Shampoo-Forschung Viele Schäume bleiben Träume

Die Wahl zwischen Shampoos: Für mehr Fülle, Glanz und Geschmeidigkeit
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Die Wahl zwischen Shampoos: Für mehr Fülle, Glanz und Geschmeidigkeit

Von Birgit Herden

2. Teil: "Schaum ist völlig unnötig"


Auch an den Universitäten findet man Shampoo-Forscher, sie können offener über die Tricks der Kosmetikindustrie und die falschen Erwartungen der Kunden reden als ihre Fachkollegen in Unternehmen. Schon die wohl grundlegendste Eigenschaft eines Shampoos ist für eine Überraschung gut. Es soll Schmutz und Fett entfernen und muss dafür schäumen, denken viele. Irrtum. "Schaum ist völlig unnötig", sagt Franz Wortmann, der an der University of Manchester die Struktur von Haaren und die Wirkung kosmetischer Behandlungen erforscht. "Ohne Schaum käme man mit viel weniger Shampoo aus." Die Hersteller lassen ihre Produkte nur deshalb so schön schäumen, weil viele Kunden das erwarten.

Nicht der Schaum löst Talg und Schmutzpartikel, es sind künstlich hergestellte Tenside, die das Haar reinigen. Sie wirken schonender als die bis in die sechziger Jahre verwendete Seife. Durch die Mischung verschiedener Tenside können Chemiker heute sehr genau einstellen, wie mild oder wie gründlich ein Shampoo ist. Spezialshampoos für fettiges Haar etwa enthalten weniger Pflegestoffe und sind für diese Anwendung tatsächlich besser geeignet. Sie können allerdings nicht die Talgproduktion der Kopfhaut beeinflussen, wie manche Hersteller behaupten.

Es gibt viele Versuche, das Nachfetten der Kopfhaut zu bremsen, zum Beispiel mit Algenextrakten. "Das überzeugt alles nicht", sagt jedoch der Dermatologe Ralph Trüeb, der die Haarsprechstunde am Universitätsspital Zürich leitet. Bleibt nur, das Haar immer wieder zu waschen. Ein Trost: Häufiges Waschen führt nicht zu einer verstärkten Talgproduktion - das hat die Kosmetikprofessorin Martina Kerscher von der Universität Hamburg vor Kurzem nachgewiesen.

Die meisten Menschen waschen sich die Haare allerdings nicht, weil sie schmutzig oder fettig sind. Shampoos, Spülungen und Kuren sollen vielmehr "gesundes Haar" hervorbringen, sie sollen das Haar kräftiger, geschmeidiger und vor allem glänzender machen. "Der globale Trend heißt Pflege, Pflege, Pflege", sagt Henkel-Forscher Förster.

Die Haare selbst können allerdings weder gesund noch krank sein. Mediziner betrachten Haare als "Hautanhangsgebilde". Sie bestehen aus fadenförmigen, vielfach miteinander verdrehten Eiweißmolekülen, dem Keratin. Diese Stränge entstehen in den Haarfollikeln, kleinen Einstülpungen der Haut. Sie ordnen sich spindelförmig an und versteifen sich dadurch. Millionen von ihnen verkleben und bilden die Haarfasern, dazwischen sind Fette und Wasser eingelagert. Umhüllt ist jedes Haar von einer dünnen Schicht aus Hornschuppen.



insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
sappelkopp 02.08.2010
1. Alles Marketing Gags
Welches Shampoo man nehmen soll? Wohl das natürlichste mit wenigen Inhaltsstoffen. Hätte die Natur gewollt, dass ich mir Bestandteile von Kaschmir, Aloe Vera, Bier oder Granatapfel in die Haare schmiere - sie hätte schon vor Millionen Jahren dafür gesorgt. Diese ganzen Tiegelchen und Töpfchen - und das gilt nochmehr für Hautcreme - machen nur einen glücklich: den Hersteller.
herbert 02.08.2010
2. Man muss nur den gesunden Menschenverstand einschalten!
Oft sind die billigsten Produkte die Besten und die teuersten verursachen noch Allergien. Aber keines der Mittel macht die Haut jünger oder beseitigt fette Haare oder stoppt den Haarausfall. Das Milliardengeschäft Kosmetik umgesetzt mit einer passenden Werbung hilft immer dem Hersteller aber wenig dem Kunden. Es werden Träume verkauft, die man geschickt formuliert und bunt darstellt. Man muss den Verstand einschalten und schon erkennt man all den Blödsinn der Werbung und der Produkte. Eine gesunde Ernährung, erbliche Veranlagungen zeigen uns das Ergebnis, aber niemals die Kosmetikindustrie.
gsm900, 02.08.2010
3. Mir eicht deshalb auch ein Noname Produkt
Zitat von sysopFettiges Haar? Drohende Glatze? Das richtige Shampoo zu kaufen, ist eine Wissenschaft für sich. Manche Mittel versprechen mehr Glanz durch Kaschmir, andere Kraft durch Provitamine. Das Magazin "Zeit Wissen" erklärt, welche Versprechen die Kosmetikindustrie halten kann - und welche nicht. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,702308,00.html
Als Chemiker halte ich die meisten Werbeversprechen als der Kategorie Wahlversprechen (an die sich manche Genossen ja nicht erinnern lassen wollen Müntefertich sprach ja von "unfair")zugehörig, also von der Art "watt jeht mich mein dummes Jeschwätz von jestern an".
Lisachen 02.08.2010
4. Ja, die Natur...
Zitat von sappelkoppWelches Shampoo man nehmen soll? Wohl das natürlichste mit wenigen Inhaltsstoffen. Hätte die Natur gewollt, dass ich mir Bestandteile von Kaschmir, Aloe Vera, Bier oder Granatapfel in die Haare schmiere - sie hätte schon vor Millionen Jahren dafür gesorgt. Diese ganzen Tiegelchen und Töpfchen - und das gilt nochmehr für Hautcreme - machen nur einen glücklich: den Hersteller.
Vermutlich hast du kurze Haare. Der Natur ist es freilich egal, ob die abgestorbenen Reste, die aus meinem Kopf wachsen glänzen oder nicht (Hauptsache warm im Winter), aber mir ist es das nicht. Die meisten Menschen wollen auch gepflegt aussehen und zu diesem Bild passt stumpfes und brüchiges Haar nicht und abschneiden ist nicht immer eine echte Alternative. Außerdem muss Shampoo, dass die Haare pflegt nicht teuer sein, ich denke eher "naturbelassene BIO-Shampoos" sind teurer.
Hubert Rudnick, 02.08.2010
5. Dürfte doch bekannt sein
Zitat von sysopFettiges Haar? Drohende Glatze? Das richtige Shampoo zu kaufen, ist eine Wissenschaft für sich. Manche Mittel versprechen mehr Glanz durch Kaschmir, andere Kraft durch Provitamine. Das Magazin "Zeit Wissen" erklärt, welche Versprechen die Kosmetikindustrie halten kann - und welche nicht. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,702308,00.html
--------------------------------------------------------- Das ist doch nichts neues, alles nur Werbung, aber das müsste doch der Bürger langsam auch schon mitbekommen haben, oder nicht? Unsere Haare sind doch auch nur ein Überbleibsel der Evolution und sie werden mit der Zeit ausgehen. HR
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