Sequenzierungsprojekt Genom von Erzbischof Tutu entziffert

Mitglieder afrikanischer Stämme unterscheiden sich genetisch stärker voneinander als Europäer und Asiaten. Das haben Forscher herausgefunden, als sie das Erbgut mehrerer Männer untersuchten. Unter den Probanden war auch Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu aus Südafrika.


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Genomanalyse: Suche nach Verwandtschaftsverhältnissen
London - Bislang sind die Genome von etwa zwei Dutzend Menschen vollständig entziffert. Und nicht alle von ihnen sind in wissenschaftlichen Fachmagazinen publiziert. Nun fügen Forscher der Liste einen illustren Namen hinzu: Eine Forschergruppe um Vanessa Hayes von der University of New South Wales in Australien hat das Genom von Erzbischof Desmond Tutu aus Südafrika entziffert.

Das Interessante daran: Die Gensequenz des Friedensnobelpreisträgers soll unter anderem dazu beitragen, die Verwandtschaftsverhältnisse der südafrikanischen Volksstämme zu klären. Denn insgesamt hatten die Forscher die Gensequenzen von fünf afrikanischen Männern analysiert. Tutu - er gehört zur ethnischen Gruppe der Bantus - und ein Stammesältester aus der Kalahari-Wüste wurden dabei vollständig erfasst, wie die Wissenschaftler im Journal "Nature" berichten.

Tutu sei durch seine Herkunft ein idealer Repräsentant für die meisten Menschen im Süden Afrikas, erläuterte Hayes. Die beiden vollständigen Genome werden um zahlreiche Gendaten dreier weiterer Stammesältester ergänzt, die jeweils Gemeinschaften von Jägern und Sammlern vorstehen. Von ihnen wurden jene Gen-Regionen gelesen, die in Proteine übersetzt werden.

Für die zweijährige Arbeit wurden drei neue, besonders schnelle und günstige Sequenzierungsverfahren eingesetzt. Die genetischen Daten werden jeweils um eine ausführliche Krankengeschichte ergänzt. Diese sollen dabei helfen, die Funktion der Gene zu deuten.

Buschmännern drohen Krankheiten - wenn sie sesshaft werden

Die Forscher untersuchten unter anderem die Unterschiede in den Genomen. Dabei stellte sich heraus, dass die Differenzen unter Afrikanern größer waren als zwischen einem Europäer und einem Asiaten, erklärte US-Forscher Webb Miller von der Penn State University. Die Studie könnte ein neues Licht auf die frühe Entwicklung der Menschheit werfen, schreiben die Forscher außerdem.

Die Analyse zeigt nach Ansicht der Forscher außerdem, dass die umherziehenden Buschmänner bei einer Änderung ihres Lebensstils für einige Krankheiten anfällig wären, die besonders sesshafte Menschen treffen. Dazu zählen die Folgen einer fettreichen Ernährung sowie Malaria.

Die DNA zeigte außerdem, dass Tutu in direkter mütterlicher Linie von Buschmännern abstammt. Der Erzbischof wusste bisher nichts davon, sagte nun aber: "Ich bin ein wahres Kind Südafrikas. Darüber bin ich sehr glücklich." Tutu hatte 1984 für seine versöhnende Rolle bei der Überwindung der Rassentrennung in Südafrika den Friedensnobelpreis erhalten.

chs/dpa

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