Seuchen Verdacht auf Vogelgrippe bei drei Franzosen

Die Vogelgrippe dringt immer weiter vor. Jetzt meldet Frankreich erstmals den Verdacht auf die Seuche bei drei Menschen auf der Insel La Réunion. In Kroatien wurde das aggressive Virus H5N1 jetzt zweifelsfrei nachgewiesen.


Brüssel - Bereits am Freitag war nach Tests an sechs in Kroatien verendeten Schwänen die Vogelgrippe diagnostiziert worden, nicht aber der genaue Typ. Jetzt ist nach Angaben der EU-Kommission klar, dass es sich auch hier um den aggressiven Virusstamm H5N1 handelt.

Beseitigung toter Vögel an einem See bei Zagreb: H5N1 auch in Kroatien bestätigt
AFP

Beseitigung toter Vögel an einem See bei Zagreb: H5N1 auch in Kroatien bestätigt

"Die Kommission ist von dem Referenzlabor der Europäischen Union in Weybridge informiert worden, dass das bei wilden Vögeln in Kroatien isolierte Virus tatsächlich das H5N1-Virus ist", sagte Kommissionssprecher Philip Tod. Der kroatische Experte Wladimir Savic ermahnte in Zagreb seine Landsleute zur Vorsicht. "Ich fordere alle Geflügel-Halter auf, das ernst zu nehmen und ihre Tiere in geschlossenen Räumen zu halten."

Nach der Türkei, Rumänien, Russland und Großbritannien ist Kroatien das fünfte europäische Land, wo das Virus H5N1 bestätigt wurde. Im Fall Großbritanniens wurde der Erreger allerdings nicht an einem freilebenden Tier festgestellt, sondern bei einem importierten Papagei, der nach Behördenangaben direkt nach der Einfuhr in Quarantäne verendete.

Drei Franzosen von der Insel La Réunion haben sich möglicherweise bei einer Asienreise mit der Vogelgrippe infiziert. Die drei Personen hätten in Thailand einen Vogelpark besucht, sagte Gesundheitsminister Xavier Bertrand nach einer Krisensitzung des Kabinetts zu der Tierseuche heute in Paris. Erste Tests auf das Virus H5N1 hätten positive Befunde ergeben.

Die Proben seien für weitere Untersuchungen von dem französischen Übersee-Département im Indischen Ozean nach Paris gebracht worden. Bisher spreche man von Verdachtsfällen und nicht von bestätigten Infektionen. Die Betroffenen würden mit Medikamenten gegen Viren behandelt. Endgültige Ergebnisse sollen bis Ende der Woche vorliegen.

EU rät vom Verzehr roher Eier ab

Die EU hat unterdessen betont, dass Eier und Geflügelfleisch vor dem Verzehr gut gekocht werden sollten. Laut Anne Laure Gassin, Sprecherin der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), gebe es keine Beweise dafür, dass das Vogelgrippe-Virus in die Nahrungsmittelkette gelangt sei. Wenn die EU vom Verzehr roher Eier abrate, sei dies eine reine Vorsichtsmaßnahme.

Innerhalb der EU ist der Verzehr von Geflügelfleisch und Eiern nach Einschätzung der EU-Kommission nicht gefährlich für den Menschen. Der Geflügelhandel sei nicht von der Vogelgrippe betroffen, sagte EU-Kommissionssprecher Tod. Eier und Geflügel seien, vor allem wenn sie richtig gekocht würden, keine Gefahr für die Gesundheit.

Bundesregierung verschärft Eilverordnung

Deutschland hat die Schutzvorkehrungen derweil verstärkt. Enten und Gänse sollen künftig nur noch mit Leitungswasser getränkt werden, teilte das Verbraucherministerium am Mittwoch mit. Zudem werden alle Geflügelschauen generell untersagt und der Einsatz von Lockvögeln bei der Jagd verboten. Dazu wird den Angaben zufolge die Eilverordnung zur Stallpflicht für Vögel geändert. Die Änderungen sollen noch in dieser Woche in Kraft treten.

Eier-Untersuchung in Rostocker Labor: EU rät vom Verzehr roher Eier ab
DPA

Eier-Untersuchung in Rostocker Labor: EU rät vom Verzehr roher Eier ab

Das Ministerium bestätigte damit einen Bericht der "Sächsischen Zeitung". Geflügelhalter dürfen danach ihre Tiere kein Wasser aus Flüssen, Seen oder Sammelbecken im Freien trinken lassen. So soll sichergestellt werden, dass der Erreger der Vogelgrippe nicht von Zugvögeln über das Wasser an die Tiere im Stall weitergegeben wird.

Am Dienstagabend hatte die EU erwartungsgemäß die kommerzielle Einfuhr von Wild- und Ziervögeln in die Union verboten. Das Verbot soll von der Kommission in der nächsten Tagen noch offiziell in Kraft gesetzt werden und gilt zunächst bis Ende November. Außerdem verbot die EU Einfuhren lebender Vögel aus Kroatien.

In Deutschland gaben die Behörden nach einem Verdacht auf Vogelgrippe Entwarnung. Erste Untersuchungsergebnisse nach dem Fund von 22 toten Graugänsen in Rheinland-Pfalz ergaben am Dienstagabend, dass die Tiere an Ratten- und Mäusegift verendet sind.

"Die Todesursache für die Graugänse können wir mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auf eine Vergiftung zurückführen", sagte Stefan Bent, Präsident des Landesuntersuchungsamtes in Koblenz. Das Gift sei in den Mägen von 12 der 22 Gänse festgestellt worden.

Neuer Ausbruch in China

Bei einem neuen Vogelgrippe-Fall in China sind nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in der ostchinesischen Provinz Anhui 2100 Hühner und Gänse infiziert worden und 550 verendet. Das Landwirtschaftsministerium sprach bislang nur von einem H5-Virus, doch könne es sich durchaus als der gefährliche Typ H5N1 erweisen. Die Behörden haben bereits 45.000 Tiere getötet und eine Quarantäne verhängt. Weitere 140.000 Tiere seien geimpft worden.

Die Vogelgrippe
Virus
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Die Vogelgrippe, auch als Aviäre Influenza bekannt, ist eine hochansteckende Viruskrankheit und befällt vor allem Hühner und Puten, aber auch Wildvögel, Fasane und Perlhühner. Der Virusstamm H5N1 ist eine besonders aggressive Variante, die bei 80 bis 100 Prozent der erkrankten Tiere innerhalb weniger Tage zum Tod führt. In seltenen Fällen können sich auch Menschen anstecken. Weltweit wurden bisher über 300 solcher Fälle festgestellt, die meisten in Asien. Fast 200 Menschen starben. Die meisten hatten beruflich mit Geflügel zu tun.

Übertragen wird die Seuche von Tier zu Tier durch direkte Berührung, über Kot, Speichel und Tränenflüssigkeit oder über Kontakt mit infiziertem Material wie Transportkisten oder Eierkartons. Bei starker Staubentwicklung ist auch eine indirekte Ansteckung über die Luft möglich.
Symptome
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Die Zeit von der Infektion bis zum Ausbruch der Krankheit beträgt meist 3 bis 14 Tage. Oft treten hohes Fieber, Atemwegsprobleme, Schwarzfärbung von Kamm und Kehllappen, Mattigkeit, Fressunlust, verminderte Legeleistung und Durchfall auf. Die Tiere können aber auch plötzlich tot umfallen oder ersticken.
Gefahr für Menschen
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Forscher sind besorgt, dass H5N1 mutieren könnte, bis es von Mensch zu Mensch übertragbar ist. Neuere Forschungsergebnisse bestätigen diese Befürchtung: Der Subtyp H1N1, der von 1918 bis 1920 als Spanische Grippe grassierte und bis zu 50 Millionen Tote forderte, war ein reines Vogelvirus, das sich an den Menschen angepasst hat. Denkbar ist auch eine Doppelinfektion eines Menschen oder eines Schweins mit menschlichen und tierischen Erregern. Dabei könnte sich eine Virus-Variante bilden, die eine verheerende weltweite Seuche - eine sogenannte Pandemie - auslösen könnte.
Behandlung
Zwei Medikamente können Menschen im unwahrscheinlichen Fall einer H5N1-Infektion helfen: Die antiviralen Medikamente Tamiflu (Roche) und Relenza (GlaxoSmithKline). Tamiflu gibt es als Tablette oder Saft, Relenza als Pulver, das inhaliert wird. Sie werden auch Neuraminidase-Hemmer genannt. Neuraminidase ist eine Eiweißstruktur an der Virushülle. Wird diese Struktur von den Medikamenten blockiert, können neu gebildete Influenza-Viren die Wirtszelle nicht mehr verlassen und sich daher nicht weiter im Körper ausbreiten. Die deutschen Bundesländer haben 2006 beschlossen, mehr als acht Millionen Dosen beider Medikamente als Vorsichtsmaßnahme kaufen. Sie sollen die Monate zwischen einem Pandemie-Ausbruch und der Entwicklung eines Impfstoffs überbrücken.

Die WHO hat ein Frühwarnsystem gegen Vogelgrippe-Ausbrüche für die betroffenen Länder Südostasiens gefordert. Künftige Grippe-Epidemien bei Tieren könnten so effizienter abgewehrt werden, und auch ein für Menschen gefährliches Supervirus könne dann schwerer entstehen. Indonesien bestätigte unterdessen einen weiteren Todesfall durch das H5N1-Virus. Weltweit sind damit mindestens 62 Menschen daran gestorben.



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