Seiichi Miyake Der Mann, der Blinden den Alltag erleichterte

Google erinnert an diesem Montag an den Japaner Seiichi Miyake: Er wollte ursprünglich einem Freund helfen, dessen Sehkraft eingeschränkt war. Inzwischen wird seine Erfindung weltweit eingesetzt.


Wer an diesem Montag die Startseite von Google in zahlreichen Ländern aufruft, darunter auch Deutschland, der sieht statt des üblichen Logos die gezeichnete Nahaufnahme einer Straße, einige Pflastersteine sind mit Rillen versehen, andere mit Noppen - darauf stehe eine Person mit einem Blindenstock. Google erinnert damit an den japanischen Erfinder Seiichi Miyake (1926-1982).

Auf ihn geht das sogenannte Blindenleitsystem zurück; auch Leitliniensystem oder taktiles Bodenleitsystem genannt. Gemeint sind Systeme, die es sehbehinderten oder blinden Menschen ermöglichen sollen, sich beispielsweise mithilfe eines Stocks sicher im öffentlichen Raum zu bewegen: Dafür sind in den Boden gewisse Indikatoren eingelassen, Rillen etwa oder Noppen. Man sieht sie im Alltag beispielsweise auf Bahnsteigen, an Fußgängerampeln oder auf öffentlichen Plätzen.

Im Jahr 1965 habe Seiichi Miyake sein eigenes Geld investiert, um die taktilen Platten zu entwickeln, heißt es im Begleittext zum Doodle. Er habe damit einem Freund helfen wollen, dessen Sehkraft nachgelassen hatte. Die am Boden ertastbaren Noppen signalisieren Gefahr - an einer Straßenüberquerung wird damit beispielsweise der Übergang vom Fußgängerweg zur Straße markiert. Die Rillen wiederum bedeuten, dass man sich auf einem sicheren Weg befindet.

Die Indikatoren können mit einem Blindenstock, mit den Füßen oder mit einem Blindenhund erfasst werden - bei dem Doodle sind nach und nach alle drei Varianten zu sehen.

Google/Screenshot

Erstmals wurden die Platten demnach in einer Straße in der Nähe der Okayama Blindenschule eingeführt - am 18. März 1967.

aar

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SpitzensteuersatzZahler 20.03.2019
1.
Schön, dass es Menschen gibt, die - obwohl nicht betroffen - anderen das Leben erleichtern. Blinde haben genug Probleme im Leben... dafür sehe ich dann gerne über das Ungemach weg, das mit den Rillen und Noppen im Zusammenspiel mit dem Koffer entsteht. Aber was ich sagen muss, dass ich in einer Woche Japan (dort sind die omnipräsent) nicht einen einzigen Blinden gesehen habe der das benutzt hat. Vlt auch Zufall...
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