Schutzgebiete in Afrika Wachsende Bevölkerung bedroht Wildtiere in Serengeti und Masai Mara

Gnus, Löwen und Elefanten - in der Serengeti und Masai Mara in Afrika lebt eine Vielzahl eindrucksvoller Wildtiere. Doch zunehmend breitet sich der Mensch in dem Gebiet aus - und wird zur Gefahr für das Ökosystem.

Eine Herde Gnus in der Serengeti: Menschliche Siedlungen bedrohen das Ökosystem
James Probert/Science/dpa

Eine Herde Gnus in der Serengeti: Menschliche Siedlungen bedrohen das Ökosystem


Die Gebiete der Serengeti in Tansania und der angrenzenden Masai Mara in Kenia sind streng geschützt. Dennoch bedrohen menschliche Siedlungen die dortige Tierwelt, berichten Forscher im Fachjournal "Science".

Die am Rande der Schutzgebiete lebende Bevölkerung sei zwischen 1999 und 2012 im Mittel jährlich um 2,4 Prozent gewachsen, schreibt das Team um Michiel Veldhuis von der Universität Groningen in den Niederlanden. Es gebe mehr Ackerland, auch die Zahl der Nutztiere sei in die Höhe geschnellt.

Die Wissenschaftler haben Daten aus den vergangenen vier Jahrzehnten analysiert. In einigen Regionen an den Grenzen der Schutzgebiete wuchs die Bevölkerungszahl demnach allein im vergangenen Jahrzehnt um das Vierfache. Zugleich seien die Bestände großer Wildtiere in für den Naturschutz besonders relevanten Gebieten der Masai Mara um mehr als 75 Prozent geschwunden.

Häuser im Schutzgebiet

Viehhirten zögen auf der Suche nach knapp werdendem Weideland für ihre Schafe, Ziegen und Rinder immer tiefer in die Schutzgebiete hinein, immer mehr Menschen bauten in den Pufferzonen rund um die Kernbereiche Häuser, erklären die Forscher. Die Wildtiere würden zurückgedrängt, ihnen bliebe immer weniger Raum zum Grasen. Zudem würden die Zugrouten von Gnus, Zebras und Gazellen unterbrochen.

Sonnenuntergang in der Serengeti
Han Olff/Science/dpa

Sonnenuntergang in der Serengeti

"Wir haben Luft- und Satellitenaufnahmen ausgewertet und erkannt, dass mittlerweile die Vegetation auf den äußersten sieben Kilometern der Schutzzonen weniger grün ist als früher", erklärt Mitautor Joseph Ogutu von der Universität Hohenheim. "Außerdem erkennt man ein Netz von Trittpfaden der Weidetiere, das in die Schutzzonen führt."

Folgen des Siedlungsdrucks bald nicht mehr umkehrbar

Die Serengeti im Norden Tansanias und die Masai Mara im Süden Kenias bilden eines der größten Schutzgebiete Afrikas. In der rund 40.000 Quadratkilometer umfassenden Region folgen jährlich etwa eine Million Gnus, eine halbe Million Gazellen und 200.000 Zebras dem Regen von der Serengeti zur Masai Mara und wieder zurück - ein Spektakel, das Touristen aus aller Welt anzieht. Auch Büffel, Elefanten, Strauße, Giraffen, Warzenschweine und viele andere Arten sind in der Region heimisch.

Fotostrecke

10  Bilder
Tödliche Wanderung: Ein Gnu in den Fängen der Krokodile

Die Folgen des steigenden Siedlungsdrucks für das gesamte Ökosystem seien immens und bald nicht mehr umkehrbar, warnen die Forscher. Die Menschen störten die Wanderungen der Tiere. Außerdem verringerten sie Brände in dem Gebiet. "Wenn Nutztiere das Gras zu stark abweiden, ist einem Feuer quasi die Nahrung entzogen", erklärt Ogutu. "Dabei ist Feuer eines der prägenden Elemente dieses Ökosystems." Die Brände sorgen für fruchtbaren Boden.

Die Menschen verdienten durchaus Geld mit dem Tourismus, investierten dieses aber oft in weitere Nutztiere, die dann mit den Wildtieren um Platz, Wasser und Nahrung konkurrierten. Wünschenswert seien daher Gesetze, die die Viehzahl beschränken und Steuern für Tierbestände. Der Naturschutz sei letztlich auch für die Menschen vor Ort wichtig, schreiben die Forscher.

jme/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.