Hypothalamus ist unter anderem für die Regelung des Stoffwechsels und für Sex zuständig.

Die Forscher von der Oregon Health and Science University nennen die Region "Ovine Sexually Dimorphic Nucleus", also etwa "sexuell zweigestaltigen Kern bei Schafen". Sie ist bei männlichen Schafen generell größer als bei weiblichen. In ihrer Studie stellten die Wissenschaftler fest, dass diese Hirnstruktur bei schwulen männlichen Tiere kleiner ist als bei heterosexuellen Böcken - und etwa genauso groß wie bei weiblichen Tieren.

Neben dem anatomischen Unterschied stellten die Wissenschaftler auch einen hormonellen fest: Die homosexuellen Böcke wiesen die gleichen Konzentrationen einer Substanz namens Aromastase auf, wie die Zippen. Heterosexuelle Böcke produzierten mehr von dem Stoff, der Testosteron in Östradiol umwandelt und damit männliches Sexualverhalten unterstützt.

In einer nachfolgenden Studie will die Forschergruppe untersuchen, ob die sexuelle Präferenz von Schafen vor der Geburt durch eine Manipulation der hormonellen Umgebung des Fötus beeinflusst werden kann.



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