Sexualwissenschaft Liebe Leserin, lieber Leser,

rund 153.000 Ehen wurden in Deutschland im Jahr 2017 geschieden. Im Durchschnitt dauert der Bund fürs Leben hierzulande gerade mal 15 Jahre - bei dieser Zielmarke erreicht eine Ehe die sogenannte Lumpenhochzeit. Dennoch gilt das Modell "Frau und Mann" in unserer Gesellschaft noch immer als Goldstandard partnerschaftlicher Koexistenz.

Doch eine große Zahl von Menschen versucht offenbar, dieser Form des Zusammenlebens zu entkommen, ohne dabei in der Einsamkeit des Singledaseins zu versauern. Wissenschaftler versuchen, sich dieser häufig im Verborgenen existierenden Spezies zu nähern.

Ich selbst hatte vor einigen Jahren die Gelegenheit, Einblicke in die scheue Gemeinde der Objektophilen zu bekommen: Menschen, die sich bestimmten Dingen so verbunden fühlen, dass sie zu diesen Gegenständen eine partnerschaftliche und sogar sexuelle Beziehung aufbauen. In einem Fall lebte ein Mann mit einer Hammondorgel zusammen; in einem anderen Fall wähnte sich eine Frau in einer eheähnlichen Gemeinschaft mit einer Miniaturnachbildung der New Yorker Twin Towers.

Dass derlei Verbindungen das moralische Empfinden vieler Menschen aufs Empfindlichste berühren können, ließ sich nach meinem Artikel an etlichen Reaktionen von Lesern ablesen. Der prominente Sexualwissenschaftler Volkmar Sigusch urteilte da weitaus milder: "Die Objektophilen schaden niemandem, missbrauchen und traumatisieren keine anderen Menschen." Und er fragte weiter: "Von wem kann man das schon sagen?"

Von einem ganz anderen Schlag sind da jene Zeitgenossen, zu denen der New Yorker Sexualwissenschaftler Damian Jacob Sendler seit Jahren arbeitet: die Zoophilen. Diese Menschen streben nach einer sexuellen Partnerschaft mit einem Hund, einem Pferd oder auch einem Schaf. Befremdlich? Gewiss, doch es gibt Schätzungen, dass allein in Deutschland rund 100.000 Menschen leben, die etwa beim Anblick von Fell im Straßenbild sexuell erregt werden.

Foto: Cultura/Getty Images

Sendler ist diesem rätselhaften Menschenschlag jüngst so nahegekommen wie vermutlich noch kein Forscher vor ihm. Mit einer Studie im Internet  gelang es ihm, die Gedankenwelt der Sodomiten zu durchleuchten. "Menschen, die Sex mit Tieren haben, wissen durchaus, dass ihr Verhalten strafbar ist", meint der Forscher. Dennoch verstünden die Betroffenen selbst ihre Handlungen als "Liebe". Zudem offenbarten sie, dass der Sex mit ihren tierischen Partnern deutlich besser sei als der mit Menschen.

67 Prozent der Teilnehmer gaben sogar an, ihre Jungfräulichkeit mit einem tierischen Partner verloren zu haben. Dabei gestaltet sich der Sex mit Tieren bisweilen offenbar durchaus schmerzhaft: 33 Prozent der Befragten berichtete, dabei Verletzungen zu erleiden - am ganzen Körper.

Hunde wecken bei den Zoophilen besondere Begehrlichkeiten. 56 Prozent der Teilnehmer von Sendlers Studie denken in ihren Masturbationsphantasien an einen Kläffer. 26 Prozent befriedigen sich bei Gedanken an ein Pferd.

Derweil gaben 59 Prozent der Teilnehmer an, dass es insbesondere romantische Momente seien, durch die sie sich an ein Tier gebunden fühlten. Es ist also durchaus nicht nur Sex, den die Zoophilen suchen. Sendler fand heraus: Das Bedürfnis nach einer langen Beziehung mit ihrem animalischen Gefährten vereint alle Sodomiten.

Angesichts der Lebenserwartung etwa von Hunden dürfte auch eine solche Partnerschaft allerdings 15 Jahre kaum überdauern.

Herzlich

Ihr Frank Thadeusz

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Abstract

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Bild der Woche

Wenn Blütenfledermäuse Nektar schlürfen, hat der Mensch meist kaum eine Chance, dieses Schauspiel zu verfolgen. Denn die Flattertiere mit der langen Spezialzunge begeben sich nachts auf Schlemmertour - und sind überaus scheu. Entsprechend bemerkenswert ist dieses Foto, das einem Urlauber in Costa Rica nach dreistündigem Ausharren gelang. Was die Fledermäuse da machen, ist Teil eines uralten Handels zwischen Pflanze und Tier: Ich nähre dich mit Süßem, dafür verteilst du, via Fell, meine Pollen in der Welt.

Foto: John Hudson / SWNS


Fußnote

318 Patienten wurde voriges Jahr in Deutschland ein Herz transplantiert; derweil warten mehr als 9000 Menschen darauf, mit einem Spenderorgan versorgt zu werden. Mit rund zehn Organspendern pro eine Million Einwohner gehörten die Deutschen im Jahr 2018 zu den Schlusslichtern in Europa. In Spanien, wo die Widerspruchslösung gilt, wurden mehr als 40 Spender pro eine Million Einwohner gezählt.


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