Segensreiche Polster Mäuse haben gutes und böses Fett

Speck ist nicht gleich Speck: Forscher haben bei Mäusen eine Fettschicht entdeckt, die der Gesundheit dient. Die unter der Haut liegenden Reserven verbessern die Blutzucker- und Insulinwerte.


Cambridge - Fettpolster haben auch gute Seiten, wie Forscher vom Joslin Diabetes Center in Boston jetzt herausgefunden haben. Direkt unter der Haut von Mäusen abgelagertes, sogenanntes subkutanes Fett bewirke unter anderem eine erhöhte Insulin-Empfindlichkeit und einen verbesserten Zuckerstoffwechsel, berichtet das Team von Thien Tran im Fachmagazin "Cell Metabolism" (Bd. 7, S. 410).

Dicke Maus: Hier bewirkte eine Genmanipulation die Körperfülle
AP

Dicke Maus: Hier bewirkte eine Genmanipulation die Körperfülle

Die Forscher hatten Fett aus Spendermäusen in Empfängermäuse transplantiert. Wurde subkutanes Fett in den Bauchraum einer Maus verpflanzt, so waren die Auswirkungen auf die Gesundheit der Empfängermaus positiv: Die Blutzucker- und Insulinwerte verbesserten sich, und insgesamt nahmen Körpergewicht und Fetteinlagerung sogar ab. Beim Transplantieren von Bauchfett gab es diesen positiven Effekt nicht.

Die unterschiedlichen Auswirkungen könnten direkt in den Eigenschaften der Fettzellen selbst begründet sein, schreiben die Wissenschaftler. "Unsere Ergebnisse zeigen, dass es auch 'gutes Fett' gibt", sagt Ronald Kahn, einer der Autoren der Studie.

Beim Menschen wird dieses subkutane Fett zumeist an den Hüften und Schenkeln abgelagert und zeigt sich in einer birnenartigen Körperform. Das weniger positiv wirkende Fett führt dagegen zur Apfelform - dem typischen Bierbauch - und wird in der Bauchhöhle eingelagert, wo es die inneren Organe und das Verdauungssystem umhüllt.

"Jetzt müssen wir herausfinden, was beim subkutanen Fett für die positiven Auswirkungen verantwortlich ist", meint Kahn. Das Fett produziere möglicherweise Substanzen wie etwa bestimmte Hormone, die den Zuckerstoffwechsel verbessern.

Speckreserven beim Menschen müssen übrigens nicht unbedingt sichtbar sein: Ein Londoner Mediziner hatte jüngst 800 normalgewichtige Briten mit einem Kernspintomografen untersucht und dabei gefährliche Speckpolster entdeckt. Das Eingeweidefett (viszerales Fett) ist von außen kaum sichtbar und umhüllt lebenswichtige innere Organe wie Herz, Leber oder Bauchspeicheldrüse.

Zu den aktuellen Ergebnissen über gutes und schlechtes Fett bei Mäusen passt auch eine Entdeckung, die andere Forscher schon vor einigen Jahren bei Menschen gemacht hatten: Fettabsaugungen, bei denen subkutanes Fett entnommen wird, verringern nicht die Risiken für eine Erkrankung der Herzkranzgefäße.

Erst vor wenigen Tagen hatten Forscher bewiesen, dass die Zahl der Fettzellen beim Menschen konstant bleibt, sobald man erwachsen ist. Der Grund: Sterbende Zellen werden stets durch neue ersetzt. Diese Erkenntnis könnte Dicken sogar helfen.

hda/ddp



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