Berlin Uno gründet höchstes Wissenschaftsgremium der Welt

Neuer Anlauf im Kampf gegen Umweltschäden und Armut: Die Vereinten Nationen haben in Berlin das höchstrangige Wissenschaftsgremium der Welt begründet. Es soll den Generalsekretär der Uno beraten. Der deutsche Vertreter rechtfertigt die neue Institution.
Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon in Berlin: Rat aus erster Hand

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon in Berlin: Rat aus erster Hand

Foto: Maurizio Gambarini/ dpa

Hamburg/Berlin - 13 Frauen und 13 Männer sollen künftig den Generalsekretär der Vereinten Nationen (Uno), Ban Ki Moon, beraten. Die Forscher aus 26 Staaten haben am Donnerstag in Berlin das höchstrangige Wissenschaftsgremium der Welt begründet, das "Scientific Advisory Board" (SAB). Aber braucht die Uno tatsächlich einen weiteren Beraterstab?

Ban Ki-Moon, der das SAB ins Leben gerufen hat, schwärmt von der Einrichtung: Die Wissenschaftler vereinten das "kollektive Wissen unterschiedlicher Forschungsbereiche". So ließen sich bessere politische Entscheidungen treffen. "Die globale Sicherheit hängt davon ab, dass es weltweit eine nachhaltige Entwicklung gibt", sagte Ban nach einem Treffen mit Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) in Berlin.

Vor allem bei zwei Themen soll das SAB helfen, das an wechselnden Orten tagen soll: "Bei nachhaltiger Entwicklung und der Bekämpfung von Armut", erklärt die Uno. Beide Aufgaben gehören zu den sogenannten Milleniumszielen , die bereits 2001 formuliert wurden. SAB-Mitglied Jörg Hacker beantwortet die wichtigsten Fragen zum neuen Uno-Gremium:

Zur Person
Foto: David Ausserhofer

Professor Jörg Hacker studierte Biologie mit Schwerpunkt Genetik und Mikrobiologie an der Martin-Luther-Universität in Halle. Er ist Gründungsmitglied des Zentrums für Infektionsforschung der Universität Würzburg, das er bis 2008 leitete. Von 2008 bis 2010 war er Präsident des Robert Koch Instituts. Seit 2010 ist er Präsident der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina.

SPIEGEL ONLINE: Herr Hacker, warum braucht die Uno einen weiteren Beraterstab?

Jörg Hacker: Es war der Wunsch des Uno-Generalsekretärs Ban Ki Moon, enger an Wissenschaftler angebunden zu sein, die ihn bei wichtigen Themen auf dem Laufenden halten.

SPIEGEL ONLINE: Bislang wurde die Uno auch schon von Wissenschaftlern informiert. Waren die nicht gut genug?

Hacker: Das neue Gremium soll es dem Uno-Generalsekretär ermöglichen, Themen aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu sehen. Aktuelle Fragestellungen lassen sich meist nur noch lösen, wenn etwa Experten für Energie, Gesundheit, Umwelt und Wirtschaft zusammenarbeiten. Das SAB vertritt alle möglichen wissenschaftlichen Disziplinen. Wir wollen gesellschaftliche Probleme nach dem Stand der Wissenschaft einordnen.

SPIEGEL ONLINE: Wie soll die Beratung konkret vonstatten gehen?

Hacker: Wie treffen uns zweimal im Jahr, wollen dann Fragen zu drängenden Themen diskutieren, Arbeitspläne erstellen und Forschergruppen beauftragen, Lösungen zu erarbeiten.

SPIEGEL ONLINE: Um was soll es dabei gehen?

Hacker: Wir wollen Defizite und Unsicherheiten bei wissenschaftlichen Ergebnissen benennen, den Stand der Grundlagenforschung darstellen, neue Strukturen vorschlagen, um Vertrauen werben und Probleme in den gesellschaftlichen Kontext einordnen.

SPIEGEL ONLINE: Welche Themen stehen im Fokus?

Hacker: Vor allem wird es um Armutsbekämpfung und Nachhaltigkeit gehen.

SPIEGEL ONLINE: Was verstehen Sie unter Nachhaltigkeit?

Hacker: Nachhaltig zu handeln bedeutet, die Erde für künftige Generationen bewohnbar zu hinterlassen. Das wird nur möglich sein mit vernünftiger Politik in Sachen Gesundheit, Energie, Klima, Armutsbekämpfung und Katastrophenmanagement.

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